Städtebau  

 

Kulturforum

Wandel des Tiergartenviertels von 1918 bis 1945


Das Tiergartenviertel wird zum bevorzugten Diplomatenviertel

Prägte bis zum 1. Weltkrieg die herrschaftliche Wohnnutzung das Tiergartenviertel, so wandelte sich dies in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts durch den Neubau anspruchsvoller Dienstleistungs- und Verwaltungsbauten. Auch die Wohnnutzung blieb durch die Nähe zum Tiergarten und zum Stadtzentrum attraktiv.

Als erste Botschaft hatte die chinesische Gesandtschaft um 1888 ihren Standort an der Von-der-Heydt-Straße. Es folgten bis 1914 Spanien, Italien und Schweden. Im Jahr 1930 waren bereits 30 Botschaften im Tiergartenviertel ansässig - das Diplomatenviertel entstand.

Veränderungen in der Zeit des Nationalsozialismus

Im Jahr 1937 beschloss die von Hitler mit umfassender Planungskompetenz gegründete Generalinspektion unter Albert Speer die Neugestaltung der Reichshauptstadt mit der Funktionserweiterung des Bereiches westlich der Bendlerstraße für diplomatische Vertretungen.

Ab 1938 begannen im Bereich des heutigen Kulturforums die Abrissarbeiten für die geplante Nord-Süd-Achse der Speerschen Reichshauptstadtplanung. Die Achse, vom Humboldthafen im Norden bis zur Papestraße im Süden gedacht, sollte durch dicht bebaute Stadtviertel in Tiergarten und Schöneberg geschlagen werden und die Verwandlung Berlins in die Welthauptstadt Germania einleiten.

Ziel der Speerschen Neugestaltungspläne war nicht eine Stadtmitte als Ort öffentlichen Lebens mit Warenhäusern, Banken, Hotels. Vielmehr sollten Ministerien und andere Regierungsgebäude das Bild bestimmen und die herrschende Macht repräsentieren.

1938 wurde mit dem Bau des Hauses des Fremdenverkehrs am Runden Platz begonnen, der im Kreuzungspunkt der Nord-Süd-Achse und der alten Potsdamer Straße lag. Durch die ab 1943 einsetzende Bombardierung wurde das Tiergartenviertel jedoch weitgehend zerstört. Die St. Matthäus-Kirche war nur noch als Ruine erhalten. Das begonnene Haus des Fremdenverkehrs dagegen stand noch.