Städtebau  

 

Gendarmenmarkt

Leitlinien - 10 Grundsätze zur Gestaltung und Nutzung des Gendarmenmarktes



Treppe vor dem Französischen Dom

1. Ein Ort urbaner Eleganz

Der Gendarmenmarkt ist einer der schönsten Plätze Europas. Er steht ebenso für die reiche kulturelle Vielfalt Berlins. Seine hohe Attraktivität darf nicht zu einer "Übernutzung" führen, die den städtebaulichen Raum nur noch als wohlfeile Staffage betrachtet. Das bedeutet:
  • höchste Ansprüche an die Qualität von Gestalt und Nutzung des Platzes
  • Begrenzung raumgreifender Nutzungen auf kurze Zeiträume
  • prioritäre Pflege und Bewirtschaftung


2. Ein geschichtlicher Ort

In den Jahrzehnten seiner Entwicklung hat der Platz die unterschiedlichsten historischen Epochen erlebt. Sie alle haben ihre Spuren hinterlassen und geben dem Platz heute seinen unverwechselbaren Charakter. Der sensible Umgang mit den Zeitschichten und ihren historischen Zeugnissen zeigt den nötigen Respekt vor den Leistungen vorangegangener Generationen. In der Synthese und Weiterentwicklung liegt die Herausforderung der heutigen Zeit. Das bedeutet:
  • Beibehaltung des offenen, repräsentativen Raumes
  • Integration der vorhandenen Schmuckplatz-Elemente am Deutschen Dom
  • Integration wesentlicher Gestaltmerkmale der derzeitigen Fassung


3. Ein Platz im Stadtraum

Der Gendarmenmarkt ist markantes Element der historischen Mitte Berlins, eingebunden in das Gefüge der Friedrichstadt. Der Platzraum überspannt drei Quartiere des barocken Rasters und ist allseits von Straßen umgeben. Diese Merkmale geben ihm seine charakteristische Raumproportion. Die Jäger- und Taubenstraße sind integriert, führen jedoch als Sichtachse über den Platz. Das bedeutet:
  • Beibehaltung der umlaufenden Straßenräume
  • Beibehaltung der Integration von Jäger- und Taubenstraße in die Platzfläche
  • Freihalten der Sichtachsen Jäger- und Taubenstraße
  • Betrachtung des Platzraumes bis zu den umlaufenden Gebäudekanten


4. Ein Rahmen für prächtige Bauten

Der weite, offene Raum lässt die prächtigen Solitärbauten erst richtig zur Geltung kommen. Er ist eine Voraussetzung für die ästhetische Wirkung der reich gegliederten Fassaden. Die Blickbeziehungen auf die Gebäude sind ein Grundwert des städtischen Raumes. Das bedeutet:
  • kein Verstellen wichtiger Blickbeziehungen durch feste oder temporäre Bauten
  • Einhalten eines "Respektsabstandes" zu den Gebäudefassaden
  • großzügiges Freihalten von Gebäudeeingängen
  • teilweises Auslichten sehr dichter Vegetationsbestände
  • ruhige, zurückhaltende Oberflächengestaltung


5. Ein Verkehrsraum

Der Platzraum ist an allen seinen Rändern in das Verkehrsnetz eingebunden. Während die Charlottenstraße eine eher "dienende" Funktion hat, ist die "Schauseite" der Markgrafenstraße vor allem dem ästhetischen Erlebnis des Raumes gewidmet. Das bedeutet:
  • Freihalten der inneren Platzkanten vom ruhenden Verkehr
  • Be- und Entladen direkt an den Platzkanten ermöglichen
  • Schaffung barrierefreier und gefahrloser Zugänge zur Platzfläche


6. Ein barrierefreier Raum

Die weitgehende Barrierefreiheit ermöglicht eine Inbesitznahme des Platzes durch unterschiedlichste Nutzergruppen. Wegebeziehungen über den Platz sollen klar erkennbar sein, auch nachts ist damit eine weitgehend eindeutige Orientierung möglich. Auch die Gehwege an den Gebäuden müssen gut benutzbar sein. Das bedeutet:
  • Beseitigung von baulichen Hindernissen (Treppen, Kanten, frei verlegte Kabel)
  • Herstellung komfortabler, ebener Oberflächen
  • Herstellung einer funktionalen Ordnung der Schankvorgärten auch auf den Gehwegen


7. Ein Raum für Besucher

Vor allem für die zahlreichen Besucher Berlins ist der Gendarmenmarkt ein beliebter Zielpunkt, um den Geist der Stadt zu erspüren. Der Platzraum wird damit zu einem "Schaufenster" der Stadt. Neben einem ästhetisch anspruchsvollen Umfeld muss das touristische Erlebnis mit einer entsprechenden Infrastruktur unterstützt werden. Das bedeutet:
  • Schaffung von Halte- und Ausstiegsmöglichkeiten für Reisebusse am Platzrand
  • Einordnung von Fahrradständern, Sitzbänken, Toilettenanlagen
  • Offenhalten der östlichen "Schauseite" an der Markgrafenstraße


8. Ein atmosphärischer Raum

Insbesondere der reiche Grünbestand des Gendarmenmarktes prägt die angenehme Atmosphäre des Platzes. Vor allem auf der Westseite haben sich Räume mit einer hohen Aufenthaltsqualität entwickelt. Dieser Charakter ist zu erhalten und weiterzuentwickeln, wobei das Motiv der freistehenden Solitärbäume an erster Stelle steht. Das bedeutet:
  • Erhalt und Pflege vorhandener Grünbestände
  • Ersatz der niedrigen Baumdächer durch Solitärbäume


9. Ein Ort des Verweilens

Die Freisitzflächen der Restaurants und Cafés gehören zum unverzichtbaren Bestandteil und prägen den Charakter eines städtischen Platzes. Mit ihnen entsteht ein besonderes urbanes Flair, sie sind angenehme Verweilorte für Berliner und Touristen. Im Interesse seiner Aufenthaltsqualität muss sich die Lage der gastronomischen Flächen an den übergeordneten stadträumlichen Sichtbeziehungen orientieren. Das bedeutet:
  • Einfügen von Ausstattung und Möblierung in das städtische Gesamtbild
  • ruhige, zurückhaltende und einheitliche Gestaltung der Einzelelemente
  • Verwendung von Sonnenschirmen mit begrenzter Einzelgröße
  • Verzicht auf weitere Einhausungen, Sicht- und Wetterschutzelemente
  • Einhaltung einer "Winterruhe" (Oktober bis April)


10. Ein aktiver Ort

Die unterschiedlichsten Ansprüche an die Nutzung eines Platzraumes im Zentrum Berlins stellen höchste Anforderungen an seine multifunktionale Ausprägung. Insbesondere der Gendarmenmarkt ist als Kulisse für die vielfältigsten Veranstaltungen sehr geschätzt. Diese müssen dem Platz jedoch auch immer wieder "Zeit zum Aufatmen" geben. Das bedeutet:
  • Beibehaltung einer offenen, niveaugleichen Platzfläche
  • Verwendung robuster, pflegearmer Materialien
  • Sicherung der Befahrbarkeit und ausreichenden Belastbarkeit des Platzes
  • Anlage eines unterirdischen Infrastruktursystems
  • Ausrichtung der Nutzungsarten am anspruchsvollen kulturellen Umfeld
  • Begrenzung der großflächigen Veranstaltungen auf eine maximale Zeitdauer
  • Einfügen von Bühnenanlagen, Festzelten und anderen Bauten in das Gesamtbild
  • Freihalten von Wege- und Blickbeziehungen auch während der Veranstaltungen