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Bevölkerungsprognose für Berlin und die Bezirke 2015 - 2030

Flüchtlingsthematik


Erläuterung zur Flüchtlingsthematik in der Bevölkerungsprognose


Die zukünftige Einwohnerentwicklung wird sehr viel stärker als in den vergangenen Jahren durch die Flüchtlingsbewegungen aus dem Nahen und Mittleren Osten, Afrika sowie der Abwanderung aus dem Balkan beeinflusst werden.

Die im Februar 2016 vorgelegte Bevölkerungsprognose reflektiert die Flüchtlingsbewegungen der vergangenen Jahre nach bestem Wissen, um ein wissenschaftlichen Anforderungen entsprechendes Ergebnis vorzulegen. Die Bevölkerungsprognose ist jedoch keine Flüchtlingsprognose. Die Komplexität des Einflusses der Flüchtlingsbewegungen auf die zukünftige Einwohnerentwicklung spiegeln die zahlreichen Einflussfaktoren wider, z. B.
  • die vermuteten Flüchtlingsankunftszahlen für Berlin,
  • die (ggf. zeitlich verzögerte) Anmeldung von Flüchtlingen,
  • die Dauer von Anerkennungsverfahren sowie die Anerkennungs- und Abschiebequoten,
  • die demografische Struktur der Flüchtlinge (Alter, Geschlecht) sowie Fertilität und Sterblichkeit
  • der (zeitlich verzögert erfolgende) Familiennachzug von anerkannten Flüchtlingen,
  • die Wohnstandortwahl (und damit ggf. Zuzug nach Berlin) von Flüchtlingen in Deutschland nach Abschluss des Asylverfahrens,
  • das etwaige Rückwanderungsverhalten von anerkannten Flüchtlingen,
  • das faktische Verhalten von (anderen) Flüchtlingen angesichts behördlicher Entscheidungen sowie
  • politische Entscheidungen zum Umgang mit Flüchtlingen (z. B. Erklärung weiterer sicherer Herkunfts- und Drittstaaten).
Zu vielen dieser Punkte liegen keine empirischen Kenntnisse, schon gar nicht berlinspezifisch, vor.
Um valide Prognosen erstellen und den zukünftigen Einwohnerbestand in den Prognose-räumen darstellen zu können, sind Angaben zur demografischen Struktur (Alter, Geschlecht) sowie zu Geburten- und Sterbeziffern und zum innerstädtischen Umzugsverhalten notwendig. Für die nach Berlin kommenden und aus Berlin wegziehenden Flüchtlinge bzw. Asylbewerber, liegen diese notwendigen Daten nicht vor. Es ist daher nicht möglich, ihre Entwicklung zu prognostizieren. Die Wanderungsannahmen für die Prognose basieren grundsätzlich auf den Entwicklungen der letzten Jahre. Die im Einwohnerregister vorliegenden Daten umfassen neben den gewöhnlichen Wanderungen mit dem Ausland somit auch bereits die Flüchtlinge, die in den vergangenen Jahren bis Ende 2014 nach Berlin gekommen und registriert sind. Mit diesen bekannten und abgesicherten Daten wird die Prognose auf Basis des Einwohnerregisterbestandes vom 31.12.2014 durchgeführt.

Ausgehend von der zum Jahresanfang 2015 von der Bundesregierung erwarteten deutschlandweiten Asylbewerberzahl wurde zu der bis zum Redaktionsschluss der Grundlagenerarbeitung (Ende März 2015) bereits gesetzten Flüchtlingszahl zusätzlich ein weiterer Anteil von Flüchtlingen für das Jahr 2015 in die Prognoseannahmen einbezogen.Auf dieser Basis wurde ein Einwohnerzahl prognostiziert, die kleinräumig, das heißt auf Ebene der 60 Prognoseräume vorliegt.

Die mitunter sehr dynamische Entwicklung der Flüchtlingszahlen nach Redaktionsschluss konnte nicht in die Prognoserechnung einfließen. Daher ist bei Betrachtung der Einwohnerzahlen für die Jahre bis 2020 zu den berechneten Ergebnissen der vorgelegten abgesicherten Bevölkerungsprognose eine zusätzliche Anzahl Flüchtlinge zu addieren.

Zur Vermeidung von parallel genutzten Flüchtlingsschätzungen und zur verwaltungsweiten Vereinheitlichung Berliner Datengrundlagen ist zukünftig die Bedarfsprognose der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales zu verwenden. Es ist davon auszugehen, dass – aufgrund der Entwicklungen seit dem zweiten Halbjahr 2016 – der prognostizierte Bedarf bzw. der Bestand an Flüchtlingen deutlich unter den bisherigen Szenarien der SenStadtUm (jetzt SenStadtWohn) liegen wird. In der Bevölkerungsprognose 2015-2030 sind für den Zeitraum 2015-2030 bereits 40.800 Flüchtlinge (per Saldo) enthalten. Entsprechend der Bedarfsprognose der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales (SenIAS) wird voraussichtlich auch weiterhin ein Aufschlag zu den bisher in der Prognose enthaltenen 40.800 Personen notwendig sein, jedoch in geringerem Umfang als bisher, in einer Größenordnung von etwa 24.000 Personen

Demnach ist von Ende 2016 bis zum Jahr 2020 mit einem weiteren Wachstum von 106.000 Personen zu rechnen. Die Summe ergibt sich aus 82.000 Personen, die bisher in der Bevölkerungsprognose enthalten sind und 24.000 weitere Flüchtlinge bis 2020 laut SenIAS-Bedarfsprognose.

Die kleinräumige Darstellung dieser Zahlen ist auf Grund fehlender notwendiger Verteilungsparameter der Flüchtlinge in der Stadt nicht möglich

Für die Jahre 2017 und folgende wird auch weiterhin aufgrund veränderter politischer Rahmenbedingungen schrittweise ein abnehmender Saldo der Flüchtlingszahlen angenommen. Die der Bevölkerungsprognose zugrunde liegenden Annahmen zu den Auslandswanderungen tragen diesem Rechnung.

Konsequenzen für Fachplanungen

Auf Prognoseraumebene ist zzt. nicht bekannt, wie sich die demografische Struktur der Flüchtlinge zusammensetzt und wie sich die Personen im Zeitverlauf von den Flüchtlingsunterkünften auf die Stadt bzw. andere Regionen verteilen werden.

Daher ist für Infrastrukturplanungen auf Prognoseraumebene eine gesonderte Berücksichtigung und fachliche Bewertung hinsichtlich der zusätzlichen Anforderungen der den Prognose-ergebnissen in Gesamtsumme aufgeschlagenen Flüchtlingszahlen unbedingt erforderlich. Dies betrifft in besonderem Maße die Prognoseräume, in denen Gemeinschaftsunterkünfte liegen.