Planen  

 

Bevölkerungsprognose für Berlin und die Bezirke 2015 - 2030

Flüchtlingsthematik


Erläuterung zur Flüchtlingsthematik in der Bevölkerungsprognose


Die zukünftige Einwohnerentwicklung wird sehr viel stärker als in den vergangenen Jahren durch die aktuell hochdynamischen Flüchtlingsbewegungen aus dem Nahen und Mittleren Osten, Afrika sowie der Abwanderung aus dem Balkan beeinflusst werden.

Die vorgelegte Prognose reflektiert die Flüchtlingsbewegungen der vergangenen Jahre nach bestem Wissen, um ein wissenschaftlichen Anforderungen entsprechendes Ergebnis vorzulegen. Die Bevölkerungsprognose ist jedoch keine Flüchtlingsprognose. Die Komplexität des Einflusses der Flüchtlingsbewegungen auf die zukünftige Einwohnerentwicklung spiegeln die zahlreichen Einflussfaktoren wider, z. B.
  • die vermuteten Flüchtlingsankunftszahlen für Berlin,
  • die (ggf. zeitlich verzögerte) Anmeldung von Flüchtlingen,
  • die Dauer von Anerkennungsverfahren sowie die Anerkennungs- und Abschiebequoten,
  • die demografische Struktur der Flüchtlinge (Alter, Geschlecht) sowie Fertilität und Sterblichkeit
  • der (zeitlich verzögert erfolgende) Familiennachzug von anerkannten Flüchtlingen,
  • die Wohnstandortwahl (und damit ggf. Zuzug nach Berlin) von Flüchtlingen in Deutschland nach Abschluss des Asylverfahrens,
  • das etwaige Rückwanderungsverhalten von anerkannten Flüchtlingen,
  • das faktische Verhalten von (anderen) Flüchtlingen angesichts behördlicher Entscheidungen sowie
  • politische Entscheidungen zum Umgang mit Flüchtlingen (z. B. Erklärung weiterer sicherer Herkunfts- und Drittstaaten).
Zu vielen dieser Punkte liegen keine empirischen Kenntnisse, schon gar nicht berlinspezifisch, vor. Um valide Prognosen erstellen und den zukünftigen Einwohnerbestand in den Prognoseräumen darstellen zu können, sind Angaben zur demografischen Struktur (Alter, Geschlecht) sowie zu Geburten- und Sterbeziffern und zum innerstädtischen Umzugsverhalten notwendig. Für die nach Berlin kommenden und aus Berlin wegziehenden Flüchtlinge bzw. Asylbewerber, insbesondere die, die im Jahr 2015 nach Berlin kommen, liegen diese notwendigen Daten nicht vor. Es ist daher nicht möglich, ihre Entwicklung zu prognostizieren.

Daher wurde ein Weg entwickelt, der
  • eine valide Prognose mit den bekannten Wanderungsbewegungen und der natürlichen Entwicklung abbildet und
  • eine absolute Flüchtlingszahl aufweist, die auf die Ergebnisse der Bevölkerungsprognose für die Jahre 2015 und 2016 pauschal addiert wurde.
Die Wanderungsannahmen für die Prognose basieren grundsätzlich auf den Entwicklungen der letzten Jahre. Die im Einwohnerregister vorliegenden Daten umfassen neben den gewöhnlichen Wanderungen mit dem Ausland somit auch bereits die Flüchtlinge, die in den vergangenen Jahren bis Ende 2014 nach Berlin gekommen und registriert sind. Daher werden diese bekannten und abgesicherten Daten aus dem Einwohnerregister als Grundlage der Prognose genutzt. Ausgangsbestand der Rechnung ist die hier ausgewiesene Einwohnerzahl per 31.12.2014.

Ausgehend von der zum Jahresanfang 2015 von der Bundesregierung erwarteten deutschland-weiten Asylbewerberzahl wurde zu der bis zum Redaktionsschluss der Grundlagenerarbeitung (Ende März 2015) bereits gesetzten Flüchtlingszahl zusätzlich ein weiterer Anteil von Flüchtlingen für das Jahr 2015 in die Prognoseannahmen einbezogen. Auf dieser Basis wurde ein Einwohnerzahl prognostiziert, die kleinräumig, das heißt auf Ebene der 60 Prognoseräume vorliegt.

Die Entwicklung der Flüchtlingszahlen nach Redaktionsschluss konnte nicht in die Prognoserechnung einfließen. Daher ist bei Betrachtung der Einwohnerzahlen für die Jahre 2015 und 2016 – angesichts der Entwicklungen seit dem Sommer 2015 mit der außerordentlich starken Zunahme der Asylsuchenden – die in diesen Jahren erwartete Flüchtlingszahl für Berlin zu den berechneten Ergebnissen der vorgelegten abgesicherten Bevölkerungsprognose zu addieren.

Die zusätzlich aufzuschlagende Zahl basiert auf der von der Bundesregierung angenommenen Entwicklung der einreisenden Flüchtlinge.

Unter der Schätzung, dass 50.000 Flüchtlingen in den Jahren 2015 und 2016 im Land Berlin aufgenommen werden, wird für die Gesamtstadt geschätzt, dass im Jahr 2015 +20.000 und im Jahr 2016 +25.000 Personen der mittleren Variante der Bevölkerungsprognose hinzu zu rechnen sind.

Diese Summierung ergibt eine angenommene Gesamteinwohnerzahl im Jahr 2015 von rund 3,629 Mio. Personen (Bevölkerungsprognose und geschätzte Flüchtlingszahl (Stand: 30. Sept. 2015), für das Jahr 2016 eine Zahl von rund 3,696 Mio. Personen. Die kleinräumige Darstellung dieser Zahlen ist auf Grund fehlender notwendiger Verteilungsparameter der Flüchtlinge in der Stadt nicht möglich.

Über das oben dargestellte Vorgehen hinaus, wurden von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt zwei Flüchtlingsszenarien erstellt, die einen Korridor möglicher Entwicklungen aufzeigen. Die Szenario-Betrachtung kommt zu dem Ergebnis, dass für den Zeitraum zwischen 2015 und 2020 zwischen 94.000 und 174.000 Flüchtlinge im Saldo zusätzlich zu den in der Bevölkerungsprognose ausgewiesenen Ergebnissen zu erwarten sein könnten. Eine Zusammenfassung der Flüchtlingsszenarien steht hier zum Download bereit.

Konsequenzen für Fachplanungen

Auf Prognoseraumebene ist zurzeit nicht bekannt, wie sich die demografische Struktur der Flüchtlinge zusammensetzt und wie sich die Personen im Zeitverlauf von den Flüchtlingsunterkünften auf die Stadt bzw. andere Regionen verteilen werden.

Daher ist für Infrastrukturplanungen auf Prognoseraumebene eine gesonderte Berücksichtigung und fachliche Bewertung hinsichtlich der zusätzlichen Anforderungen der den Prognoseergebnissen in Gesamtsumme aufgeschlagenen Flüchtlingszahlen unbedingt erforderlich. Dies betrifft in besonderem Maße die Prognoseräume, in denen Gemeinschaftsunterkünfte liegen.