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Leitlinien für die City West
Sektorale Bestandsaufnahme und Bewertung
Die West-City wird zur City West
Der „Neue Westen” wurde ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als vornehmes Wohngebiet entwickelt und machte sich schnell als Geschäfts- und Vergnügungsviertel einen Namen. Nachdem das Gebiet von 1945 bis zur Wiedervereinigung 1990 eine Sonderstellung als Stadtzentrum West-Berlins innehatte, steht die City West nun vor der Aufgabe, ihre Rolle im gesamtstädtischen Kontext wieder zu finden und sich im Verhältnis zur historischen Mitte zu definieren. Die City West gilt heute als
- hochrangiges Zentrum mit bedeutenden Einrichtungen der Kultur und Wissenschaft sowie einem Waren- und Konsumangebot von internationalem Standard,
- qualitätvoller Standort großstädtischen Wohnens mit einem selbstverständlichen Nebeneinander von Alt und Neu,
- Ort mit einem großzügigen und differenzierten System charaktervoller öffentlicher Räume und einer vielfältigen Nutzungsmischung, die ihr ein unverwechselbares, städtisches Ambiente verleihen.
Die prominente Lage des Untersuchungsbereichs im gesamtstädtischen Kontext ruft hohe Erwartungen gegenüber der City West hervor. Die großen „Leuchtturmprojekte” rund um den Breitscheidplatz (Aussichtsrad, Zoobogen, Zoofenster, Schimmelpfenghaus) sollen zu einer Modernisierung der City West beitragen und gleichzeitig die Qualitäten stärken. Auch wesentliche exogene Qualitäten, wie die Nähe zu zentralen gesamtstädtischen Funktionen und Veranstaltungsorten (Messegelände, Olympiastadion, Waldbühne), zu wichtigen Verkehrsknotenpunkten (Flughafen Tegel, BAB) sowie die unmittelbare Nähe zu hochwertigen Erholungs- und Naturräumen (Grunewald, Seenkette) bleiben für die City West von großer Bedeutung.
Ein Leitbild soll für die weitere Aufwertung der City West Maßnahmen vorschlagen und Wege zu einer gemeinsamen Umsetzung mit allen Beteiligten aufzeigen – mit dem Ziel, die City West als Teil der Hauptstadt und Metropolregion mit einem spezifischen Images zu profilieren und vorhandene Qualitäten zu stärken.
Im Folgenden wird die städtebauliche Situation des Untersuchungsbereichs City West hinsichtlich ihrer Potenziale bewertet:
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Stadtstruktur
Stadtbild
Im Zuge der historischen Entwicklung bildete sich eine markante Stadtstruktur heraus, mit einem System öffentlicher Räume bestehend aus:
dominanten, übergeordneten, linearen, auch repräsentativen Elementen bzw. Primärräumen, von denen die wichtigsten in ost-westlicher Richtung verlaufen, wie z. B. der Kurfürstendamm, die Bismarckstraße und der Landwehrkanal sowie
einem Netz dichter Gründerzeitstrukturen, die sich dazwischen spannen.
Auf der Grundlage dieses Systems ergeben sich folgende Ziele für ein Leitbild:
Primärräume
Die oben beschriebenen linearen, übergeordneten städtischen Räume/Elemente sind zumeist auch Standorte von Einrichtungen überlokaler Bedeutung und tragen so zum positiven Image der City West bei. Als hochrangige öffentliche Räume sind sie in ihrer jeweiligen Eigenart möglichst zu stärken und qualitativ weiterzuentwickeln.
Eingänge, Übergänge, Verflechtungsbereiche
Da die „Primärräume” die City West durchqueren und damit die Verbindung zu den Nachbarräumen herstellen, sind im Zusammenhang mit ihnen auch die Fragen der Ein- und Zugänge (z.B. Lehniner Platz, Lützowplatz), der Übergänge und der Verflechtungsbereiche zu erörtern sowie Konzepte hierfür zu entwickeln.
Weiterreichende Nord-Süd-Straßen des Netzes
Diese haben sehr unterschiedliche Charaktere und sind teils durch starken Verkehr (Lewishamstraße), teils durch hochwertiges städtisches Flair (Fasanenstraße) gekennzeichnet. Sie bedürfen differenzierter Betrachtung und Maßnahmen.
„Netz und Knoten”
Das System aus „Primärräumen” und dem Netz der Gründerzeitstraßen und -strukturen entspricht der bereits im „Planwerk Innenstadt” beschriebenen, Colin Rowe´schen „Collage” aus historischer Blockstruktur und den sogenannten „City-Knoten”, Konzepten der 1950er und 1960er Jahre, die an bestimmten Orten zur „Kollision von Objekt und Textur” führten. Bis heute sind die damit verbundenen Aufgaben vielfach ungelöst und bedürfen der Überprüfung und Bearbeitung (Ernst-Reuter-Platz, Breitscheidplatz inkl. Hardenbergplatz, An der Urania).
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Baulich-räumliche Merkmale
Die an vielen Stellen erhaltene baulich-räumliche Struktur der Gründerzeitquartiere in der City West zeigt im Vergleich zur historischen Mitte in der Regel breitere Straßenquerschnitte mit ausladenden Gehwegen und zum Teil prägendem Baumbestand. Die homogene Bebauung in großen Blockstrukturen sah vor allem Wohnhäuser oder Wohn- und Geschäftshäuser vor. Die Gebäude verfügen zumeist über eine Traufhöhe von ca. 22m. Ihre Fassaden zeigen häufig den für die Gründerzeit typischen Stilpluralismus mit zum Teil üppiger, repräsentativer Geste.
Die weite und offene Struktur der Straßen und Platzräume setzt sich in den Grundrissen und im Inneren der Blöcke fort. Das urbane Potenzial dieser Stadtstruktur ist durch die bis heute erhaltene Mischnutzung weit entwickelt. Lediglich an den Schnittstellen mit den Straßendurchbrüchen der Nachkriegsmoderne (z. B. An der Urania) ergeben sich Schwächen.
Andere Teile der City West wurden während des Zweiten Weltkriegs stark zerstört. Der Wiederaufbau folgte vielfach den historischen Fluchtlinien des gründerzeitlichen Straßenrasters. Ausnahmen bilden u.a. der Ernst-Reuter-Platz und der Breitscheidplatz, die zeitgemäß im Stil der aufgelockerten Stadt neu entwickelt worden sind. Damit verbunden war die zeittypische Aufhebung der Mischnutzung zu Gunsten einer Funktionstrennung.
Trotz solcher Brüche besteht die Vielfalt baulich-räumlicher Strukturen fast überall in einem selbstverständlichen Miteinander. Mit ihrem abgestuften Netzwerk öffentlicher Räume, der Gründerzeitbebauung und den Solitärbauten der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts verfügt die City West über ein Stadtbild von außerordentlicher Prägnanz, das weniger durch einzelne städtebauliche Dominanten geprägt ist als durch die Summe seiner Einzelteile. Die qualitätsvollen architektonischen Zeitschichten unterschiedlicher Epochen bedingen hohe Anforderungen an aktuelle Neubauprojekte jeder Dimension.
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Freiräume und Stadtgrün
Stadtgrün
Die Wirkung des öffentlichen Raums und die Aufenthalts- und Wohnqualität der City West werden entscheidend durch die vorhandene Freiraumstruktur geprägt. Dies ist einer der Unterschiede zur historischen Mitte. Die bedeutenden öffentlichen und meist als Gartendenkmal geschützten Grünanlagen wie Tiergarten, Schlosspark Charlottenburg, Lietzensee, Zoologischer Garten und Preußenpark liegen großteils an den Rändern der City West. Die kleinteilige, innerstädtische Grünstruktur aus oft historischen Platzanlagen, Spielplätzen und Alleebepflanzungen oder Einzelbäumen, teilweise auch aus Vorgärten und Fassadenbegrünungen charakterisieren den Bereich im Innern.
Besonderheit der City West ist die hohe Vielfalt unterschiedlicher Platzräume. Gründerzeitlich geprägte Plätze stehen komplementär zu Platzanlagen der Nachkriegsmoderne und der jüngeren Vergangenheit Außergewöhnlich sind die kleineren Plätze und platzräumlichen Erweiterungen entlang des Kurfürstendamms (u.a. George-Grosz-Platz, Ecke Leibnizstraße), die durch das Aufeinandertreffen graduell abweichender Blockstrukturen entstehen.
Zu dem differenzierten Angebot städtischer Grün- und Freiräume gehören auch „Grüne Hauptwege” und Joggingstrecken. Diese binden die City West in ein gesamtstädtisches Netz ein und erhöhen die Nutzungsqualität für Fußgänger und Radfahrer.
Der Erhalt, die Ergänzung und die weitere Qualifizierung der Grünstrukturen ist ein wichtiges Thema im Rahmen der Leitbildentwicklung. Gerade die Stadtplätze sind auf Aufenthaltsqualität, Nutzungsform und baulichen Zustand hin zu überprüfen.
Die Grünverbindung entlang der S-Bahn-Trasse könnte einen wesentlichen Beitrag zur Freiraumvernetzung leisten. Handlungsbedarf besteht schließlich im Umgang mit dem Straßenbegleitgrün, z.B. den überdimensionierten Flächen im östlichen Teil der Lietzenburger Straße/An der Urania oder den Hochbeeten im Bereich Kantstraße.
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Verkehr
Verkehr
Für die City West besteht eine hervorragende verkehrliche Anbindung. Der motorisierte Individualverkehr erreicht sie über die Hauptachsen und den Stadtring. Mehrere Autobahnanschlüsse Richtung Stadtring und Westen sind gegeben. Der „eigene” Autobahnanschluss Kurfürstendamm hat dabei stärker imagebildende als verkehrliche Bedeutung. Für den ruhenden Verkehr stehen genug Stellplätze zur Verfügung, davon ein hoher Anteil in Parkhäusern.
Straßenverbindungen, Busspuren, Fußgängerbereiche, Radverkehrsanlagen sowie Tempo 30-Zonen und Parkhäuser in der Zusammenschau mit ÖPNV- und MIV-Knoten machen die heterogene und feinkörnige Verkehrslandschaft der City West deutlich.
Das engmaschige Netz des öffentlichen Nahverkehrs ist besonders hervorzuheben. Auch für den Regionalverkehr besteht eine attraktive Anbindung. Die Erreichbarkeit der City West mit dem öffentlichen Fernverkehr hat sich durch die Herabstufung des Bahnhof Zoo leicht verschlechtert und wird sich durch die geplante Schließung der Flughäfen Tempelhof und Tegel weiter verändern. Die Planungsziele des Stadtentwicklungsplans Verkehr sind an einer Verringerung des Durchgangsverkehrs bei gleich bleibend guter Erreichbarkeit der City West orientiert.
Aus der SWOT-Analyse geht hervor, dass die City West auch häufig mit dem Fahrrad oder zu Fuß aufgesucht wird. Diese Verkehre haben zugenommen und werden durch die Umsetzung der Radwegeplanung weiter unterstützt. Auch diese Verkehrsträger sind im Rahmen der Leitbildentwicklung bei der Gestaltung öffentlicher Räume entsprechend zu berücksichtigen.
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Sozialstruktur – Bewohner
Die City West ist „älter” als die Gesamtstadt: das Charlottenburg-Wilmersdorfer Durchschnittsalter beträgt laut Statistk 44,6 Jahre gegenüber 42,4 Jahren in Berlin. Allerdings liegt derzeit noch fast in der gesamten City West der Anteil der Senioren, aber auch der Anteil an Kindern und Jugendlichen unter dem Berliner Durchschnitt. Der Anteil an Fortzügen von Familien mit mehreren Kleinkindern liegt größtenteils unter dem gesamtstädtischen Mittel. Ob der zuletzt gemeldete „Babyboom” in der City West eine Trendwende für die Bevölkerungsstruktur bedeutet, ist zunächst unklar.
Der in der SWOT-Analyse festgestellte überdurchschnittliche Anteil an Ausländerhaushalten reflektiert teilweise die Internationalität der City West.
Überraschend sind Feststellungen zur Kaufkraft der Bewohnerschaft. Diese liegt geringfügig unter der Berliner Vergleichszahl, mit einer Tendenz des deutlichen Rückgangs.
Insgesamt wird der hohe Anteil an etablierter Wohnbevölkerung als stabilisierender Faktor angesehen. Eine Ausdifferenzierung der Wohnungstypologien mit dem Ziel familienfreundlicher und generationenübergreifender Angebote wird aber benötigt.
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Nutzungsstruktur
Nutzungsstruktur
Bereits die SWOT-Analyse weist auf die sehr spezielle Nutzungsmischung hin, welche die besondere Atmosphäre der City West erzeugt.
Besonderheiten liegen u.a. in der Kleinteiligkeit der Strukturen sowie in der Vielfalt der Angebote und Zielgruppen. Die City West bietet Angebote für Bewohner, Berliner und Besucher und bedient dabei die unterschiedlichsten gesellschaftlichen Gruppen gleichermaßen.
ppen. Die City West bietet Angebote für Bewohner, Berliner und Besucher und bedient dabei die unterschiedlichsten gesellschaftlichen Gruppen gleichermaßen.
Besondere Einzelhandelsformate
Wesentliche Impulsgeber für die Entwicklung der City West sind derzeit der Einzelhandel und der Tourismus. Insbesondere im Einzelhandel sind renommierte Adressen entstanden bzw. im Entstehen. Besonders bemerkenswert ist der hohe Wohnanteil, der auch in unmittelbarer Nähe zum Kurfürstendamm in der Regel die 70%-Marke (bezogen auf die Anzahl der Nutzungseinheiten) übersteigt. Das sind ein Alleinstellungsmerkmal und eine stützende Nutzung der City West.
Trotz dieser positiven Entwicklungen sind teilräumlich auch Leerstände (insbesondere Büroflächen und Ladenflächen) zu verzeichnen, die jedoch Chancen für neue, innovative Konzepte sowie für weitere Adressenbildungen bieten. Die kulturellen, freizeitorientierten Nutzungen, der Wissenschafts- und Forschungsbereich und andere Hauptstadtfunktionen am östlichen Rand der City West könnten zukünftig noch stärker zur nutzungsstrukturellen Weiterentwicklung beitragen.
Eine Untersuchung der Erdgeschosszonen, die wesentlich zur urbanen Atmosphäre beitragen, ergibt ein vielseitiges Bild: Die City West stellt sich als abwechslungsreiches Einkaufsquartier dar, ergänzt durch zahlreiche gastronomische Angebote. Dabei wechseln sich Geschäftsstraßen mit ruhigeren Wohnstraßen ab. In einigen Bereichen kann die Attraktivität der Erdgeschosszonen durch gestalterische Maßnahmen gesteigert werden.
Die Nutzer - Einzugsbereiche und Aufenthaltsdauer - Angebote
Das Spektrum der Nutzer der City West reicht vom internationalen Publikum über die hier arbeitenden Menschen aus anderen Bezirken oder dem Umland bis hin zu den mit dem Viertel verbundenen Bewohnern. Die Einrichtungen und Räume von internationaler, landesweiter, regionaler, gesamtstädtischer und örtlicher Bedeutung müssen den jeweiligen Ansprüchen dieser Nutzer genügen und an Zukunftsfähigkeit und Attraktivität gewinnen. Besonderes Augenmerk sollte dabei auch auf die City West als Standort von Arbeitsplätzen gerichtet werden. Auch hier ermöglicht die Nutzungsvielfalt ein diversifiziertes Angebot.
Die nutzungsstrukturellen Untersuchungen zeigen, dass die hauptstädtischen Zentrumsfunktionen Kultur, Wissenschaft und Bildung, Einzelhandel, Tourismus/Freizeit und Wohnen z.T. in direkter Nachbarschaft, z.T. in räumlicher Überlappung zu finden sind und sich Angebote örtlich und nutzerbezogen überschneiden. Dies macht den besonderen qualitativen Mix der City West aus.
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