Städtebau  

 

Archiv: Hauptstadt Berlin - Dokumentation der Arbeitsphasen

Ein Regierungsviertel wird erschlossen – Koordination und Steuerung


1998 - Straßenplanung Ebertstraße, Bereich Potsdamer Platz; Quelle: IBV Ingenieurbüro H. Vössing GmbH
1998 - Straßenplanung Ebertstraße, Bereich Potsdamer Platz; Quelle: IBV Ingenieurbüro H. Vössing GmbH

Der Anschluss aller Grundstücke im Parlaments- und Regierungsviertel an das städtische Verkehrs- und Versorgungsnetz zählt zu den wichtigsten und schwierigsten Aufgaben, die Berlin als neue Hauptstadt zu bewältigen hatte. In zahlreichen Koordinierungsrunden wurde mit den unterschiedlichen Leitungsverwaltungen für die technische Infrastruktur (Wasser, Strom, Fernwärme, Telekommunikation) und den für die verkehrliche Infrastruktur und den Straßenbau zuständigen Verwaltungen bis hin zu den Verkehrsbetrieben der Rahmen für die Planungen der gemeinsam durchzuführenden Entwicklungsmaßnahmen abgesteckt. Für die erfolgreiche Durchführung der Rahmen- und Leitungsbaumaßnahmen war das Ineinandergreifen der Maßnahmen mit ganz unterschiedlichen technischen Anforderungen und zeitlichen Dimensionen grundlegende Voraussetzung.

Der Auftrag

Wichtig für die verkehrliche Anbindung ist der sichtbare Teil der Erschließung: die Straßen. Eine mit der Umzugsentscheidung der Bundesregierung verknüpfte Voraussetzung wurde vom Bund schon frühzeitig benannt: "Die Standorte von Parlament und Regierung sowie der parlaments- und regierungsnahen Institutionen müssen… während der Dienstzeiten in kalkulierbarer Zeit im Straßenverkehr erreichbar sein." Die vorsichtige Formulierung täuscht. "In kalkulierbarer Zeit" bedeutete: so schnell wie möglich und ohne Komplikationen. Angestrebt wurde ein - so das Stichwort - "Parlament der kurzen Wege".

Zur Zeit der Unterzeichnung des Vertrages war das gesamte Areal im Umfeld des Reichstages wenig erschlossen. Ein Teil des Straßennetzes im Innenstadtbereich befand sich in einem desolaten Zustand. Auch ohne die "Zusatzaufgabe", zügig hauptstadtfähig zu werden, hatte die Stadt mit ihrer Wiedervereinigung verkehrstechnisch viel zu tun. Der Fall der Mauer hatte den Individualverkehr in der Innenstadt sprunghaft ansteigen lassen. Die Zeit der Grenzübergänge war vorüber. Straßenverbindungen zwischen Ost- und West-Berlin mussten geschaffen oder ausgebaut werden. Der Bund forderte die "Herstellung der Arbeitsfähigkeit von Parlament und Regierung". Sie war Bedingung für den Umzug. Das Verkehrskonzept für die Hauptstadt sollte den Ansprüchen von Stadt und Bund gleichermaßen genügen. Die Herausforderung bestand demnach darin, eine intelligente und integrative Lösung zu finden, die nicht auf Kosten der Bürgerinnen und Bürger Berlins ging.