Städtebau  

 

Kulturforum

Planungen in der Nachkriegszeit bis 1989


Der Einfluß von Hans Scharoun auf die Berliner Nachkriegsplanung

Die Idee des Architekten Hans Scharoun, ein „geistiges Band der Kultur” von der Museumsinsel in Richtung Westen zu entwickeln, wurde mit dem 2. Preis ausgezeichnet. Scharoun stützte sich auf Gedanken, die bereits im Kollektivplan von 1946 Erwähnung fanden. Als erster Stadtrat und Leiter der Abteilung Bau- und Wohnungswesen hatte Scharoun mit Hilfe eines Planungskollektivs einen strukturellen Wiederaufbauplan für Gesamt-Berlin erstellt, der aufgrund seines utopischen Charakters als Denkmodell große Kontroversen auslöste. Bis heute steht dieser Plan stellvertretend für das Leitbild der „Stadtlandschaft”.

Das Tiergartenviertel wird zum Kulturforum

Nach dem 2. Weltkrieg begann man mit dem Abräumen der Ruinen im Tiergartenviertel. 1956-60 wurde die St. Matthäus-Kirche wieder aufgebaut.
1957/58 fand der Wettbewerb „Hauptstadt Berlin” statt. In der Auslobung wurde der westliche Teil des Tiergartenviertels weiterhin als Diplomatenviertel vorgesehen und der östliche für kulturelle Einrichtungen. Im Jahr 1959 fiel die Entscheidung, die von Hans Scharoun entworfene Philharmonie auf den Flächen des neu geplanten Kulturzentrums zu bauen. 1962 wurde Mies van der Rohe mit dem Bau der „Galerie für das 20. Jahrhundert” in der Nähe zur Philharmonie beauftragt und 1963 wurde zur Unterbringung der in der BRD verbliebenen Bücher der Stiftung Preußische Kulturgüter ein Realisierungswettbewerb für den Bau einer Neuen Staatsbibliothek durchgeführt. Damit verbunden war die Aufgabe, in einem Ideenteil ein Gesamtkonzept für das Kulturforum zu entwickeln. Scharoun entwickelte in Kooperation mit dem Landschaftsarchitekten Hermann Mattern den preisgekrönten Entwurf. Zu den Vorgaben des Wettbewerbs gehörte die Verlegung der Potsdamer Straße. Dies hatte verkehrstechnische Gründe, da der Bau der damals geplanten Westtangente östlich des Standortes für die Staatsbibliothek eine Vielzahl von Auffahrtrampen mit sich gebracht hätte. Auch die teilweise bauliche Abschottung auf der östlichen Fassadenseite der Neuen Staatsbibliothek war Resultat dieser Verkehrsplanung, die später jedoch verworfen wurde.

Im Jahr 1965 wurde von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ein weiteres Verfahren zur Planung und Ansiedlung von Museen am neuen Kulturstandort ausgelobt. Der Architekt Rolf Gutbrod erhielt einen Ankauf für seinen Entwurf der Neubauten der Gemäldegalerie, der Skulpturensammlung, des Kunstgewerbemuseums sowie des Kupferstichkabinetts und der Kunstbibliothek. Er wurde 1968 mit der Ausbauplanung eines überarbeiteten Entwurfs beauftragt.

Ebenfalls 1965 erhielt Scharoun vom Land Berlin den Auftrag für einen Vorentwurf zum Kammermusiksaal der Philharmonie. 1969 begann er mit der Planung für das staatliche Institut für Musikforschung mit Musikinstrumentenmuseum (Realisierung 1979-84).

Ein Abstimmungsproblem zwischen Scharoun und Gutbrod löste die Aufteilung der von Scharoun vorgeschlagenen Piazzetta (Matthäikirchplatz) nördlich der Matthäuskirche in zwei Teilbereiche aus, von denen heute der eine, die nunmehr den Museen vorgelagerte schiefe Ebene, als Piazzetta bezeichnet wird. Dadurch entspricht die Raumwirkung vor der Kirche nicht mehr dem städtebaulichen Konzept von 1964.

Insgesamt hatte Hans Scharoun in Zusammenarbeit mit Hermann Mattern Entwürfe und Skizzen für fünf Baukörper am Kulturforum entwickelt, einschließlich des nicht realisierten Gästehauses im Zentrum des Forums.

Nach dem Tod von Scharoun (1972) und Mattern (1971) wurden verschiedene Bauten und Gärten von dem Architekten Edgar Wisniewski und dem Landschaftsarchitekten Günther Nagel fertig gestellt.

Im Jahr 1978 wurde die Neue Staatsbibliothek eingeweiht und mit dem Bau des Musikinstrumentenmuseums begonnen.

Umplanungen und nicht realisierte Planungen in den 1980er Jahren

Mit der Fertigstellung der Kulturbauten Philharmonie, Nationalgalerie und Neue Staatsbibliothek waren im Kulturforum bedeutende Solitärbauten entstanden, die bis heute eine besondere Ausstrahlung besitzen. Dennoch wurde das Forum noch nicht als ein vollendetes Ensemble empfunden.

1983 führte die Internationale Bauausstellung (IBA) gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz ein „Internationales Gutachterverfahren Kulturforum” durch. Die Arbeit des Architekten Hans Hollein wurde prämiert und zur Realisierung empfohlen. Hollein versuchte, mit dem Bau von Kolonnaden entlang der Potsdamer Straße auf die Zerrissenheit des Ortes zu reagieren. Obwohl seine Planung 1986 vom Senat durch die Aufstellung eines Bebauungsplanes gesichert werden sollte, kam sie aufgrund von anhaltenden städtebaulichen Kontroversen letztendlich nicht zur Ausführung.

1984 wurde dem Erhalt und der baulichen Einbeziehung der Parey-Villa in die Gemäldegalerie seitens der Stiftung Preußischer Kulturbesitz zugestimmt. Im gleichen Jahr ging der Kammermusiksaal in überarbeiteter Form in Bau.

1985 wurde das Kunstgewerbemuseum eröffnet. In der Öffentlichkeit entwickelte sich daraufhin eine kritische Diskussion zur Museumsplanung. Die Stiftung entschied sich für die Auslobung eines engeren Wettbewerbs für die Gemäldegalerie. Nach einer Überarbeitungsphase wurde der Bau der Gemäldegalerie dem Büro Hilmer und Sattler übertragen, deren Entwurf mit einem zweiten Preis ausgezeichnet worden war.