Städtebau  

 

Archiv: Hauptstadt Berlin - Dokumentation der Arbeitsphasen

Vom Moabiter Werder zum Spreebogen


Karte - Vom Moabiter Werder zum Spreebogen

Am südlichen Ende der Paulstraße in Moabit steht das ehemalige Verwaltungsgebäude des Hamburg-Lehrter-Güterbahnhofs, ein denkmalgeschützter rot geklinkerter Bau aus den 1930er Jahren, der nach dem Krieg von einem Speditionsunternehmen genutzt wurde. Nach dem Umbau und einer zweigeschossigen Erweiterung des Gebäudes (Entwurf: M. Drews, Berlin) ist hier eine dreizügige Grundschule untergebracht. Zudem entstanden eine zweigeschossige Doppelsporthalle für den Schul- und öffentlichen Sport sowie eine Kindertagesstätte. Denn der Bedarf an etwa 100 Kita-Plätzen ergibt sich insbesondere aus dem Neubau von Wohnungen auf dem Moabiter Werder. Die Lage der Freifläche gewährleistet eine tageszeitlich lange Besonnung und bietet Schutz vor Verkehrslärm. Der Entwurf für Sporthalle und Kindertagesstätte stammt vom Büro GKK & Partner. Auch die Errichtung dieser sozialen Infrastrukturmaßnahmen gehört zu den Aufgaben der Entwicklungsmaßnahme.

Gegenüber liegt der Park am Schloss Bellevue, der aus den notwendigen ökologischen Ausgleichsmitteln für den Bau des Bundespräsidialamtes finanziert wurde. Das Schloss Bellevue auf der anderen Seite der Spree ist der Sitz des Bundespräsidenten. Der Verwaltungsneubau des Bundespräsidialamtes liegt südlich der restaurierten Schlossanlage zwischen alten Parkbäumen. Architekten des elliptischen, mit schwarzem Naturstein verkleideten Gebäudes sind Helmut Kleine-Kraneburg und Martin Gruber, Frankfurt am Main, Preisträger eines Realisierungswettbewerbes. Zu den besonderen Merkmalen des 1996 bis 1998 errichteten Baus gehört der glas überdachte Innenhof, der den äußeren vom inneren Baukörper, einem lang gestreckten Rechteck, trennt. Das Land Berlin hat über einen Bebauungsplan die Voraussetzung für den Neubau geschaffen.

Auf der Nordseite der Spree betreten wir die Uferpromenade und den Park auf dem Moabiter Werder. Auf dem Werder sind insgesamt etwa 5,2 Hektar Grünfläche neu angelegt worden. Das Gelände diente einst als Zollbahnhof und wurde bis in die 1980er Jahre als Lagerplatz benutzt. Hier sollte die Bundesgartenschau 1995 veranstaltet werden. Die Landschaftsarchitekten Kienast, Vogt und Partner, Zürich gewannen 1990/91 den Wettbewerb zur Gestaltung der Grünflächen. Bis zur Realisierung ihrer Ideen verging jedoch einige Zeit, da mehrere Anpassungen an neue Planungen für das Parlaments- und Regierungsviertel vorgenommen werden mussten, insbesondere für die Wohnbebauung des Bundes, die so genannte "Schlange" und die Atriumhäuser (Architekt: Georg Bumiller, Berlin). Die bis zu 15 Meter breite Uferpromenade mit ihren Heckenskulpturen, Baumreihen und Sitzbänken bildet das Rückgrat der Anlage. Es schließt sich ein weiter, mit einer Wiesenfläche offen gestalteter Park an, in den mehrere Themengärten eingestreut sind. Die Promenade vom Kanzlergarten bis zur Moltkebrücke, die Fortführung der Alleen vom Spreebogen auf den Moabiter Werder und die Grünflächen um den Zollpackhof wurden von den Landschaftsarchitekten Seebauer, Wefers und Partner, Berlin geplant. Die Grünanlagen wurden von 2000 bis 2004 fertig gestellt.

Von der Uferpromenade gehen wir hinauf zur Joachim-Karnatz-Allee. Zwischen der Umfassung des Kanzlerparks und den Atriumhäusern wurde eine kleine Birkenwiese mit eingeschnittenem Weg und einer langen Sitzbank angelegt. Über die Ingeborg-Drewitz-Allee erreichen wir die Elizabeth-Abegg-Straße, an der auf dem Gelände des ehemaligen Hauptzollamtes/Packhof die 2004 fertig gestellte Polizei- und Feuerwache für das Parlamentsviertel liegt. Das Architekturbüro Sauerbruch und Hutton, Berlin integriert den Altbaubestand, ein Fragment des Zollverwaltungsgebäudes, und ergänzt ihn mit einem klar gegliederten Erweiterungsbau. Der Altbau nimmt den Polizeiabschnitt auf, dessen Haupteingang über einen Fußgängersteg von der Straße Alt-Moabit aus erreicht wird. Der dreigeschossige Neubau enthält neben der Feuerwache mit Fahrzeug- und Gerätehalle einen weiteren Büroraum für die Polizei. Besonders reizvoll wirkt der Kontrast zwischen der reliefartigen Sandstein- und Backsteinfassade des Altbaus und der Glasfront des Neubaus mit seiner fließenden Farbgestaltung in Rot und Grün.

Unser Spaziergang führt über die Rahel-Hirsch-Straße zur Gustav-Heinemann-Brücke. Sie stellt für Fußgänger und Radfahrer die Verbindung zwischen dem Hauptbahnhof und dem Parlaments- und Regierungsviertel her. Der Entwurf der Brücke stammt von dem Architekten Max Dudler, Berlin. Die Konstruktion des Fußgängersteges überzeugt durch seine klare Linienführung und ordnet sich in das landschaftliche Gesamtbild des Spreebogenraums ein. Der mit Eichenbohlen belegte Weg setzt sich vom Tragwerk der Brücke ab und ist mit einem eigenen Geländer versehen. Die Materialwahl entspricht dem Übergang vom freien Landschaftsraum des Spreebogenparks zum südlichen Vorplatz des Hauptbahnhofes. Die Brücke wurde für 1,5 Mio. Euro im Juni 2005 fertig gestellt.

Im Norden befindet sich der Hauptbahnhof mit dem umgebenden Stadtquartier und dem Humboldthafen. Alle Straßen im Stadtquartier Lehrter Bahnhof, der Washington- und Europaplatz (Entwurf: Büro Kiefer und Martha Schwartz, Berlin/Cambridge), der westlich angrenzende Park auf dem ehemaligen Ausstellungsgelände (ULAP) (Entwurf: Till Rehwaldt, Dresden) sowie die Ufer und öffentlichen Flächen um den Humboldthafen werden über die Entwicklungsmaßnahme finanziert.

Die Gustav-Heinemann-Brücke bietet einen guten Blick auf die Hugo-Preuß-Brücke und den Landschaftsraum der Spree mit seinen Uferpromenaden. Die Hugo-Preuß-Brücke überquert die Einfahrt zum Humboldthafen und stellt in Nachfolge der im Krieg zerstörten Admiral-Scheer-Brücke die Verbindung der nördlichen Spreeuferstraßen wieder her. Die einfache Kastenbrückenkonstruktion stammt von O. M. Ungers, dem Gewinner des städtebaulichen Wettbewerbes zum Stadtquartier Lehrter Bahnhof. Die Besonderheit der Brückenkonstruktion besteht in ihrem bogenförmigen Grundriss, der dem Verlauf des Spreebogens folgt. Der elegante Brückenbogen überspannt 88 Meter bei einer Konstruktionshöhe von 6 Metern.

Die Spree wird im gesamten Parlaments- und Regierungsviertel durch neu geschaffene Uferpromenaden gesäumt. Sie sind Teil des Gesamtsystems der Spreeuferwege von Köpenick bis Charlottenburg. Die Erschließung des Flusslaufs durch Uferpromenaden war von Beginn an wesentlicher Bestandteil der städtebaulichen Konzeption für den Entwicklungsbereich. Die Gestaltung der Promenaden an Nordufer und Südufer folgt unterschiedlichen Leitbildern: Die nördlichen Promenaden sind städtisch geprägt. Sie orientieren sich mit ihrem Granitpflaster und den kalksteinverkleideten Deckwerken und Stützwänden am Erscheinungsbild der historischen Ladestraßen. Die südlichen Promenaden sind landschaftlich gestaltet, mit bekiesten Gehwegen, Rasenflächen und Baumgruppen. Die einzelnen Abschnitte der Promenaden sind durch die folgenden Landschaftsarchitekten geplant worden:

im Norden
  • auf dem Moabiter Werder: Kienast, Vogt und Partner, Zürich; Seebauer u. Wefers, Berlin
  • vor dem Hauptbahnhof, Kapelleufer und Schiffbauerdamm: Gruppe F, Berlin
im Süden
  • Bettina-von Arnim-Ufer (vor dem Bundeskanzleramt): Müller und Wehberg, Berlin
  • Ludwig-Erhardt-Ufer (vor dem Spreebogenpark): Weber und Saurer, Solothurn (Schweiz)
Neubau des Bundespräsidialamtes
Neubau des Bundespräsidialamtes

Neubau einer Kindertagesstätte; Foto: Bernd Lampe
Neubau einer Kindertagesstätte (Paulstraße) (1)

2007 - 'Bundesschlange' auf dem Moabiter Werder; Foto: Bernd Lampe
2007 - 'Bundesschlange' auf dem Moabiter Werder (1)

2005 - Park auf dem Moabiter Werder; Foto: Bernd Lampe
2005 - Park auf dem Moabiter Werder (1)

2007 - Polizei- und Feuerwache; Foto: Bernd Lampe
2007 - Polizei- und Feuerwache (1)

2007 - Gustav-Heinemann-Brücke
2007 - Gustav-Heinemann-Brücke

2006 - Hugo-Preuß-Brücke
2006 - Hugo-Preuß-Brücke

2007 - Nördliche Uferpromenade; Foto: Bernd Lampe
2007 - Nördliche Uferpromenade (1)

2007 - Südliche Uferpromenade: Bettina-von-Arnim-Ufer
2007 - Südliche Uferpromenade: Bettina-von-
Arnim-Ufer

(1) - Fotos: Bernd Lampe