Planen  

 

Archiv:
Bevölkerungsentwicklung in der Metropolregion Berlin 2002-2020 mit Schwerpunkt
Bevölkerungsprognose für Berlin

Metropolregion Berlin


Im nationalen und internationalen Maßstab konkurrieren heute nicht mehr einzelne Städte miteinander um qualifizierte Zuwanderer und zukunftssichere Arbeitsplätze, sondern städtische Agglomerationsräume, die sich aus einer oder mehreren dominierenden Kernstädten und einem suburbanen, teilweise verstädterten Umland zusammensetzen.
Der Begriff der "europäischen Metropolregionen" wurde 1995 eingeführt (1). Diese werden definiert als "räumliche und funktionale Standorte, deren herausragende Funktionen im internationalen Maßstab über die nationalen Grenzen hinweg ausstrahlen. Als Motoren der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Entwicklung sollen sie die Leistungs- und Konkurrenzfähigkeit Deutschlands und Europas erhalten und dazu beitragen, den europäischen Integrationsprozess zu beschleunigen." Mit dieser Definition ist die "Spielklasse" bestimmt, in der sich Berlin einem interregionalen Vergleich stellen sollte.
 
  Für Deutschland werden folgende europäische Metropolregionen benannt: Berlin/Brandenburg, Hamburg, München, Rhein-Main, Rhein-Ruhr, Stuttgart sowie die Stadtregion Halle/Leipzig - Sachsendreieck als "potenzielle Metropolregion europäischen Zuschnitts". (2)

Die Metropolregion Berlin (3)
(=Engerer Verflechtungsraum Brandenburg-Berlin in Grafik dunkel unterlegt) nimmt gegenüber den vorhandenen großen Verdichtungsräumen im Westen und Süden der Bundesrepublik in mehrfacher Hinsicht eine Sonderstellung ein:

  • Mehr als 80% der Gesamtbevölkerung leben in den Kernstädten Berlin und Potsdam. In den westdeutschen Metropolregionen mit ihren zumeist relativ kleineren Kernstädten und einer seit Kriegsende fortlaufend vollzogenen Suburbanisierung entfallen auf die Kernstädte nur noch zwischen 20 und 60% der Gesamtbevölkerung im Verdichtungsraum.
Diagramm Jährliche Bevölkerungsveränderung gegenüber dem Vorjahr

Von der bundesweiten Zuwanderungswelle der frühen 1990er Jahre profitierte die Region Berlin weit unterdurchschnittlich. Erst seit 1998 wächst der Berliner Raum kontinuierlich mit höheren Zuwachsraten als der Bundesdurchschnitt, allerdings nicht im gleichen Maße wie die prosperierenden Verdichtungsräume im Westen und Süden. (4)

  • Viele Veränderungen im Berliner Raum sind heute durch nachholende Entwicklungen gekennzeichnet. Das gilt gleichermaßen für die Siedlungsentwicklung, die funktionalen Stadt-Umland-Verflechtungen und die Bevölkerungsentwicklung.
Diagramm Wanderungen Berlin - Umland ab 1992

Berlin ist Motor und Drehscheibe der Entwicklungen in der Metropolregion.
Die weitaus meisten Zuzüge aus dem Ausland und dem übrigen Bundesgebiet in die Metropolregion haben Berlin zum Ziel. Gleichzeitig ist das Bevölkerungswachstum im Umland (5) zu über 90% durch die Zuwanderungen aus Berlin bestimmt. Die nebenstehenden Grafiken verdeutlichen die zunehmenden Wanderungsverflechtungen zwischen Stadt und Umland und den deutlichen Zusammenhang zwischen der Bevölkerungsentwicklung im Umland und der Zuwanderung aus Berlin.

Diagramm Bevölkerungsentwicklung im Berliner Umland

Um bei der Analyse und Prognose von Bevölkerungsentwicklungen zu realitätsnahen Ergebnissen zu gelangen, ist es geboten, insbesondere bei nationalen und internationalen Vergleichen, stets die Metropolregion als Ganzes im Blick zu behalten. Andererseits sind durch die vorhandenen Länder- und Gemeindegrenzen klare Zuständigkeiten vorgegeben. Diese beziehen sich sowohl auf die Erarbeitung der Bevölkerungsprognosen als auch auf die Bewältigung der planerischen Aufgaben, die sich aus den prognostizierten Entwicklungen ergeben.

Der vorliegende Bericht enthält daher zunächst einen Überblick über die bisherige und zukünftige Bevölkerungsentwicklung in der Metropolregion, wie sie sich aus der Zusammenschau der aktuellen Bevölkerungsprognosen für Brandenburg (6) und Berlin ergibt. Im zweiten Teil wird die Bevölkerungsprognose für Berlin vorgestellt. Die Betrachtung der demografischen Entwicklung in siedlungsstrukturellen Teilräumen der Metropolregion verweist u.a. auf Gemeinsamkeiten zwischen dem Umland und angrenzenden städtischen Bereichen in Berlin, die Anlass für eine Befassung im Rahmen der interkommunalen Stadt-Umland-Kooperation sein können.
1. Bundesministerium für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau (Hrsg.): Raumordnungspolitischer Handlungsrahmen.Beschluss der Ministerkonferenz für Raumordnung vom 8. März 1995
2. Raumordnungspolitischer Handlungsrahmen, a.a.O., S. 27/28
3. Metropolregion Berlin - gem. Landesplanungsvertrag
4. Zu Einzelheiten vgl.: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung (Hrsg.): Stadtentwicklung 2000, Berlin 2002, S. 24-29
5. Umland = Brandenburgischer Teil des "Engeren Verflechtungsraumes Brandenburg-Berlin" gem. Landesplanungsvertrag
6. Bevölkerungsprognose des Landes Brandenburg für den Zeitraum 2002-2020. Erarbeitet vom Landesbetrieb für Datenverarbeitung und Statistik, Dezernat Bevölkerung und vom Landesumweltamt Brandenburg, Referat Raumbeobachtung. Hrsg: Landesbetrieb für Datenverarbeitung und Statistik. Potsdam 2003.