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Archiv: Planwerk Innenstadt

Anlass + Ziel


Die Berliner Innenstadt leidet an vielen Orten immer noch unter den Folgen der Kriegszerstörungen, eines häufig stadtzerstörerischen Wiederaufbaus und der Trennung der beiden Stadtzentren durch die Berliner Mauer.

Überbreite, quartierszerschneidende Straßenzüge und -kreuzungen, undefinierte Freiflächen und monofunktionale Wohnsiedlungen reduzieren nicht nur die Attraktivität und Aufenthaltsqualität für Bewohner und Besucher der Stadt, sondern verhindern auch eine angemessene innerstädtische Entwicklung.

Das Planwerk Innenstadt will die tatsächlichen und unsichtbaren Grenzen der jahrzehntelang geteilten Stadt überwinden und ein anschauliches Gesamtbild des Historischen Zentrums und der City-West aufzeigen. Die Berliner Innenstadt soll nach den Geboten der Nachhaltigkeit als kompakte, nutzungsgemischte Stadt der kurzen Wege entwickelt werden. Erreicht werden soll dies u.a. durch eine städtebauliche Verdichtung in einer Größenordnung von ca. 23.000 Wohnungen auf ca. 170 ha Grundstücksfläche auf überwiegend kommunalen oder öffentlichen Flächen. Die gleiche Anzahl an Wohnungen, am Stadtrand in Ein- und Zweifamilienhausgebieten errichtet, würde mind. 460 ha Nettowohnbauland zuzüglich der Flächen für soziale und technische Infrastruktur erfordern.

Unter dem Kriterium der Nachhaltigkeit ist deshalb das Planwerk-Konzept vorzuziehen: Die Landschaftsräume rund um Berlin werden vor weiterer Zersiedlung bewahrt, Pendlerverkehr wird vermieden, ressourcen- und kostenintensive neue Infrastruktureinrichtungen (Schulen, Kitas, ÖPNV-Linien etc.) werden nicht benötigt, da in der Innenstadt genügend freie Kapazitäten vorhanden sind.

Das Planwerk steht in der städtebaulichen Tradition der europäischen Stadt und bezieht sich auf die verschütteten historischen Spuren des zerstörten Berliner Stadtgrundrisses, ohne dabei die Geschichte dieser Zerstörung zu verleugnen. Ziel ist nicht die nostalgische Rückkehr zum unwiederbringlich Verlorenen, sondern dialogische, auch spannungsvolle Ergänzung des als unzulänglich bewerteten Bestandes (häufig Ergebnisse der städtebaulichen Nachkriegsmoderne), orientiert an gegenwärtigen Bedürfnissen nach städtischer Aufenthalts-, Wohn- und Lebensqualität.