Städtebau  

 

Archiv: Hauptstadt Berlin - Dokumentation der Arbeitsphasen

4. Rückbau von Gebäuden


Die Baufeldfreimachung kann auch den Abriss vorhandener Bausubstanz beinhalten. Abriss und Rückbau von Gebäuden sind einschneidende städtebauliche Maßnahmen und erzeugen in der Öffentlichkeit neben Beifallsbekundungen auch Proteste. Mit dem Gebäude vergeht ein Stück Geschichte, ein Orientierungspunkt im Stadtbild, ein Symbol. Die Entwicklungsmaßnahme machte Abriss- und Rückbaumaßnahmen dort notwendig, wo Altbauten eine erforderliche Neubebauung verhindert hätten oder andere städtebauliche Ziele verwirklicht werden sollten. Die einzelnen Beispiele zeigen, welche Zwecke mit den Abrissen verfolgt wurden:
  1. Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten - aufgrund des sehr hohen Instandsetzungsbedarfs
  2. Palast der Republik - nach für den Abriss erforderlicher Asbestsanierung zur Errichtung des Humboldt-Forums aufgrund bundesparlamentarischer Beschlusslage
  3. Kindertagesstätte Jerusalemer Straße - zur Realisierung der Neubebauung am Hausvogteiplatz und Ersatz der alten, sanierungsbedürftigen "Kita" durch einen Neubau
  4. Bürogebäude Niederwallstraße 1-5 - zur Wiedererrichtung eines den Hausvogteiplatz städtebaulich repräsentierenden Gebäudes
  5. Tattersall (Luisenstraße 22-24) und Wohnblock Luisenstraße - zur Realisierung des Bundestagsgebäudes Marie-Elisabeth-Lüders-Haus
  6. Autohaus Toyota am Schiffbauerdamm - zur Realisierung des Bundestagsgebäudes Marie-Elisabeth-Lüders-Haus und Anlegen einer Uferpromenade
  7. Autohaus Loose, Luisenstraße 20 - zur Durchführung des Straßenneubaus.

Beispiel Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der DDR

Am 6. Februar 1995 beschloss der Gemeinsame Ausschuss von Bund und Berlin den Rückbau des ehemaligen Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten der DDR aufgrund des zu hohen Instandsetzungsbedarfs. Die städtebauliche Zielsetzung lautete, die Abschottung der Innenstadt durch den 11-geschossigen Gebäuderiegel rückgängig zu machen. Der Rückbau begann Mitte des Jahres 1995 und konnte bereits Ende des Jahres im Wesentlichen abgeschlossen werden. Der Abtransport des Bauschutts erfolgte überwiegend über den Spreekanal. Die im Gebäude vorhandenen Aktenbestände wurden dem Bund zur Auswertung und Archivierung übergeben, das Mobiliar übernahmen soziale Einrichtungen. Die Rückbaumethode - das schrittweise Abtragen der Bausubstanz - ist aufgrund der bauhistorischen Bedeutung der benachbarten Friedrichswerderschen Kirche spezifiziert worden: Das Gebäude wurde schwingungsarm Etage für Etage bei konsequenter Trennung der Baustoffe zurückgebaut - einschließlich der Tiefgarage. Bis April 1996 erfolgten die Wiederverfüllung der Baugrube sowie die Freiflächengestaltung. In Zusammenarbeit mit dem Landesdenkmalamt sind dabei Fundamentreste der ehemaligen Bauakademie ausgegraben und dokumentiert worden.
1997 - Tattersall Luisenstraße
1997 - Tattersall Luisenstraße

1995 - Archäologische Grabungen an der ehemaligen Bauakademie; Foto: DSK / Arno Pluschke
1995 - Archäologische Grabungen an der ehemaligen Bauakademie
Foto: DSK / Arno Pluschke

1995 - Rückbau des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten der DDR
1995 - Rückbau des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten der DDR