Städtebau  

 

Erweiterung Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße

Städtebauliche Studie im Erweiterten Bereich für private Bauvorhaben (2007)


Erweiterter Bereich in einem Ausschnitt der Karte 1:5000 (K5)
Im „Erweiterten Bereich” der Gedenkstätte ist auf dem ehemaligen Mauerstreifen auch wieder Wohnbebauung vorgesehen.

Plan vom Erweiterten Bereich aus der Wett­bewerbs­auslobung zur Städtebau­lichen Studie (2007) mit roter Markierung des Posten­wegs als haupt­säch­licher Ausstel­lungs­fläche sowie grüner Markierung der Vertiefungs­bereiche
Der Erweiterte Bereich der Gedenkstätte umfasst den ehemaligen Mauerbereich entlang der Bernauer Straße von der Brunnenstraße bis zur Schwedter Straße und bildet so eine Verbindung des Kernbereiches der Gedenkstätte mit dem weitläufigen Areal des Mauerparks.

Wettbewerbsaufgabe

Entlang der Bernauer Straße befinden sich Bauflächen, die nach Art und Maß der baulichen Nutzung planerisch als Wohn- oder Mischgebiet entwickelt werden können. Innerhalb dieses Bereiches befinden sich auch heute noch Fundamente der Wohnhäuser, die zur Errichtung der Mauer abgerissen wurden und vorhandene Zeugnisse der ersten Generation der Berliner Mauer von 1961 bis ca. 1979 sind. Im Rahmen des Wettbewerbes sollte der Umgang mit den vorhandenen Spuren und die Ausgestaltung der Baupotenziale thematisiert werden.

Außerdem soll der dem Mauerverlauf folgende ehemalige Postenweg bis zur Schwedter Straße durchgängig für die Öffentlichkeit gesichert und zugänglich gemacht werden. Insbesondere die bereits genehmigten Bauvorhaben im Erweiterten Bereich sollten integriert werden. Weiterhin wurden zwei Vertiefungsbereiche festgelegt.

Im Gegensatz zum weitläufigen und landschaftsplanerisch geprägten Open Air-Bereich soll der Erweiterte Bereich der Gedenkstätte an die durch den Mauerbau entstandenen städtebaulichen und eigentumsrechtlichen Zäsuren und Brüche im historisch gewachsenen Stadtgefüge erinnern. Bestimmendes Element ist auch in diesem Abschnitt der ehemalige Postenweg mit themen­bezogenen Informationsflächen.

Anders als im Kernbereich mit der großräumig konzipierten Gedenklandschaft führt der als öffent­liche Durchwegung gedachte ehemalige Postenweg im Erweiterten Bereich durch vier Wohn­quartiere. Die Postenweg-Flächen waren vor Errichtung der Grenze zum überwiegenden Teil Bestandteil der südlich gelegenen Wohngrundstücke. Nach dem Fall der Mauer wurden die Grund­stücksflächen in ihrem historischen Zuschnitt wieder hergestellt und die Postenweg-Flächen entweder an die Alteigentümer restituiert oder an die Bundesanstalt für Immobilienfragen übertragen. Seit 2006 wurden kontinuierlich diese Flächen angekauft, sofern sie in privater Hand waren. Leider ist dies bisher nicht bei allen Flächen gelungen.

Verfahren und Ergebnis

Zur Erstellung einer städtebaulichen Studie sind fünf Büros mit dem Schwerpunkt Städtebau und Wohnungsbau beauftragt worden. Die Vergütung erfolgte nach § 42 HOAI (Sonstige städtebauliche Leistungen). Nach einer Bearbeitungszeit von etwa einem Monat sowie der anschließenden Vorprüfung wurden die Entwürfe am 08.05.2007 präsentiert. Für eine weitere Beauftragung wurden drei Büros ausgewählt. Im Anschluss an die zweite Bearbeitungsphase wurden am 28.06.2007 die Entwürfe erneut vorgestellt. Die Obergutachter entschieden sich mit 4:1 Stimmen für den Entwurf des Büros Georg Scheel Wetzel.

Lageplan des prämierten Entwurfs vom Büro Georg Scheel Wetzel (GSW), Berlin
Lageplan des prämierten Entwurfs vom Büro Georg Scheel Wetzel (GSW), Berlin
Quelle: Büro Georg Scheel Wetzel (GSW)

Der Entwurf zeichnet sich durch mäanderförmige Baukörper aus, die sich sowohl zur Bernauer Straße als auch nach Süden öffnen und private und öffentliche Freiflächen klar voneinander abgrenzen.

Perpektive des Entwurfs vom Büro Georg Scheel Wetzel (GSW), Berlin; Quelle: Büro Georg Scheel Wetzel (GSW)
Perpektive des Entwurfs vom Büro GSW, Berlin
Nach Durchführung der städtebaulichen Studie wurden die Preisträger weiterbeauftragt und der Gestaltungsbeirat, bestehend aus Fachleuten, dem Preisträger des freiraumplanerischen Wettbewerbs sowie der städtebaulichen Studie, Mitarbeitern der Verwaltung sowie der Gedenkstätte ins Leben gerufen. Dieser berät seitdem künftige Bauherren bereits vor bzw. während der Genehmigungsphase zu den anspruchsvollen Gestaltungsvorgaben, die aus dem Siegerentwurf resultieren.

Modifizierung

Im Rahmen der Bearbeitung des Bebauungsplanverfahrens 1-40, das im Erweiterten Bereich die mäanderförmige Bebauung planungsrechtlich ermöglichen und sichern sollte, wurde seitens der Anwohner Kritik hinsichtlich der geplanten Höhe und Dichte geäußert. In einem Mediationsverfahren wurde der Siegerentwurf daraufhin noch einmal modifiziert.

Lageplan mit Modifizierung (Stand 2012) des Entwurfs vom Büro Georg Scheel Wetzel (GSW), Berlin
Modifizierung (Stand 2012) des Entwurfs vom Büro Georg Scheel Wetzel (GSW), Berlin
Quelle: Büro Georg Scheel Wetzel (GSW)