Städtebau  

 

Alexanderplatz

Von 1990 bis heute


Alexanderplatz 2002
Panorama-Aufnahme vom Alexanderplatz, 2002                       Foto: Philipp Eder
Auch noch 12 Jahre nach der Wende blieb der "Alex" nahezu unverändert.

Mit der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 kam es zu einer grundsätzlichen Neubewertung der innerstädtischen Areale und ihrer Entwicklungs- und Flächenpotenziale. Dabei wurden der Potsdamer Platz, der Alexanderplatz und die Friedrichstraße als die wichtigsten Entwicklungsschwerpunkte im Zentrum Berlins gesehen. Die Platz- und Verkehrsflächen am Alexanderplatz befanden sich im Volkseigentum der ehemaligen DDR und gingen mit der Wiedervereinigung in Bundes- oder Landeseigentum über. Der Gebäudebestand wurde über die Treuhand an die Rechtsnachfolger oder freihändig veräußert.
Nach dem ersten internationalen städtebaulichen Wettbewerb zum Potsdamer- und Leipziger Platz 1991 wurde im Januar 1993 vom Land Berlin in enger Kooperation mit den Eigentümern und zukünftigen Investoren für den Alexanderplatz ein weiterer städtebaulicher Ideenwettbewerb ausgelobt. Die mit dem 1. Preis ausgezeichnete Arbeit der Architekten Prof. Hans Kollhoff und Helga Timmermann (Berlin) sah im Umfeld des Alexanderplatzes dreizehn 150 Meter hohe Türme mit ca. 37 Meter hohen Sockelbauten einschließlich zwei zurückgesetzter Staffelgeschosse vor. Die geplante Geschossfläche betrug 1,6 Mio. m². Der untere Teil der Sockelgeschosse war für öffentliche Nutzungen vorgesehen. Zusammen mit dem umzugestaltenden Platz sollte dies die Grundlage für eine hohe Aufenthaltsqualität sein.
Nach den Empfehlungen des Preisgerichtes überarbeitete das Büro Kollhoff / Timmermann seinen preisgekrönten Entwurf. Im Juli 1994 beschloss der Senat, dass der auf zehn Hochhaustürme reduzierte und den Erhalt der bestehenden Wohnsubstanz an der Karl-Liebknecht- und Mollstraße respektierende Entwurf als Grundlage für das Bebauungsplan-Verfahren I-B4 dienen soll. Mit der Unterzeichnung der städtebaulichen Verträge 1999 verpflichteten sich die Investoren gegenüber dem Land Berlin, ihre Projekte stufenweise in den Jahren 2006 bis 2013 fertig zu stellen und Kosten für die öffentlichen Infrastrukturmaßnahmen zu übernehmen. Im April 2000 wurde der Bebauungsplan I-B4a „Alexanderplatz” als Kernstück des städtebaulichen Gesamtkonzeptes festgesetzt.

Alexanderplatz 2005
Alexanderplatz 2005

Nachdem sich das Bild des Alexanderplatzes in den 1990er Jahren nur wenig geändert hatte, setzte danach die Projektentwicklung und Bautätigkeit auf bisher unbebauten Flächen ein. Nach der abgeschlossenen Sanierung des Alexanderhauses wurde 2001 das Multiplexkino „CUBIX” fertig gestellt. Die „ALEXA”-Shopping Mall an der Alexanderstraße wurde nach nur zwei Jahren Bautätigkeit 2007 eröffnet, 2009 folgte das Geschäftshaus „die mitte“ auf dem Alexanderplatz sowie 2011 das Hotel „die Welle“ und 2013 der Hotelkomplex „Alexander Parkside“. Mit dem 2006 beendeten Umbau des Kaufhauses Galeria Kaufhof erfuhr das Antlitz des Alexanderplatzes eine erhebliche Aufwertung.

Im Jahr 2003 führte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung den begrenzt offenen freiraumplanerischen Ideen- und Realisierungswettbewerb „Alexanderplatz” zur Neugestaltung der Freiflächen durch, den das Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner in Zusammenarbeit mit WES + Partner gewann. Die Kosten für die Neugestaltung der Platzoberfläche teilen sich das Land Berlin und die Investoren.

Die Mitte der ersten Dekade nachlassende Immobiliennachfrage hatte indessen zu einer zeitlichen Streckung in der Umsetzung der weiteren privaten Investitionsvorhaben in den Bereichen geführt, in denen rentierlich genutzter Bestand die Umsetzung des Masterplans verhinderte. Deshalb soll ab 2014 in dem unter breiter Beteiligung der Öffentlichkeit durchgeführten Workshopverfahren der Masterplan von 1993 modifiziert werden.