Städtebau  
 

Hauptstadt Berlin - Entwicklungsmaßnahme 1993 bis 2013

Titelbild Karte mit Zeitlinie Regierungsviertel Panorama: Pariser Platz / Brandenburger Tor
Pariser Platz / Brandenburger Tor
© DSK, 2013
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Unter Bürgern


Wir haben ja den Hauptstadtvertrag nicht gemacht, damit der große Bruder mit dem kleinen Bruder Murmeln spielt, sondern weil sich zwei gleichberechtigte Partner gemeinsam bemühen, etwas Vernünftiges zustande zu bringen.
Wolfgang Nagel, 1993


Das Gesicht der "Berliner Republik" prägt nicht mehr der flache, schlichte Kanzlerbungalow aus Bonner Zeiten, sondern ein markantes Kanzleramt, stattliche 36 Meter hoch. Kaum ein TV-Reporter verzichtet bei der politischen Berichterstattung auf dieses moderne Pendant zum historischen Reichstagsgebäude im Hintergrund.

Als Stadtraum mit den zentralen und symbolkräftigen Gebäuden von Parlament und Regierung, Legislative und Exekutive bietet das "Band des Bundes" zwanzig Jahre nach Beginn der Entwicklungsmaßnahme eine ideale Open-Air-Bühne für täglich neue Inszenierungen der "Öffentlichkeit". Und die beschränkt sich keineswegs nur auf die Medien, auf bunte Bilder aus der Ferne, sondern ermöglicht ganz reale Begegnungen zwischen Volksvertretern und ihren Wählern. Denn rund um Parlaments- und Regierungsgebäude wurden Alleen und großzügig Grünflächen angelegt, erst damit war der Platz geschaffen für ein ganzes Spektrum öffentlicher Nutzung, vom alltäglichen Flanieren über das Feiern bis hin zum Demonstrieren.

Öffentliche Grün-, Platz- und Freiflächen (1993 / 2013)
Öffentliche Grün-, Platz- und Freiflächen (1993 / 2013)

Dieser charakteristische Eindruck beiläufiger Transparenz wird etwa am Spreeplatz betont durch Flugdächer, einladend breite Freitreppen und den "Sprung über die Spree". Mit dieser filigranen Brückenkonstruktion hat der Architekt Stephan Braunfels Paul-Löbe-Haus und Marie-Elisabeth-Lüders-Haus auf zwei Ebenen verbunden, oben für die Parlamentarier, unten für die Öffentlichkeit. Die für ein Regierungsviertel gebotenen Sicherheitsmaßnahmen erzwingen solche Trennungen. In der Detailplanung wurde allerdings darauf geachtet, dass deren Ausschließungscharakter nicht hervortritt. So stören etwa die Pollerreihen vor der vom Architekturbüro Moore Ruble Yudell geplanten US-Botschaft am Pariser Platz den Eindruck der Transparenz kaum.

Text: Jochen Stöckmann
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