Städtebau  

 

Alexanderplatz

Von der Nachkriegszeit 1945 bis zur Wiedervereinigung 1990


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Getrennte Stadtplanung nach politischer Spaltung 1948-49

Nach der politischen und administrativen Spaltung 1948/49 entstanden zwei getrennte Planungs- und Baubehörden. Beide erarbeiteten zunächst weiterhin auf ganz Berlin bezogene Pläne, die aber nicht realisiert wurden. Ab 1950 entwickelten beide Stadtteile eigenständige städtebauliche Richtlinien als Grundlage für den Aufbau in den folgenden Jahren.

In Ost-Berlin, wo der Magistrat noch 1949 eine Variante des Kollektivplans verabschiedet hatte, rückte man im Sommer 1950 von allen in der Tradition der Charta von Athen stehenden Kriterien ab und ersetzte sie durch die vom Ministerrat der DDR am 27. Juli 1950 verabschiedeten „Sechzehn Grundsätze des Städtebaus”. Dieser Beschluss bezeichnete für fast ein Jahrzehnt eine radikale Gegenposition zu der im Westen in den Nachkriegsjahrzehnten konsequent weiter verfolgten Idee der Stadtlandschaft und vertrat eine Planung, die „das Prinzip des Organischen und die Berücksichtigung der historisch entstandenen Struktur der Stadt bei Beseitigung ihrer Mängel” ebenso verfolgte, wie die „Frage... der architektonischen Gestaltung” und der "Schaffung eines individuellen, einmaligen Antlitzes der Stadt."

Die „Sechzehn Grundsätze des Städtebaus” wurden die Grundlage des am 6. September 1950 verabschiedeten Aufbaugesetzes und der schon zuvor verabschiedeten „Grundsätze für die Neugestaltung der Berliner Innenstadt” vom 23. August 1950. Diese sahen den Bau eines 90 Meter breiten Straßenzuges von der Frankfurter Straße über den Alexanderplatz, die Königstraße (heute Rathausstraße) und die Straße Unter den Linden bis zum Brandenburger Tor vor. Mit der „Zentralen Achse” sollte eine neue Repräsentations-Magistrale zwischen Brandenburger Tor und Alexanderplatz entstehen, deren Mittelpunkt als monumentale Höhendominante – als „Stadtkrone” am Marx-Engels-Platz – das zentrale Regierungsgebäude anstelle des Schlosses werden sollte.

„Prachtstraße Stalinallee”

Plakat zum Wiederaufbau Berlins; im Hintergrund die geplante Prachtstraße Stalinallee, 1952
Plakat zum Wiederaufbau Berlins; im Hintergrund die geplante Prachtstraße Stalinallee, 1952
Noch vor dem verbindlichen Abschluss der Zentrumsplanung wurde ab 1951 die Planung für die Stalinallee (heute Karl-Marx-Allee) und für einen Abschnitt der Frankfurter Allee als erste sozialistische Prachtstraße der DDR mit sieben- bis neungeschossiger Bebauung aufgenommen. Der erste Bauabschnitt wurde von 1952 bis 1958 u.a. nach Plänen von Hermann Henselmann realisiert und bildete eine ca. 1,85 km lange Magistrale zwischen Strausberger Platz und Proskauer Straße.

Nachdem die Sowjetunion 1954 für die Architektur neue Direktiven mit dem Ziel einer verstärkten Standardisierung des Bauens unter Verzicht auf kostenträchtige Repräsentationsansprüche erließ, begann auch die DDR die industrielle Plattenbauweise in Verbindung mit der Idee der offenen, durchgrünten und autogerechten Stadt umzusetzen. Davon war auch der zweite Bauabschnitt der Stalinallee vom Strausberger Platz bis zum Alexanderplatz betroffen. Die hier in offener Bauweise errichteten Gebäude wurden nun ausschließlich auf der Basis von Typenentwicklungen in industrieller Bauweise nach Entwürfen von Josef Kaiser in den Jahren 1960 bis 1962 realisiert und prägen bis heute den innerstädtischen Abschluss der heutigen Karl-Marx-Allee.
Lediglich die beiden als unmittelbarer Anschluss an den Alexanderplatz projektierten Bauten wurden damals nicht ausgeführt. An deren Stelle wurden 1961 bis 1964 an der Grunerstraße Ecke Karl-Marx-Allee das zwölfgeschossige Haus des Lehrers und die zweigeschossige Kongresshalle nach Plänen des Kollektivs Henselmann, Geyer, Streiparth gebaut. Auf dem gegenüber liegenden Grundstück Hans-Beimler-Straße Ecke Karl-Marx-Allee entstand das neun- bis elfgeschossige Haus der Statistik nach Plänen des Kollektivs Hörner, Senf, Härter.

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