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Archiv: Stadtentwicklungsplan Gewerbe 1999

Standortprofilierung und Flächenqualifizierung


In den Mittelpunkt von wirtschaftspolitischen Entwicklungsstrategien und Aktivitäten der Wirtschaftsförderung ist die Pflege und Weiterentwicklung technologisch oder logistisch begründeter räumlicher Netzwerke zu stellen, insbesondere die schon vorhandenen industriellen / wissenschaftlichen Kerne technologischer Wachstumsbranchen. Diese sind zu unterstützen und weiterzuentwickeln.

Die Darstellung der räumlichen wie technologischen Vielfalt Berliner Gewerbestandorte und die Hinweise auf vorhandene oder geplante Ressourcen der wirtschaftsbezogenen Infrastruktur und der Flächenpotenziale gehen weit über den bloßen Flächennachweis hinaus.

Die Handlungsfelder und Maßnahmen zur Profilierung und Qualifizierung der Berliner Gewerbestruktur sind auf drei räumlichen Ebenen anzusiedeln:
  1. Profilierung der Stadträume Berlins über Themenschwerpunkte ihrer räumlichen Entwicklung,

  2. wirtschaftspolitische Profilierung von Standorten und ihrer räumlichen Schwerpunkte nach Branchen,

  3. Profilierung von Flächen
 
  • zur Ansiedlung besonders geeigneter Betriebstypen (Betriebe des verarbeitenden Gewerbes, Baubetriebe, Distributionsbetriebe, produktionsorientierte Dienstleistungsbetriebe) unter Berücksichtigung des gegebenen Nutzungsumfeldes und der infrastrukturellen Ausstattung,
  • als Schwerpunkte der Forschung und Entwicklung im räumlichen Umfeld der herausragenden Forschungs- und Wissenschaftseinrichtungen Berlins,
  • für Gewerbebetriebe zur teilräumlichen Versorgung.
Mit der vorrangigen Ansiedlung von Leitbetrieben mit Magnetwirkung auch für Zuliefer- und Logistikunternehmen an Standorten ohne ausgeprägte oder verloren gegangene wirtschaftliche / industrielle Tradition sollen wirtschaftspolitische Entwicklungsansätze zur Standortprofilierung unterstützt werden.

Räumliches Modell der gewerblichen Entwicklung

Das Leitbild zur räumlichen Verteilung des produktionsgeprägten Gewerbes nimmt die Qualitäten der historischen Entwicklung der Berliner Industrie auf und entwickelt sie weiter. Es ist räumlich wie funktional differenziert:
 
Hauptstandorte
Drei über die Stadt verteilte großflächige Hauptstandorte bilden die räumlichen Schwerpunkte des produzierenden Gewerbes. Sie sind geprägt durch Unternehmen mit vorwiegend überregionalem Absatz. Auf Grund ihrer gesamtstädtischen Bedeutung sind diese Standorte konsequent vor nicht produktionsgeprägten Nutzungen zu schützen. Sie sind durch Erhalt und Ansiedlung neuer Leitbetriebe langfristig zu sichern bzw. zu qualifizieren:
 
  • Der Produktionsschwerpunkt West mit Orientierung auf Elektrotechnik, Informations- und Kommunikationstechnik, Verkehrstechnik und Maschinenbau,
  • der Produktionsschwerpunkt Süd mit Orientierung auf Verkehrstechnik und Maschinenbau,
  • der Produktionsschwerpunkt Ost mit Orientierung auf Elektrotechnik, Informations- und Kommunikationstechnik, Verkehrstechnik und Maschinenbau sowie dem größten räumlichen Entwicklungspotenzial für neu anzusiedelnde Unternehmen.

Weitere Standorte von gesamtstädtischer Bedeutung
Neben dem Erhalt und der Qualifizierung traditioneller Standorte sind auch neue Standorte unter besonderen räumlichen Voraussetzung zu entwickeln. Auch diese sind grundsätzlich für produzierendes Gewerbe vorzuhalten:
  • Erhalt und Qualifizierung traditioneller Standorte wie Spandau West, Flottenstraße und Adlershof / Grünauer Straße,
  • Entwicklung neuer Standorte mit direkten räumlichen Verbindungen zu benachbarten Standorten in Brandenburg wie Staaken im Verbund mit Dallgow, Mahlsdorf im Verbund mit Dahlwitz-Hoppegarten,
  • Entwicklung neuer Standorte mit besonderer Verkehrsgunst wie Schönerlinder Straße, Bohnsdorf West.
 
Standorte mit besonderer Eignung für die Versorgung der Innenstadt
Im Bereich der Innenstadtrandzone sind als Standorte mit günstigen Bedingungen für eine Kombination von Produktion, produktionsorientierten Dienstleistungen und Distribution zu sichern:
  • das Gebiet südlich der Bundesautobahn 100 in Tempelhof / Neukölln,
  • das Gebiet zwischen Autobahndreieck Charlottenburg und Westhafen.
 

Standorte mit besonderer Eignung für Unternehmen, die eng mit Wissenschaft und Forschung kooperieren
Diese Standorte sind auf einzelne Themen, primär aus dem Bereich der vom Berliner Senat definierten Technologiecluster, spezialisiert. Gleichzeitig sind Gewerbeflächen im Umfeld dieser Einrichtungen bevorzugt zu entwickeln. Als Standorte sind zu erhalten bzw. zu entwickeln:
  • Umfeld Technische Universität (Innenstadt)
  • Tegel / Am Borsigturm (Nordwestraum)
  • Umfeld Klinikum Buch / Max-Delbrück-Centrum (Nordostraum)
  • Adlershof / Johannisthal / Umfeld Humboldt Universität (Südostraum)
  • Umfeld Freie Universität (Südwestraum)
 

Der Berliner Gewerbekranz
Der Berliner Gewerbekranz ist aus Flächen eines ursprünglich reinen Industriegürtels um die Innenstadt entstanden und soll für gewerbliche Nutzungen erhalten werden. Mit Blick auf das Ziel "Stadt der kurzen Wege" ermöglichen diese Standorte die Ansiedlung von Betrieben mit Arbeitsplätzen für die nahe gelegenen Wohngebiete der äußeren Stadträume.