Städtebau  

 

Kulturforum

Die Architekten des Kulturforums


Friedrich August Stüler
geb. 1800 in Mühlhausen; verst. 1865 in Berlin

Bauten am Kulturforum: St. Matthäus-Kirche (1844-46), nach Zerstörung wieder hergestellt von Jürgen Emmerich (1956-60)

Friedrich August Stüler war einer der bedeutendsten Architekten des Historismus in Berlin. Auf seinen Reisen nach Frankreich, Italien und England vertiefte er die Kenntnisse über die verschiedensten Baustile. Zu seinen zahllosen Bauten gehören in Berlin das klassizistische Neue Museum (1843-55) und die Alte Nationalgalerie, die nach seinen Entwürfen später von Heinrich Strack ausgeführt wurde (1866-76).


 
Hans Scharoun
geb. 1893 in Bremen; verst. 1972 in Berlin

Bauten am Kulturforum: Philharmonie (1960-63), Staatsbibliothek (1967-78)

Hans Scharoun bekam als expressionistischer Architekt - nach einer erfolgreichen Phase in den 20er Jahren - seine ersten größeren Aufträge nach dem 2. Weltkrieg. 1946 wurde Scharoun Beauftragter für das Programm des Wiederaufbaus der Stadt Berlin. Neben den Bauten am Kulturforum sind seine Hauptwerke u.a. die Siedlung Charlottenburg in Berlin (1955-61), die Wohnhochhäuser Romeo und Julia in Stuttgart (1955-59), die Deutsche Botschaft in Brasilia (1963-71) und das Deutsche Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven (1970).


 
Edgar Wisniewski
geb. 1930 in Stolp; verst. 2007 in Berlin

Bauten am Kulturforum: Künstlerische Beratung beim Weiterbau der Neuen Staatsbibliothek nach Tod von Hans Scharoun (1972), Bau des Musikinstrumentenmuseums und des Kammermusiksaals

Als ehemaliger Mitarbeiter und Partner von Hans Scharoun von 1957 bis 1972 ist Edgar Wisniewski die Weiterführung des architektonischen Erbes von Scharoun am Kulturforum zu verdanken. Weitere eigene Bauten, wie z.B. das Musikinstrumentenmuseum, wurden in der gleichen Tradition konzipiert.


 
Ludwig Mies van der Rohe
geb. 1886 in Aachen; verst. 1969 in Chicago

Bauten am Kulturforum: Die Neue Nationalgalerie (1962-68)

Nach einer kurzen expressionistischen Phase am Anfang der 20er Jahre fand Mies van der Rohe zum rationalen Internationalen Stil, der seitdem seine Bauten prägen sollte (z.B. Barcelona Pavillon,1929). 1930-33 leitete Mies das Bauhaus bis zur Schließung durch die Nationalsozialisten und emigrierte 1938 in die USA. Als Professor an dem Armour Institute (heute Illinois Institute) of Technology in Chicago entwarf er 1939 ein vollkommen neues Hochschulgelände (Crown Hall) und arbeitete an vielen Bauprojekten in den USA. Der Bau der Neuen Nationalgalerie als “Tempel” für die moderne Kunst ist zugleich ein Dokument der Versöhnung des weltweit berühmten Architekten mit Deutschland.


 
Hermann Mattern
geb. 1902 in Kassel; verst. 1971 in Greimharding am Chiemsee

Bauten am Kulturforum: Gartengestaltung um die Philharmonie und die Staatsbibliothek

(1919-21) an der Lehr- und Forschungsanstalt in Berlin-Dahlem und der Mitarbeit im Entwurfbüro von Karl Foerster gründete er 1935 ein eigenes Planungsbüro und arbeitete z.T. auch weiterhin in Planungsgemeinschaft mit Foerster. 1935-45 war Mattern Landschaftsanwalt beim Bau der Reichsautobahnen. 1949 erhielt Mattern den Lehrstuhl der Abteilung Landschaftskultur an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Kassel und von 1961-1970 war er Professor an der TU Berlin. Besonders kennzeichnend für Matterns Anlagen war die Raumbildung durch Bodenmodellierungen – unterstützt durch gezielten Einsatz unterschiedlicher Pflanzenarten.


 
Rolf Gutbrod
geb. 1910 in Stuttgart; verst. 1999 in Dornach, Schweiz

Bauten am Kulturforum: Erste Planung Museen der Europäischen Kunst, Bau des Kunstgewerbemuseums (1985)

Rolf Gutbrod studierte in Stuttgart und Berlin.1937 bis 1945 war er vor allem mit dem Entwurf von Militärbauten beschäftigt. Ab 1946 trat Gutbrod als selbständiger Stuttgarter Architekt in Erscheinung, 1957-59 nimmt er eine Gastprofessur an der TU-Istanbul an. 1961 erhält Gutbrod eine Professur an der TH in Stuttgart und wird im gleichen Jahr zum Ordentlichen Mitglied der Akademie der Künste Berlin gewählt (ab 1971 stellvertretender Direktor der Abteilung Baukunst). Zu Gutbrods Hauptwerken zählen u.a. die Deutsche Botschaft in Wien (1959-65) und das Dorland-Haus in Berlin (1964-66). 1967 wird Gutbrod mit der Planung der Berliner Museen für Europäische Kunst betraut. 1985 wird das Kunstgewerbemuseum als erster Teil dieser Planungen fertig gestellt. Die weiteren Planungen wurden jedoch nur in Teilen nach Gutbrods Vorstellungen umgesetzt.


 
Hilmer & Sattler und Albrecht
Christoph Sattler: geb. 1938 in München
Heinz Hilmer: geb. 1936 in Münster

Bauten am Kulturforum: Ab 1988 Weiterführung der Planungen von Rolf Gutbrod, darunter Bau der Gemäldegalerie (1988-98); provisorische Überplanung der Freiflächen, nachdem man sich von dem prämierten Entwurf von Hans Hollein verabschiedet hatte.

Nach dem gemeinsamen Studium an der TH München gründeten Heinz Hilmer und Christoph Sattler 1974 ihr Münchner Architekturbüro. Mit Aldo Rossi als Vorbild (“L´architettura della città“, 1964) lautet für sie das eigentliche moderne Thema der nachkriegsdeutschen Architekturgeschichte die “Wiederentdeckung der Stadt“ und die Bewahrung des “Kunstwerks Stadt”. Dementsprechend sind architektonisch spektakuläre Einzelobjekte nicht ihr Hauptanliegen, sondern die Rücksichten auf den Kontext, das urbane Geflecht und den öffentlichen Raum. Dieser Philosophie folgend und mit einem entsprechend städtischen Wettbewerbsbeitrag setzte sich das Büro 1991 im städtebaulichen Ideenwettbewerb zum Potsdamer/Leipziger Platz durch und prägte damit maßgebend die dortige Entwicklung. Zu den realisierten Projekten zählen zwei Bürohäuser und ein Hotel am Beisheimcenter.


 
Valentien + Valentien
Christoph und Donata Valentien

Bauten am Kulturforum: Erster Preis Freiflächenwettbewerb 1998

Das Gemeinschaftsbüro für Landschaftsarchitektur wurde 1971 gegründet und gewann 1998 in Zusammenarbeit mit dem Büro Hilmer & Sattler den landschaftsplanerischen Wettbewerb (mit städtebaulichem Anteil) für das Kulturforum. Der Entwurf wurde nur in Teilen realisiert.


 
James Stirling, Michael Wilford & Associates
James Frazer Stirling : geb. 1924 in Glasgow; verst. 1992 in London/England
Michael Wilford: geb. 1938 in Surbiton/England

Bauten am Kulturforum: Wissenschaftszentrum (1979-88)

Stirling zählt zu den geistreichsten zeitgenössischen Architekten der internationalen Nachkriegsarchitektur. Nach dem Studium bis 1952 und als Assistent beim Londoner Büro Lyons, Israel und Ellis machte er sich 1956 mit James Gowan als Partner selbständig. Architektur ist mit seinen Worten keine Frage des Stils oder der Erscheinung, sondern die Frage, wie man Raum und Abläufe für die gestellte Aufgabe organisiert. Unter diesem Gesichtspunkt verwirklicht Stirling mit seinem Partner Michael Wilford (seit 1963) u.a. die Geschichtsfakultät in Cambridge (1964-67). Seit den 70er Jahren rechnet man Stirling auch zu den Rationalisten. Seine Bauten und Projekte weisen neoklassizistische Tendenzen auf. Das bekannteste Beispiel seines Schaffens ist der Erweiterungsbau der Neuen Staatsgalerie in Stuttgart. Auch das Wissenschaftszentrum (WZB) am Kulturforum (Stirling/Wilford) sowie der später allein durch Michael Wilford realisierte Entwurf der Britischen Botschaft in Berlin (2000) sind im Sinne einer farbenfrohen Postmoderne entstanden.


 
Ackermann und Partner
Kurt Ackermann: geb. 1928 in Insingen über Rothenburg ob der Tauber; verst. 2014, Herrsching am Ammersee

Bauten am Kulturforum: Wohnkomplex (Wohnen am Kulturforum, 1984-86)

Nach dem Studium in München (1949-54) arbeitet Kurt Ackermann als Freier Architekt und kann vor allem im süddeutschen Raum viele Projekte und Bauten verwirklichen. Im Rahmen der Internationalen Bauausstellung - IBA (1987) wurde ein engerer internationaler Wettbewerb ausgeschrieben, der vor allem die Erweiterung der Neuen Nationalgalerie zum Ziel hatte. Außerdem sollten 24 Wohnungen für die Mitarbeiter am Kulturforum geschaffen werden. Ackermann und Partner gewannen diesen Wettbewerb. Obwohl die Erweiterung der Neuen Nationalgalerie bis heute nicht realisiert wurde sind die entsprechenden Wohngebäude im Rahmen der IBA gebaut worden.


 
Hans Hollein
geb. 1934 in Wien; verst. 2014 in Wien

Bauten am Kulturforum: 1. Preis beim Gutachterverfahren Kulturforum (1983/84)

Trotz des 1. Preises beim Gutachterverfahren zum Kulturforum 1983/84 verzögerte sich die Umsetzung des Entwurfs von Prof. Hans Hollein. Nach dem Mauerfall 1989 und der neuen städtebaulichen Situation wurde die Planung verworfen, obwohl über die Realisierung noch weiterhin diskutiert wurde.