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Leitlinien für die City West

Baukultur und Denkmalpflege


Die City West vereint auf engem Raum bedeutende Epochen der Architektur: Gründerzeit, Nachkriegsmoderne und Gegenwart. Das ist Stärke und Aufgabe in einem. Es formt das Stadtbild und gibt der City West ihren unverwechselbaren baulichen Charakter. Es sorgt aber auch für städtebaulich ungelöste Situationen, wo die Knoten der „autogerechten Stadt” das alte Straßenraster überlagern. Vor allem aber macht es einen intensiven Diskurs über das Weiterbauen und Sanieren an diesem Ort unverzichtbar.


Barock – Gründerzeit – Moderne – Gegenwart

Die City West ist reich an schützenswerten Baudenkmalen und -ensembles aller Art. 837 Einträge verzeichnete die Denkmaldatenbank des Landes zum 31. Juli 2009 allein für den Ortsteil Charlottenburg. Das zeitliche Spektrum reicht von Bauten der jüngsten Vergangenheit zurück bis in die Zeit der Stadtgründung – beispielsweise mit dem barocken Wohnhaus in der Schustehrusstraße 12 oder der Dreiflügelanlage des Schlosses selbst, die nach Plänen von Johann Friedrich Eosander von Göthe zwischen 1702 und 1713 realisiert wurde.

Standort der Nachkriegsmoderne

Wenige Orte in Berlin stehen so beispielhaft für die architektonische Entwicklung der 1950er und 1960er Jahre wie die City West. Rings um Breitscheidplatz, Ernst-Reuter-Platz und Urania entstanden ganze Ensembles, die mit hervorragenden Bauten jener Zeit aufwarten. Einzelbauten findet man in der ganzen City West. Zu den wichtigsten Gebäuden dieser Epoche zählen – in chronologischer Reihenfolge:
  • Schillertheater , Bismarckstraße, 1951, Architekten: Heinz Völker und Rudolf Grosse
  • Konzertsaal der Universität der Künste , Hardenbergstraße, 1954, Architekt: Paul Baumgarten
  • Deutsches Familienkaufhaus (Defaka), Breitscheidplatz, 1955, Architekt: Paul Schwebes
  • Zentrum am Zoo/Zoobogen mit Bikinihaus und Zoo-Palast, Breitscheidplatz/Hardenbergplatz, 1957, Architekten; Paul Schwebes und Hans Schoszberger (beim Zoo-Palast: mit Gerhard Fritsche)
  • Amerika-Haus , Hardenbergstraße, 1957, Architekt: Bruno Grimmek
  • Stiller-Haus (sogenanntes Schirmständerhaus), Wilmersdorfer Straße, 1957, Architekt: Hans Simon
  • Hotel am Zoo, Kurfürstendamm, 1957, Architekt: Paul Baumgarten
  • Ruhrkohle-Haus, Bismarckstraße, 1958, Architekt: Paul Baumgarten
  • Schimmelpfeng-Haus, Breitscheidplatz, 1960, Architekten: Gustav Sobotka und Franz Heinrich Müller
  • Telefunken-Hochhaus, Ernst-Reuter-Platz, 1960, Architekten; Paul Schwebes und Hans Schoszberger
  • Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, Breitscheidplatz, 1961, Architekt: Egon Eiermann
  • Deutsche Oper , Bismarckstraße, 1961, Architekt: Fritz Bornemann
  • IBM-Haus, Ernst-Reuter-Platz, 1961, Architekten: Rolf Gutbrod, Bernhard Binder
  • Theater der Freien Volksbühne Berlin , Schaperstraße, 1963, Architekt: Fritz Bornemann
  • Europa-Center, Breitscheidplatz, 1965, Helmut Hentrich und Hubert Petschnig
  • Haus der Werbung, An der Urania, 1966, Architekten: Rolf Gutbrod, Horst Schwaderer, Hermann Kiess
  • Mensa am Steinplatz, Hardenbergstraße, 1967, Architekt: Werner Düttmann mit Abt. VI, SenBauWohn
  • Berliner Diskonto-Bank, Otto-Suhr-Allee, 1967, Architekten: Günter Hönow mit Friedrich Koch
  • Institut für Technische Chemie, Straße des 17. Juni, 1968, Architekt: Willy Kreuer
  • Architekturfakultät, Ernst-Reuter-Platz, 1968, Bernhard Hermkes


Problematische Straßendurchbrüche

Eine Stärke der City West liegt in ihren auf weiten Flächen erhaltenen Gründerzeitstrukturen mit ihrer hohen urbanen Qualität. Wo die City-Knoten der 1950er und 1960er mit ihren breiten Straßen diese Struktur durchbrechen, entstehen vielfach ungelöste städtebauliche Situationen: am Ernst-Reuter-Platz, am Breitscheidplatz und An der Urania. Auch wo der Wiederaufbau dem alten Straßenraster folgte, wurden die Fluchtlinien verändert und die Flächen nach den Ideen der aufgelockerten Stadt mit frei stehenden Hochhäusern und Solitärbauten entwickelt.

Vielschichtige Baukultur

Auf der Habenseite schlägt sich diese Geschichte im heutigen Bestand als Vielschichtigkeit nieder, wie man sie selten auf so engem Raum vereint findet. Das Stadtbild der City West prägen damit weniger einzelne städtebauliche Dominanten als vielmehr das großflächige Mit- und Nebeneinander qualitätvoller architektonischer Zeitschichten aus unterschiedlichsten Epochen.

Architekturdebatte

Das stellt hohe Anforderungen an aktuelle Neubauprojekte jeder Dimension. Sie sollen dieser komplexen Vorgeschichte Rechnung tragen und sie mit unverminderter Qualität fortschreiben. Auch die Debatte um Denkmalpflege und -erhalt kann nur im Spannungsfeld unterschiedlichster Anforderungen und Zeitebenen geführt werden. Deshalb verlangen Neubauten, aber auch Sanierungs- und Modernisierungsprojekte in der City West eine besonders ausführliche Debatte unter Einbeziehung aller Beteiligten.
Karte der Planwerke mit Fokus auf die City West

Das Schillertheater in der Bismarckstraße, Sept. 2007, Foto: Philipp Eder
Das Schillertheater in
der Bismarckstraße, Sept. 2007  Foto: Philipp Eder

Konzertsaal der Udk, Sept. 2007, Foto: Philipp Eder
Konzertsaal der UdK,
Sept. 2007
Foto: Philipp Eder

Blick vom Europa-Center auf das ehem. Defaka-Haus, Mai 2005, Foto: Philipp Eder
Blick vom Europa-Center auf das ehem. Defaka-
Haus, Mai 2005
Foto: Philipp Eder

Haus der Berliner Festspiele (ehem. Freie Volksbühne Berlin), Juli 2008, Foto: Philipp Eder
Haus der Berliner
Festspiele (ehem. Freie
Volksbühne Berlin), Juli
2008; Foto: Philipp Eder