Städtebau  

 

Erweiterung Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße

Entwicklung nach dem Fall der Mauer 1989


Erste symbolische Abrissarbeiten der Maueranlagen an der Bernauer Straße in Höhe der Ackerstraße im Juni 1990; Quelle: Stiftung Berliner Mauer / Versöhnungsgemeinde
Erste symbolische Abrissarbeiten der Maueranlagen an der Bernauer Straße in Höhe der Ackerstraße im Juni 1990
Quelle: © Stiftung Berliner Mauer / Versöhnungsgemeinde

Öffnung der Mauer und Wiederherstellung der innerstädtischen Straßenverbindungen

Mit dem 9. November 1989, als in Berlin ein freier Reiseverkehr zwischen Ost und West an Mauer und Stacheldraht vorbei möglich wurde und neue Grenzübergänge entstanden, verloren die Grenzanlagen ihre Funktion. In der Nacht vom 10. auf den 11. November wurde auch in die Mauer zwischen Bernauer und Eberswalder Straße ein Loch gebrochen und noch am 11. November der behelfsmäßige Grenzübergang Eberswalder Straße eingerichtet.

Schon am 29. Dezember 1989 beschloss der Ministerrat der im November gebildeten Übergangsregierung der DDR unter Ministerpräsident Hans Modrow in Übereinstimmung mit dem Magistrat von Ost-Berlin, die Mauer abzureißen. Bis zum 1. Juli 1990, als die Grenzkontrollen entfielen, sollten nach Möglichkeit alle früher bestehenden Straßenverbindungen zwischen den beiden Stadthälften Berlins wieder hergestellt und von allen Grenzanlagen befreit sein. Bis zu diesem Datum konnten über hundert grenzüberquerende Straßen dem Verkehr zurückgegeben werden. Im Zuge ihrer Wiederherstellung wurde im April 1990 auch der Grenzübergang Brunnenstraße eröffnet und am 12. April wurde der U-Bahnhof Bernauer Straße in der Brunnenstraße in Betrieb genommen. Die Bergstraße stellt heute die einzige nicht wieder hergestellte innerstädtische Straßenverbindung dar.

Am 13. Juni 1990 begann mit einem symbolischen Akt an der Kreuzung Bernauer Straße und Ackerstraße auf der Grenze zwischen den Bezirken Wedding und Mitte in Anwesenheit der beiden Bezirksbürgermeister der vollständige und systematische Abriss der Grenzanlagen. Zum 3. Oktober 1990 war die Teilung der Stadt - auch wenn vorerst noch zwei Verwaltungen bestanden - endgültig aufgehoben. Der Mauerabriss wurde zügig vorangetrieben und die zunächst letzten Elemente der innerstädtischen Mauer wurden im November 1990 im Wedding entfernt.

Überlegungen über den teilweisen Erhalt der Mauer als Denkmal

Mit dem Abriss begann die Diskussion darüber, ob nicht Teile der Mauer als Denkmal erhalten werden sollten. Angesichts des Tempos, mit dem der Abbau vonstatten ging, wurde schnell deutlich, dass besondere Teilstücke unter Denkmalschutz gestellt werden müssten, um sie zu erhalten.

Schrägluftbild vom Kernbereich der Mauergedenkstätte, 2007; Quelle: © Stiftung Berliner Mauer
Kernbereich der Mauergedenkstätte 2007.
Der Grenzstreifen zwischen Ackerstraße und Bergstraße (Bildvordergrund) wurde 1990 als erster Bereich unter „Denkmalverdacht” gestellt.
Quelle: © Stiftung Berliner Mauer
Jedoch erst am 22. August wurde ein 212 Meter langes Stück des Grenzstreifens an der Bernauer Straße von Acker- bis Bergstraße zusammen mit der sog. East Side Gallery von der Ost-Berliner Kulturstadträtin unter „Denkmalverdacht” gestellt und am 2. Oktober 1990 dann endgültig geschützt. Ohne Wissen des Magistrats waren allerdings an den Tagen zuvor Teile dieser Grenzanlagen bereits abgerissen worden. Das Deutsche Historische Museum lagerte vorsorglich einige der an der Bernauer Straße entfernten Grenzelemente ein.

Gegen den Erhalt der Mauer opponierten ein Teil der Anwohner, die Leitung des Lazarus-Krankenhauses und vor allem die Sophiengemeinde, die den 1976 und 1985 an den Staat verkauften Grenzstreifen für ihren Friedhof zurückerwerben wollte. Im Zuge der langwierigen Planungen für die Gedenkstätte erteilte die Baustadträtin des Bezirks Mitte im April 1997 – ohne die Denkmalschutzbehörde zu informieren – die Genehmigung für den Abriss von zwei jeweils etwa zwanzig Meter langen Mauerstücken.
Trotz Intervention der oberen Denkmalschutzbehörde wurden beide Stücke sukzessive entfernt und die Mauersegmente auf dem Friedhofsgelände aufgestellt.

Entwicklung zur heutigen Mauergedenkstätte

Der augenscheinliche Anfang der heutigen Mauergedenkstätte war im Jahr 1994, als der Bund die Gestaltung eines Denkmals für die Opfer des Mauerbaus und der deutschen Teilung auslobte.
Am 13. August 1998 wurde das Denkmal an der Bernauer Straße in Höhe der Ackerstraße offiziell eingeweiht. Zwischen zwei Stahlwänden schließt es ein 70 Meter langes original erhaltenes Stück der Grenzanlagen ein.

1997 gründete sich auf Initiative des Berliner Senats der „Verein Berliner Mauer” als Trägerverein eines aufzubauenden Dokumentationszentrums. Aus dem Verein ging die „Stiftung Berliner Mauer” hervor. Das Dokumentationszentrum in der Bernauer Straße Nr. 111 wurde am 9. November 1999 - dem 10. Jahrestag des Mauerfalls - mit der Werkstatt-Ausstellung „Grenzblicke” eröffnet.

Im Jahr 2000 wurde die Kapelle der Versöhnung auf dem ehemaligen Grundstück der Versöhnungskirche eröffnet.

Mit dem Bau eines Besucherzentrums (2009) an der Bernauer Straße in Höhe der Gartenstraße als Ergänzung zum schon bestehenden Dokumentationszentrum in Höhe der Ackerstraße sowie mit der Umgestaltung des 1,4 km langen und 4.4 ha großen Grenzstreifens entlang der Bernauer Straße zu einer neuartigen Erinnerungslandschaft hat sich die „Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße” inzwischen zu einem der bedeutendsten Orte entwickelt, um sich über die Zeit der Teilung Berlins umfassend zu informieren und um hier auch der Opfer aus dieser Zeit würdevoll zu gedenken.

20. Jahrestag der Maueröffnung: Auf der Postenweg-Seite des Mauerdenkmals wird feierlich der Maueropfer gedacht, 2009; Quelle: © Stiftung Berliner Mauer
20. Jahrestag der Maueröffnung: Auf der Postenweg-Seite des Mauerdenkmals wird feierlich der Maueropfer gedacht (2009).
Am 9. November 2014, anlässlich des 25. Jahrestags des Mauerfalls, wurde die neue Dauer­aus­stellung „1961 | 1989. Die Berliner Mauer” im umgebauten Dokumentations­zentrum der Gedenk­stätte eröffnet.