Städtebau  

 

Alexanderplatz

Von der Nachkriegszeit 1945 bis zur Wiedervereinigung 1990


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Wiederaufbau unter neuen städtebaulichen Vorzeichen -
Erste gesamtstädtische Überlegungen

Kurz nach Kriegsende am 17. Mai 1945 wurde Hans Scharoun zum Stadtbaurat des Berliner Magistrats ernannt. Während die „Trümmerfrauen” mit den Aufräumarbeiten begannen, arbeiteten die Architekten schon an visionären Aufbauplänen eines modernen Berlin. Hans Scharoun schreibt: „Wir bauen eine neue Gesellschaft, aber diese Gesellschaft darf nicht in die Gehäuse der alten kriechen”. Er sieht die baulichen Zerstörungen Berlins als Chance, eine neue „Stadtlandschaft” nach modernen stadtplanerischen Vorstellungen umzusetzen.

1946 wurde der vom „Planungskollektiv” unter der Leitung von Hans Scharoun entwickelte „Kollektivplan” vorgestellt, der von allen Planungen die radikalste Loslösung vom Grundriss der historischen Stadt vorsah. Eine Zonierung in vier in Ost-West-Richtung verlaufende Bänder sollte die Stadt in vier Funktionszonen unterteilen: das „Cityband” mit Zentrumsfunktionen, das „Kulturband” mit kulturellen und wissenschaftlichen Einrichtungen, das „Wohnband” mit ausschließlichen Wohnfunktionen sowie das „Arbeitsband” für die Erwerbstätigkeit. Die vier Bänder sollten durch ein weitmaschiges Netz neuer Schnellstraßen und den Straßenzug Heerstraße – Unter den Linden – Köpenicker Straße als Symmetrieachse hinterlegt werden.

Mit den Abrissen von Bausubstanz, die bis zu 70% erhalten war, mit der Planung als autogerechter Stadtlandschaft und der Funktionstrennung stellte sich dieser Plan in die Tradition der zwei städtebaulichen Manifeste der Moderne: des „Plan Voisin” von Le Corbusier für das Pariser Stadtzentrum und der 1942 veröffentlichten „Charta von Athen” des „Congrès Internationaux d'Architecture Moderne”(CIAM). Mit Ausnahme der frühen 50er Jahre in Ost-Berlin beeinflusste die Charta in den Nachkriegsjahrzehnten maßgeblich den Wiederaufbau der Stadt.

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