Essentials

Im Ergebnis der bisherigen Überlegungen ergeben sich für die vom Abgeordnetenhaus geforderte Weiterentwicklung des Kulturforums folgende Essentials:

1.
Mit den bedeutenden Kultureinrichtungen sowie mit der herausragenden Architektur ihrer Gebäude existiert, gemessen an dem anspruchsvollen Begriff Kultur-Forum, nur eine Hälfte dieses kulturpolitischen und städtebaulichen Programms. Was fehlt, ist das Forum als öffentlicher Raum. Weiterentwicklung des Kulturforums bedeutet daher, den vorhandenen qualitätsvollen Einrichtungen und Kulturbauten einen Rahmen öffentlicher Räume zu geben, der ihrer Bedeutung entspricht und gleichermaßen die notwendigen Ergänzungen zulässt. Dabei sollen Eingriffe in die vorhandenen Straßen- und Platzräume auf das Notwendigste beschränkt werden. Der Matthäikirchplatz bleibt als ältester Platz erhalten.

2.
Die Grundlage bei der Weiterentwicklung des Kulturforums bildet der Respekt und daraus abgeleitet die Inszenierung seiner vier architektonischen Monumente: St. Matthäus-Kirche, Philharmonie, Neue Nationalgalerie und Staatsbibliothek. Diesem Ziel dienen sowohl die Qualifizierung der öffentlichen Räume wie auch die Einordnung weiterer Baukörper.

3.
Weiterentwicklung des "Kulturforums auf der Grundlage der Scharounschen Idee" heißt unter den o. g. Aspekten Transformation des derzeitigen unbefriedigenden Zustandes in eine Abfolge untereinander in Beziehung stehender öffentlicher Räume unterschiedlicher Typologien:
- Konzentration auf einen stadtlandschaftlich gestalteten Kernraum,
- Schaffung eines der St. Matthäus-Kirche zugeordneten Stadtplatzes sowie
- eines neuen Museumsplatzes anstelle der "Piazzetta" genannten Rampe.

Durch diese differenzierte Behandlung der öffentlichen Räume wird die Wirkung der einzelnen Monumente gesteigert und gleichzeitig ein geistiger und räumlicher Kontext hergestellt.

4.
Zur Erreichung dieser Ziele sind bauliche Ergänzungen sowie eine gartenarchitektoni-sche Gestaltung notwendig. Dies bedeutet für
- den von Hans Scharouns Bauten geprägten Raum zwischen Philharmonie und Staatsbibliothek eine sensible Ergänzung mit Hilfe eigenständiger Baukörper im Sin-ne der Scharounschen Entwurfslogik im Übergangsbereich zum Potsdamer Platz,
- den Matthäikirchplatz eine bauliche Fassung der beiden Seiten unter Bewahrung des seit Mitte des 19. Jahrhunderts bestehenden Platzgrundrisses. Hierdurch wird die Position der Stülerkirche als ältestem Gebäude unterstrichen, ohne gleichzeitig die Kirche und den Platz aus dem Gesamtraum auszuklammern. Um die Stellung der St. Matthäus-Kirche zu stärken, soll die Sichtbeziehung zum Tiergarten über die Matthäikirchstraße stärker herausgearbeitet werden.
- den neuen Museumsplatz, den Abbruch der Rampe und den Neubau der Übergangsbauwerke zu dem vorhandenen und dem geplanten Museum, beispielsweise durch eine umlaufende Kolonnade. Sie erschließt die Gemäldegalerie, das Kunstgewerbemuseum, das Kupferstichkabinett und das Neue Skulpturmuseum in der Nord-Westecke des Platzes. Die Eingänge zu den vier Museen werden ebenerdig angelegt.

5.
Die Neue Nationalgalerie entfaltet ihre herausgehobene Position aus ihrer Lage als weithin freigestelltes Gebäude als Abschluss- bzw. Eintrittsgebäude in das Kulturforum. Von der Plattform der Neuen Nationalgalerie soll die freie Sichtbeziehung über den Stadtlandschaftsraum zur Scharounschen Philharmonie erhalten bleiben.

6.
Um das Kulturforum aus seiner derzeitigen stadträumlichen Isolation zu befreien, wird es mit dem umliegenden Tiergarten und dem Potsdamer Platz fußgängerfreundlich ver-netzt. Hierzu dient ein Zugang zur Staatsbibliothek vom Marlene-Dietrich-Platz, die Neugestaltung des Zugangs zur Philharmonie und zum Kammermusiksaal aus Richtung Osten sowie die gartenarchitektonische Verbesserung der Übergänge des Kulturforums zum südlichen Tiergarten.

7.
In dem ursprünglich als "Stadt in der Stadt" geplanten Kulturforum sollen auf einem Teil der Grundstücke des Landes Berlin sowie der Stiftung Preußischer Kulturbesitz andere als kulturelle Nutzungen ermöglicht werden. An dafür geeigneten Stellen sind besondere Wohnformen, kleine Hotels, in geringem Maße Büros sowie erdgeschossig Galerien, Läden, Restaurants und Cafés denkbar. Diese ergänzenden Nutzungen sollen sich in ihrer baulichen Form wie in ihrer Höhenentwicklung den vorhandenen Kulturbauten unterord-nen. Wichtiges Thema bleibt es, die Wahrnehmung dieses Ortes mit konkreten Gestaltungselementen vor allem aus östlicher Richtung zu erhöhen.

8.
Im Rahmen einer städtebaulichen Kalkulation für das Land Berlin und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz ist die Haushaltsneutralität aller Umbaumaßnahmen der öffentlichen Straßen und Platzräume nachzuweisen. Die dazu notwendige Ausweisung geeigneter Baugrundstücke ist Teil dieser Konzeption.

Weiteres Vorgehen:
a) Initiierung eines breit angelegten Diskurses mit der Stadtöffentlichkeit in Form von Architekturgesprächen, Workshops und ggf. Ausstellungen und Internetforen.
b) Im Ergebnis wird ein Masterplan erstellt, der die Grundlage für die Bauleitplanung bildet. Dieser Masterplan wird im Abgeordnetenhaus vor der Einleitung von Bebauungsplanverfahren und vor der Grundstücksvergabe beschlossen. Auf der Grundlage des Master-plans werden die Grundstücke für nichtkulturelle Nutzungen durch den LF bzw. SPK an Dritte veräußert.
c) Zur Sicherung des architektonischen Anspruchs an diesen Ort werden für die einzelnen Bereiche mit den Eigentümern Wettbewerbe durchgeführt.