Städtebau  

 

Gendarmenmarkt

Kirchhof und Marktplatz - 1683 bis 1773


Ausschnitt aus dem 'Plan de la Ville Berlin', Samuel von Schmettau, 1748; Quelle: Landesarchiv Berlin, F Rep. 270, A 68
Ausschnitt aus dem "Plan de la Ville Berlin", Samuel von Schmettau, 1748;
Quelle: Landesarchiv Berlin, F Rep. 270, A 68
Im Zuge des Bevölkerungswachstums der aufstrebenden preußischen Residenzstadt Berlin erfolgten seit 1688 erste Überlegungen für eine Stadterweiterung südlich der Dorotheenstadt. Die Absteckung des in quadratische und rechteckige Baublöcke unterteilten Straßenplanes erfolgte unter der Leitung von Johann Arnold Nehring (1659-1695) bis etwa 1695 mit der heutigen Friedrichstraße als zentraler, von Nord nach Süd gerichteter Erschließungsachse.

In der sich anfänglich noch langsam entwickelnden Friedrichstadt bot sich die Möglichkeit, die seit dem Edikt vom 08. November 1685 verstärkt nach Berlin ziehenden französischen Hugenotten im Aufbau einer eigenen Gemeinde zu unterstützen. Den sich hier ebenfalls niederlassenden, aus der Schweiz emigrierten Calvinisten war bereits um 1690 eine Fläche zur Anlage des sogenannten "Schweizer Friedhofes" zugewiesen worden, die sich westlich der bestehenden Festungsanlagen befand.

In diesem Bereich waren drei Baublöcke - vermutlich für die Anlage eines Marktplatzes - frei gehalten worden. Auf dem nördlichen Block wies Kurfürst Friedrich III. im Jahre 1699 den Hugenotten einen Bauplatz für deren Kirche zu. Der südliche Block, der zum Teil bereits als Friedhof diente, wurde der Deutschen Gemeinde als Kirchbauplatz mit der Auflage übergeben, dass die zu erbauende Kirche auch von den Schweizer Calvinisten zur Abhaltung von Gottesdiensten genutzt werden darf.
 
Ansichten der Französischen und Deutschen Kirche, um 1740; Quelle: Landesarchiv Berlin, F Rep. 270, A 50
Ansichten der Französischen und Deutschen Kirche, um 1740;
Quelle: Landesarchiv Berlin, F Rep. 270, A 50
Der Architekt Jean Louis Cayart (1645-1702), ein hugenottischer Oberst und Festungsbaumeister in preußischem Dienst, entwarf die Französische Kirche nach dem Vorbild der 1688 zerstörten hugenottischen Hauptkirche von Charenton. Die Planung der Deutschen Kirche beruhte auf einem Entwurf von Martin Grünberg (1655-1707), der zusammen mit Heinrich Behr die Aufsicht über die Bebauung der Friedrichstadt hatte.

Mit der Erbauung der Kirchen begann man im Jahr 1701. Während die Französische Kirche bereits vier Jahre später eingeweiht werden konnte, zog sich die Fertigstellung der Deutschen Kirche bis 1708 hin. Obwohl die im Erscheinungsbild unterschiedlich wirkenden Gebäude von Beginn an von Friedhöfen umgeben waren, fanden auch in den Kirchen Beisetzungen statt.
 
Marktplatz auf der Friedrichstadt um 1727; Quelle: Landesarchiv Berlin, F Rep. 270, A 517
Marktplatz auf der Friedrichstadt um 1727;
Quelle: Landesarchiv Berlin, F Rep. 270, A 517
Dem hugenottischen Regiment Gens d'Armes wurde ab 1710 ein neues Quartier auf dem Platz zugeteilt, nachdem ihr ursprünglicher Standort im alten Marstall für andere Zwecke benötigt wurde. Die Stallungen errichtete man östlich der den Platz in Richtung Befestigungsanlagen begrenzenden heutigen Markgrafenstraße. Aufgrund der ständigen Vergrößerung des Regiments waren jedoch schon bald zusätzliche Stallanlagen erforderlich, die 1733 um den Friedhof an der Französischen Kirche und zwei Jahre später um den Friedhof der Deutschen Kirche errichtet wurden. Der alte Stall konnte mit Schleifung der Festungsanlagen und Anlage der Jägerbrücke im gleichen Jahr abgebrochen werden.

Bereits im März 1726 wurde festgelegt, dass der Platz zwischen den beiden Kirchen für Marktzwecke dienen soll und in diesem Zusammenhang ein erstes Projekt für die planmäßige Ausgestaltung des Areals vorgelegt. Das "Project zur Anlegung des Marcts auf der Friedrich Stadt" sah folgende Anlagen vor: Die zu den Kirchen gewandten Längsseiten sollten jeweils mit fest aufgemauerten Marktständen begrenzt werden. Beiderseits eines in der Mittelachse gelegenen Durchgangs waren jeweils zwölf "Scharren" (Verkaufsstände) vorgesehen, wobei die im Norden gelegenen den Bäckern und die südlichen den Schlachtern vorbehalten waren. An den Schmalseiten vermerkt der Plan Flächen für fliegende Bauten der Obst- und Gemüsehändler. Die Platzmitte sollte ein von elf Bäumen beschatteter Brunnen einnehmen, um den neun Bottiche für den Fischverkauf angeordnet waren.

Aus Stadtplänen geht hervor, dass nur ein ganz geringer Teil der Marktstände realisiert wurde und die weitere Ausgestaltung ausblieb. Als Bezeichnung des Platzes waren der "Neue Markt" und der "Mittel-Markt" ebenso üblich wie der "Friedrichstädtische Lindenmarkt". Der spätere, auf die militärische Nutzung zurückzuführende Name "Gendarmenmarkt" wurde erst Ende der 1770er Jahre gebräuchlich.

Etwa zu dieser Zeit hatte das Regiment Gens d'Armes ein neues Lager außerhalb der Stadt bezogen und wurde 1773 in der neu erbauten Kaserne vor der Weidendammer Brücke einquartiert. Der Abbruch der Stallungen, die zusammen mit den militärischen Übungen des Regiments schon immer das Markttreiben auf dem Platz ebenso wie das kirchliche Leben und die Nutzung der beiden Friedhöfe empfindlich gestört hatten, zog sich jedoch noch bis 1778 hin.