Städtebau  

 

Alexanderplatz

Von der Nachkriegszeit 1945 bis zur Wiedervereinigung 1990


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Zentrumsplanung - Fernsehturm als Stadtkrone

1959 wurde für das weitere innerstädtische Umfeld der zentralen Achse der „Ideenwettbewerb zur Sozialistischen Umgestaltung des Zentrums der DDR, Berlin” abgeschlossen. Hermann Henselmann schlug statt des gewünschten zentralen Regierungshochhauses den 360m hohen Fernsehturm als „Turm der Signale” am Rande des Marx-Engels-Platzes, unmittelbar am Spreeufer, vor. Damit wurde ausdrücklich auf eine architektonische Darstellung des staatlichen Machtapparates verzichtet. Zwar wurden noch bis 1962 immer wieder neue Entwürfe für ein zentrales Staatsgebäude diskutiert, die Entscheidung für eine Umsetzung wurde aber nicht gefällt. Gleichzeitig wartete das von Franke, Kollmann und Thimm für einen Standort im Friedrichshain erarbeitete Projekt eines "Fernseh-, UKW- und Richtfunkturmes" auf seine Genehmigung und geriet als alternative Stadtkrone für die Innenstadt in die Diskussion.

Am 14. Juli 1964 zog Walter Ulbricht im Politbüro der SED folgende Schlussfolgerungen aus den unterschiedlichen Planungen: „Vorgeschlagen ist, den Fernsehturm politisch-demonstrativ auf einem zentralen Punkt von Berlin aufzubauen, wo er von allen Hauptstraßen aus zu sehen ist... Deswegen: Wenn das Projekt ´erleuchteter Fernsehturm´ angenommen wird, dann brauchen wir nicht das hohe, unrentable Regierungsgebäude.”
In umfangreichen Untersuchungen erwies sich die Position des Fernsehturms südwestlich des Bahnhofs Alexanderplatz im Hinblick auf die stadträumlichen Beziehungen als die günstigste. Die Gesamtleitung des Projektes wurde Gerhard Kosel, dem Präsidenten der Deutschen Bauakademie, übertragen. Der Bau erfolgte 1965-69 nach Plänen von Fritz Dieter und Günter Franke und unter der künstlerischen Beratung durch Hermann Henselmann.

Wettbewerb zur Neugestaltung des Alexanderplatzes

Der Straßenzug Unter den Linden/Karl-Liebknecht-Straße/Prenzlauer Straße in Ost-West-Richtung mit den repräsentativen Regierungseinrichtungen als "Zentralachse" und die Stalinallee (heute Karl-Marx-Allee) in Nord-Süd-Richtung mit hauptsächlich Wohnnutzung trafen am Alexanderplatz zusammen. In einer Folge von teilweise großzügig ausgeweiteten repräsentativen Straßen-, Platz- und Grünräumen entstand so das vom Brandenburger Tor bis zum Strausberger Platz reichende so genannte „Zentrumsband”. Dem Alexanderplatz war innerhalb des Zentrumsbandes eine neue Aufgabe zugewachsen: Er hatte die beiden Magistralen gelenkartig miteinander zu verbinden.

Im Frühjahr 1964 wurde deshalb zur Neugestaltung des Alexanderplatzes ein nichtöffentlicher Wettbewerb unter sechs Architektenkollektiven durchgeführt. Planungsgrundlage war ein Konzept zur großflächigen Neustrukturierung des innerstädtischen Verkehrsnetzes Ostberlins. Die Straßendurchbrüche Karl-Liebknecht-Straße – Prenzlauer Allee, Grunerstraße – Otto-Braun-Straße sowie die kreuzende Verlängerung der Karl-Marx-Allee fassten das Alexanderplatz-Areal ein und führten zu einer großflächigen Erweiterung des Platzes.
Festpunkte der Planung waren der Bahnhof mit Bahnviadukt, das Alexander- und das Berolina-Haus sowie das inzwischen fertiggestellte Haus des Lehrers mit der Kongresshalle.

Bis auf den prämierten Entwurf des Stadtbauamtes des Magistrats von den Architekten Peter Schweizer (Leitung), Dorothea Tscheschner, Dieter Schulze und Erwin Schulz, die das am Alexanderplatz geplante Hotel-Hochhaus an das Ende der Sichtachse der Rathausstraße stellten, sahen alle Entwürfe den Hochhausturm an der Ecke Karl-Liebknecht-Straße / Alexanderstraße vor. In der Überarbeitung wurde das Hochhaus wieder aus der geplanten Sichtachse herausgerückt und ermöglichte so eine zusammenhängendere Platzfläche.

Neugestaltung des Alexanderplatzes

Ab 1967 erfolgte die Neugestaltung des Alexanderplatzes auf der Grundlage des ausgewählten und überarbeiteten Entwurfes. Das Ensemble der Behrensbauten definierte dabei weiterhin eine Torsituation zum dahinterliegenden Bahnhof mit Blick in die Rathausstraße. Die westliche Platzbegrenzung bildete das 1967-70 vom Kollektiv Kaiser, Kuhnert entwickelte „Centrum-Warenhaus”, das mit ca. 15.000 m² Verkaufsfläche nach dem bereits 1968 in Hoyerswerda eröffneten Warenhaus das zweite und gleichzeitig größte Kaufhaus der DDR war. Das 123 Meter hohe „Hotel Stadt Berlin” der Interhotel-Kette wurde in den Jahren 1967-70 nach Plänen des Kollektivs Korn, Scharlipp, Bogatzky gebaut. Kaufhaus und Hotel wurden durch einen eingeschossigen Überbau baulich miteinander verbunden. 1969 wurde auch die Freifläche des Alexanderplatzes zwischen Berolinahaus und Hotelgebäude gestaltet. Ihren Mittelpunkt bildete der Brunnen der Völkerfreundschaft von Walter Womacka. Im selben Jahr wurde die von Erich John errichtete Weltzeituhr zu dem weit über Berlin hinaus bekannten Treffpunkt am Alexanderplatz.

Nördlich der Straße Alexanderplatz entstanden 1967-1969 das zehngeschossige „Haus der Elektroindustrie” nach Plänen des Kollektivs Mehlan, Skujin, Leibold, 1969-1971 das vom Kollektiv Korn, Brieske, Steiger konzipierte 17-geschossige „Haus des Reisens” und 1970-73 das „Haus der Berliner Verlage”, entworfen vom Kollektiv K.E. Swora, R. Hanslik, G. Derdau.

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