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Archiv: Stadtentwicklungsplan Zentren 2020

Zusammenfassung


Leitlinien der Zentrenentwicklung

Die Entwicklungen im Einzelhandels- und Freizeitsektor sind von großer Bedeutung für die Zentrenstruktur und die wohnungsnahe Versorgung der Bevölkerung. Das Themenfeld "Zentrenentwicklung" gehört deshalb zu den Schlüsselaufgaben stadtentwicklungsplanerischen Handelns.
 
Herausragende stadtentwicklungsplanerische Ziele sind dabei,
  • die Sicherung der Grundversorgung,
  • die Erhaltung und Stärkung der Zentren sowie
  • die stadtverträgliche Integration neuer großflächiger Einzelhandels- und Freizeiteinrichtungen.
Die Steuerungsmöglichkeiten der Stadtentwicklungsplanung sind zwar begrenzt. Beeinflusst werden können jedoch
  • die Standortwahl von großen Einzelhandels- und Freizeitprojekten und damit die Standortstruktur,
  • die Dimensionierung der Standorte, ihre Integration in die bestehenden Zentren und ihre städtebauliche Einbindung sowie
  • die Vereinbarkeit der Nutzungen an neuen Standorten mit dem Ziel der wohnungsnahen Grundversorgung und der Zentrenverträglichkeit.
Im vorliegenden StEP Zentren 2020 (StEP Zentren 2) werden
  • das im Stadtentwicklungsplan Zentren und Einzelhandel von 1999 (StEP Zentren 1) vorgelegte Zentrenkonzept sowie die Orientierungswerte zur Verkaufsflächenentwicklung aktualisiert,
  • Prioritäten zum Handlungsbedarf in den einzelnen städtischen Zentren formuliert,
  • Komplementärstandorte für großflächigen Einzelhandel aufgezeigt und Standortüberlegungen für großflächige Freizeiteinrichtungen dargestellt;
  • Kriterien zur städtebaulichen Einfügung von großflächigen Einzelhandels- und Freizeiteinrichtungen entwickelt sowie
  • Kriterien für die Einzelfallprüfung von Ansiedlungen großflächiger Einzelhandels- und Freizeiteinrichtungen außerhalb der Zentren genannt.
Zusammengenommen bilden die beiden Teile des Stadtentwicklungsplans Zentren den Rahmen für die künftige stadtentwicklungsplanerische Steuerung der Einzelhandels- und Zentrenentwicklung auf gesamtstädtischer Ebene.
 
Dabei gelten folgende Leitlinien:
  • Historisch gewachsene Polyzentralität erhalten, vorhandene Zentren stärken.
  • Verkaufsflächenzuwachs an der hierarchisch gestuften Aufgabenteilung der Zentren orientieren.
  • Einzelhandelsentwicklungen an falschen Standorten vermeiden.
  • Fachmärkte vorrangig in zentralen Lagen angesiedeln.
  • Negative Auswirkungen von Fachmärkten an nicht integrierten Standorten auf benachbarte Zentren begrenzen.
  • Factory-Outlet-Center wie anderen großflächigen Einzelhandel beurteilen und maßstabgerecht in das Zentrengefüge einbinden.
  • Bei Waren zur Deckung des längerfristigen Bedarfs Ansiedlungsbegehren in zentralen Lagen den Vorzug geben.
  • Erreichbarkeit der Zentren durch öffentliche Verkehrsmittel und mit dem Auto gewährleisten.
  • Verträglichkeit von Einzelhandelsagglomerationen an Bahnhöfen im Einzelfall prüfen.
  • Großflächige Einzelhandelsprojekte länderübergreifend zwischen Berlin und Brandenburg abstimmen.
  • Berlin als Einkaufsstandort profilieren.
  • Entwicklungschancen wahrnehmen.
  • Flächenzuwachs steuern.
  • Bestehende Zentren aufwerten.
  • Großflächige Einzelhandel und Freizeitangebote integrieren.
  • Komplementärstandorte entwickeln.
  • Urbane Qualitäten sichern.
  • Bei Ansiedlung großflächiger Einzelhandels- und Freizeiteinrichtungen Einzelfallprüfungen durchführen.
  • Größe von Bau- und Gartenmärkten sowie Möbelhäusern begrenzen.
  • Umsetzung der Ziele koordinieren.
Für Neuansiedlungen wird damit eine planerische Doppelstrategie verfolgt:
  • Nutzung vorhandener Flächenpotenziale in den Zentren;
  • Darstellung von Komplementärstandorten für nicht in Zentren integrierbare Vorhaben.

Orientierungswerte für den Einzelhandel

Zwischen 1997 und 2003 hat sich der Verkaufsflächenbestand in Berlin um etwa 0,86 Mio. qm oder 26 Prozent auf 4,16 Mio. qm erhöht. Dabei ist der Anteil der Verkaufsfläche in den städtischen Zentren und in Fachmarktagglomerationen über 5.000 qm kontinuierlich gestiegen und betrug im Jahr 2003 bereits 47 Prozent.
 
Bis zum Jahr 2020 wird ein Verkaufsflächenzuwachs von 340.000 bis 540.000 qm auf ca. 4,5 bis 4,7 Mio. qm eingeschätzt. Dieser Zuwachs soll sich an der hierarchisch gestuften Aufgabenteilung der Zentren orientieren. Dementsprechend ist von einem Bedeutungszuwachs der innerstädtischen Bezirke und Zentren gegenüber den äußeren auszugehen.
 
Weiterhin zunehmen – wenn auch mit geringerem Tempo – dürfte die Nachfrage nach Standorten für den großflächigen Einzelhandel, insbesondere für Möbelhäuser, Bau- und Gartenmärkte, sonstige Fachmärkte und Selbstbedienungswarenhäuser. In den meisten historisch gewachsenen Zentren können die erforderlichen Flächen allerdings nicht bereitgestellt werden.
 
In dieser Situation sind Fachmarktagglomerationen, die die Zentren ergänzen ein planerisch und städtebaulich sinnvolles Angebot für die Ansiedlung von großflächigen Einzelhandelsbetrieben.
  • Sie tragen zur Verbesserung der Versorgung der Bevölkerung innerhalb oder in der Nähe zu den verdichteten Siedlungsbereichen bei,
  • begrenzen die regelmäßig mit solchen Ansiedlungen verbundene Verkehrszunahme,
  • reduzieren durch räumliche Konzentration die Umweltbelastung und
  • tragen zur städtebaulichen Aufwertung indifferenter Bereiche der "Zwischenstadt" bei.
Aus diesen Gründen werden im Zentrenkonzept neben den vorhandenen bzw. planerisch gesicherten Standorten weitere Standorte für Fachmarktagglomerationen ausgewiesen.
 

Standorte für großflächige Freizeiteinrichtungen

Die Untersuchung von Standorten sowie der vorhandenen Zentren auf ihre Eignung für unterschiedliche Typen von Freizeiteinrichtungen führte zu folgendem Ergebnis.
 
Es ist davon auszugehen, dass nur noch ein weiterer Freizeit- und Themenpark in Berlin realisierbar ist. Sehr gut geeignet dafür ist der Flughafen Tempelhof. Darüber hinaus ist die Modernisierung und Wiederinbetriebnahme des Vergnügungsparks Spreepark als planerisches Ziel verankert. Schließlich soll das 130 ha große Gelände am Olympia-Stadion zu einem Sport- und Freizeitpark "Olympia-Park Berlin" entwickelt werden.
 
Die Nachfrage für große Urban Entertainment Nutzungen lässt nur noch einen weiteren urbanen Standort zu. Die beste Standortqualität weist der zentral gelegene Alexanderplatz auf.
 
Weitere Zentren könnten durch Einordnung von Urban Entertainment Nutzungen kleineren Umfangs bzw. durch eine Erweiterung des Freizeitangebots ergänzt und stabilisiert werden; dies gilt insbesondere für die Zentren Schloßstraße, Müllerstraße, Altstadt Spandau, Bahnhofstraße Köpenick, Berliner Straße / Breite Straße in Pankow und Tempelhofer Damm.
 
Für Großveranstaltungshallen und Sportarenen besteht in Berlin nur noch ein begrenzter Bedarf.
 
Der in Vorbereitung befindliche Standort zwischen Ostbahnhof und Warschauer Straße eignet sich aufgrund seiner optimalen Innenstadtlage und ÖPNV-Anbindung sowie seines urbanen Umfeldes mit hoher Bevölkerungsdichte sehr gut für diese Aufgabe.