Städtebau  

 

Alexanderplatz

Entwicklung bis zur Reichsgründung 1871 -
Von der Stadtgründung bis zur Reichshauptstadt


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Verstärkung der Stadtmauer nach dem Dreißigjährigen Krieg

Nur wenige Jahre nach Memhards ersten Plan von 1648 kommt es ab 1658 zu weitreichenden städtebaulichen Veränderungen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg 1618-1648, in dem auch die Doppelstadt Berlin-Cölln schwer verwüstet worden war, veranlasste Kurfürst Friedrich Wilhelm im Jahr 1658 den Bau moderner Befestigungsanlagen als Ersatz für die baufälligen Stadtmauern. Johan Gregor Memhard als Festungsbaumeister des Kurfürsten errichtete einen neuen Festungsring mit sternförmigen Bastionen und Kurtinen sowie breite Wall- und Grabenanlagen. Nach der Fertigstellung im Jahr 1683 schadeten die Anlagen jedoch dem rasanten Wachstum der Stadt mehr als sie militärisch nutzten; denn die Neugründungen der Friedrich- und Dorotheenstadt im Westen und die Vorstädte im Osten lagen schon außerhalb der schützenden Stadtmauern.

Das Georgen- bzw. Königstor profitierte jedoch von der Erneuerung der Festungsanlagen, die die Aufgabe oder Schwächung der benachbarten Stadttore zur Folge hatte. So wurde der Überlandverkehr wegen des nun geschlossenen Stralauer Tores hierher geführt und die Verbindung in das Stadtzentrum über die Königsstraße zusätzlich aufgewertet. Damit wuchs auch die Bedeutung des Platzes vor dem Georgen- bzw. Königstor - der Fläche des späteren Alexanderplatzes. Hierhin führten nun noch mehr Straßen und der Platz wurde durch den Abriss der Vorwall-Anlagen flächenmäßig erweitert. Der spätere "Alexanderplatz" diente inzwischen neben der Funktion als Kontrollpunkt vielen weiteren Zwecken: Der nördliche Teil wurde vor allem als Marktplatz und Viehmarkt genutzt, weshalb er auch unter dem Namen „Ochsenplatz” bekannt war. Die Marktnutzung wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts noch verstärkt durch die Auslagerung der Berliner Viehstallungen vor die Stadtmauern in das nahe gelegene „Scheunenviertel” im Jahr 1672 sowie durch die ab 1681 verbotene Schweinehaltung innerhalb der Stadtgrenzen. Als in der Mitte des 18. Jahrhunderts Tuchfabriken und Webereien gegründet wurden, kam noch ein Wollmarkt hinzu. 1786 nannte Friedrich Nicolai den auf der Contrescarpe liegenden Bereich des Ochsenmarktes zwischen der Bernauer und Prenzlauer Straße „Viehmarkt am Stelzenkrug” (siehe Plan). Bis zum Jahr 1886 wurde der nördliche Bereich des Alexanderplatzes auch als Wochenmarkt genutzt.
Der südliche Teil des Platzes diente den dort kasernierten Truppen als Exerzierfeld, und wurde „Paradeplatz” genannt.

Ausbau des Platzes nach Abriss der Wehranlagen

Wegen der schnellen Ausdehnung Berlins ließ Friedrich Wilhelm I. 1734-37 die sogenannte Akzisemauer mit neuen Stadttoren anlegen. Die neue Mauer sollte nun auch die Vorstädte mit einbeziehen. Sie hatte weniger schützende Funktion, sondern sollte die seit 1667 praktizierte Erhebung von Einfuhrzöllen - die Akzise - nun ebenfalls für den erweiterten Stadtbereich ermöglichen sowie das Desertieren von Soldaten der Berliner Garnison verhindern. Nach dem Bau der Akzisemauer wurden die alten Wehranlagen, die zwischenzeitlich zu einer massiven Sternfestung ausgebaut worden waren, komplett abgetragen. Dies bedeutete im Bereich des späteren Alexanderplatz einen zusätzlichen Platzgewinn. Die Verbindungsstraße zwischen dem Königstor und dem neuen Tor an der Akzisemauer - zuvor die Bernauer Straße - bekam den Namen „Neue Königsstraße”. Heute verläuft hier die Otto-Braun-Straße.
In den Jahren 1866-1869 wurde auch die Akzisemauer zurück gebaut. Die Torstraße und viele Plätze und Platznamen erinnern heute noch an ihren Verlauf. Das Brandenburger Tor ist als einziges bauliches Dokument der Akzisemauer erhalten geblieben.

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