Städtebau  

 

Archiv: Chausseestraße - Zentrale des BND (Stand: 2010)

Geschichte


Das Plangebiet befindet sich in der ehemaligen Oranienburger Vorstadt, die 1831 in das Berliner Stadtgebiet eingemeindet wurde.

Bis Mitte des 18. Jahrhunderts zunächst landwirtschaftlich genutzt, entwickelte sich die Oranienburger Vorstadt im 19. Jahrhundert als erstes Berliner Industriegebiet zu einem Standort für Eisengießereien und Maschinenbau-, später auch für Eisenbahn- und Lokomotivbaubetriebe. Begünstigt wurde diese Entwicklung durch den Bau der Berlin-Stettiner-Eisenbahn, die bereits 1842 eröffnet wurde. Daneben entstanden hier auch Einrichtungen der technischen Infrastruktur. So wurde 1879 in der Scharnhorststraße ein Pumpwerk errichtet. Auf dem Gelände des heutigen Erika-Heß-Eisstadions im Ortsteil Wedding entstand eine Gasanstalt. Die Chausseestraße selbst war als älteste Straße der Oranienburger Vorstadt bereits um 1800 zu einer befestigten Verkehrsverbindung zwischen Berlin und Tegel ausgebaut worden.

Auf dem Grundstück der zukünftigen Zentrale des Bundesnachrichtendienstes befanden sich Ländereien, die als Selbstversorgergärten zu dem Mitte des 18. Jahrhunderts zur Altersversorgung ehemaliger Militärangehöriger gegründeten Invalidenhaus gehörten. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden diese Ländereien weitgehend parzelliert und privatisiert. Westlich der Chausseestraße entstanden vorrangig militärische Einrichtungen.

Auf dem Grundstück der zukünftigen Zentrale des Bundesnachrichtendienstes wurde um 1820 ein Exerzierplatz angelegt. Mitte des 19. Jahrhunderts entstand hier die Garde-Füsilier-Kaserne. Außerdem wurden ein Garnisonslazarett auf dem Gelände des heutigen Bundeswehrkrankenhauses und eine Militärsporthalle gebaut.

Im Zuge der seit 1860 einsetzenden ersten Randwanderung einzelner Industriebetriebe - Gießereien und Maschinenbaubetriebe wurden aufgegeben oder an den Stadtrand verlagert - entstand entlang der Chausseestraße auch verstärkt Mietskasernenbebauung.

Nach dem Ersten Weltkrieg nutzte die Polizei das Gelände und errichtete hier 1929 ein Sportstadion, das so genannte „Polizeistadion”. Die Gebäude der Garde-Füsilier-Kaserne wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört und nicht wieder errichtet. Anstelle der ebenfalls zerstörten Sportanlagen entstand 1950 das Walter-Ulbricht-Stadion, das im Zuge der 10. Weltfestspiele 1973 renoviert und in „Stadion der Weltjugend” umbenannt wurde. Anfang der neunziger Jahre erfolgte der Abriss des Stadions im Rahmen der Bewerbung Berlins um die Austragung der Olympischen Spiele.
 




Exerzierplatz der Garde-Füsilier-Kaserne, 1856
Exerzierplatz der Garde-Füsilier-Kaserne, 1856

Polizeistadion, 1940
Polizeistadion, 1940

Stadion der Weltjugend, 1990
Stadion der Weltjugend, 1990

Luftbild, 1943
Luftbild, 1943

Luftbild, 1989
Luftbild, 1989

Luftbild, 2004
Luftbild, 2004