Städtebau  

 

Archiv: Hauptstadt Berlin - Dokumentation der Arbeitsphasen

Internationaler Städtebaulicher Ideenwettbewerb Spreebogen


Dass der zentrale Ort von Parlament und Regierung im Spreebogen liegen sollte, war eine nie ernsthaft in Frage gestellte Grundsatzentscheidung von Bund und Land. Sie beruhte auf einer langen politischen und planerischen Tradition: Es gab in der Kaiserzeit, in der Weimarer Republik wie auch nach Ende des Zweiten Weltkrieges zahlreiche Planungen, die wichtigsten Parlaments- und Regierungsbauten an diesem Ort zu konzentrieren.

Um das städtebauliche Konzept für das Parlaments- und Regierungsviertel im Spreebogen zu finden, wurde 1992/93 der Internationale Ideenwettbewerb durchgeführt. Über 800 Arbeiten wurden eingereicht. Die Zielsetzung des Wettbewerbes lautete, ein in die Stadt integriertes, für die Bürger offenes Parlaments- und Regierungsviertel zu schaffen. Erster Preisträger waren die Berliner Architekten Axel Schultes und Charlotte Frank. Zentrale Idee ihres Konzeptes ist das "Band des Bundes" durch die Flusslandschaft.

Das "Band des Bundes" schafft eine symbolische Verbindung zwischen dem Osten und dem Westen der einst geteilten Stadt. Es reicht von der nördlichen Friedrich-Wilhelm-Stadt bis nach Moabit und überquert in seinem Verlauf zweimal die Spree. Im Spreebogen trifft der Entwurf eine wichtige symbolische Entscheidung: Die Bauten der Legislative (Parlament) und der Exekutive (Kanzleramt) stehen einander gegenüber und sind durch das zentrale "Bürgerforum" verbunden. Nicht zuletzt soll das Band, so Axel Schultes, die Speersche Achsenplanung mit einem "gebauten Strich" durchkreuzen. Repräsentative vierreihige Eichenalleen mit 48 Meter Breite begrenzen das "Band des Bundes". Die verbleibenden Freiräume des inneren Spreebogens sollen landschaftlich geprägt bleiben.

Als Kontrast werden die gegenüberliegenden Räume nördlich der Spree bebaut. Der städtebaulichen Dominante, dem Reichstagsgebäude, ordnen sich die unmittelbar nördlich gelegenen Parlamentsgebäude mit 22 Metern Höhe ebenso unter wie das Kanzleramt mit einer Traufhöhe von 18 Metern. Auch vor dem Hintergrund der Erfahrungen in Bonn sollte ein "Parlament der kurzen Wege" geschaffen werden. So entstanden hochverdichtete, nah beieinanderliegende Neubauensembles mit dem Reichstagsgebäude als Mittelpunkt.

Internationaler Städtebaulicher Ideenwettbewerb Spreebogen

Auslobung: 25. März 1992
Preisgericht 1. Sitzungsperiode: 20.–23. Januar 1993
2. Sitzungsperiode: 15.–18. Februar 1993
Teilnehmerzahl: 835

Preise
  • 1. Preis: Axel Schultes und Charlotte Frank, Berlin
  • 2. Preis: Miroslav Volf, Saarbrücken
  • 3. Preis: Nick Gartenmann, Mark Werren, Andreas Jöhri, Bern (Schweiz)
  • 4. Preis: Klein, Breucha, Stuttgart
  • 5. Preis: Philip Mellor-Ribet & Konstanze Neuerburg, Paris
  • 6. Preis: Mauro Glantino, Marco Zanibelli & Roberto Bertossi, Mailand
  • 7. Preis: Eller Maier Walter KG, Alastair Gourlay (Arup Associates), Berlin
  • 8. Preis: ARQUITEXTURE (Portugal)
  • weitere 14 Ankäufe
1993 - 'Band des Bundes'; Entwurf: A. Schultes und Ch. Frank
1993 - "Band des Bundes"
Entwurf: A. Schultes und Ch. Frank

Modell 'Band des Bundes'
Modell "Band des Bundes"
Quelle: Antonia Weiße

2005 - 'Band des Bundes' (Bundeskanzleramt, Paul-Löbe-Haus, Marie-Elisabeth-Lüders-Haus); Foto: Partner für Berlin/FTB-Werbefotografie
2005 - "Band des Bundes" (Bundeskanzleramt, Paul-Löbe-Haus, Marie-Elisabeth-Lüders-Haus)
Foto: Partner für Berlin/FTB-Werbefotografie