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Bevölkerungsprognose für Berlin und die Bezirke 2015 - 2030

Evaluation der Bevölkerungsprognose


Berlin hatte Ende 2016 einen Einwohnerbestand von rd. 3.671 Tsd. Personen. Im Jahr 2016 wuchs die Stadt um gut 61.000 Personen. Diese Größenordnung der Bestandsentwicklung ist maßgeblich durch die Nachregistrierung von Geflüchteten, die bereits in 2015 in Berlin eintrafen, beeinflusst.

Die Probleme bei der Erfassung und Registrierung der Flüchtlingsströme in 2015 hatte Auswirkungen auf die Aussagekräftigkeit der statistischen Daten für diesen Zeitraum. Auch auftretende Differenzen bei der Darstellung der Entwicklung in 2016 sind zum Teil dadurch erklärbar. Mit den Daten für das Jahr 2017 wird wieder eine belastbarere Grundlage für Analysen der Entwicklung gegeben sein.

Die Bevölkerungsprognose für Berlin und die Bezirke 2015 - 2030 (Senatsbeschluss 904/2016 vom 09.02.2016) weist für das Datum 31.12.2016 rd. 3.655 Tsd. Einwohner aus, das sind rd. 16 Tsd. Personen weniger als der Realbestand für 2016 aufzeigt. Insgesamt ist diese Differenz auch in Relation zu der starken Flüchtlingsbewegungen im Jahr 2015 und bezogen auf die Gesamteinwohnerzahl als relativ gering einzuschätzen.

Hinsichtlich der demografischen Struktur sind in allen Altersgruppen geringe Abweichungen mit jeweils weniger als 1,5 Prozent gegenüber den Prognose-Ergebnissen zu verzeichnen. Die geringen Unterschiede in den Altersgruppen zwischen 6 und unter 18 Jahren sowie 25 bis unter 45 Jahren betreffen mit 1,4 bzw. 0,8 Prozent die Kohorten, welche die Zuwanderung tragen bzw. die Flüchtlingsentwicklung kennzeichnen. Insgesamt sind die Abweichungen in der demografischen Struktur nicht gravierend.

Die Annahmensetzung ist der wichtigste Rahmen einer Bevölkerungsprognose. Daher ist die Betrachtung der Annahmen, die der Prognoserechnung 2015 - 2030 zu Grunde liegen, eine Basis für den Vergleich der Prognoseergebnisse für 2016 mit der real eingetroffenen Entwicklung und der Erläuterung von Differenzen zwischen Prognose und Realität.
Die Überprüfung der getroffenen Annahmen zeigt:
  • Die natürliche Entwicklung aus Geburten und Sterbefällen liegt im realen Saldo im Jahr 2016 mit ca. 2.000 Personen über der prognostizierten Entwicklung. Dahinter steht vor allem eine geringere Anzahl von Sterbefällen als erwartet. Für eine Erklärung dieses unerwarteten Rückganges der Sterbefälle in 2016 bedarf es einer konkreten Untersuchung.
    Die Differenz in der Geburtenzahl liegt bei ca. 1.000 Fällen für Gesamtberlin, die in der Prognose mehr ausgewiesen sind. Das korrespondiert mit der in 2016 real leicht gesunkenen Geburtenziffer in Berlin.
  • Die Wanderungen mit den alten bzw. neuen Bundesländern liegen in 2016 im Saldo um ca. 9.000 Personen höher als angenommen. Dies stellt eine veränderte Dynamik dar. Nach Vorliegen der vollständigen statistischen Daten ist zu prüfen, ob diese Änderung ein einmaliges Ereignis darstellt oder ein neuer Trend zu erwarten ist.
  • Die Wanderungen mit dem Umland, also die Suburbanisierung, sind weniger stark ausgefallen, als die vorangegangene Entwicklung erwarten ließ. Auch zu dieser Sachlage bedarf es vertiefter Analysen, um mögliche Ursachen zu erschließen.
  • Die Auslandswanderung ist insbesondere durch die Flüchtlingsentwicklung 2015 anders ausgefallen, als von den Fachleuten in Vorbereitung der Prognose eingeschätzt. Die bereits 2015 angekommenen Geflüchteten wurden in 2016 nachregistriert. Auch dieses bestimmt die wesentliche höhere Zahl der als Zuwanderung in 2016 erfassten Personen aus dem Ausland.
  • Die generellen Annahmen, die für die mittlere Variante getroffen wurden, sind größtenteils auch aus der Perspektive des Jahres 2017 zutreffend.
  • Die Flüchtlingszuwanderung war ein bestimmender Faktor für die reale Entwicklung in den Jahren 2015 und 2016. Für den Zeitraum 2015-2020 ist in der Bevölkerungsprognose ein Saldo von 40.800 Flüchtlingen enthalten. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Bevölkerungsprognose kamen Szenario-Betrachtungen zum Ergebnis, dass zwischen 94.000 und 174.000 Flüchtlinge in den Jahren 2015 bis 2020 in Berlin, zusätzlich zu den in der Bevölkerungsprognose 2015-2030 ausgewiesenen Zahlen, zu erwarten sein könnten. Aktuelle Entwicklungen in 2016 und 2017 lassen deutlich niedrige Zahlen erwarten.
Die bisherigen Szenarien der SenStadtWohn werden durch die Bedarfsprognose der SenIAS abgelöst. Es ist dann mit einem deutlich geringeren Aufschlag zu den bisher in der Bevölkerungsprognose enthaltenen 40.800 Personen zu rechnen. Zusätzlich ist aktuell von einem flüchtlingsbedingtem Wachstum in einer Größenordnung von etwa 24.000 Personen auszugehen.

Zusammenfassend ist herauszustellen, dass die Jahre 2015 und 2016 durch nicht vorhersehbare krisenbedingte Wanderungen und ihren statistischen Folgen gekennzeichnet waren. Insgesamt sind dadurch erst ab 2017 wieder Daten in der gewohnten und für eine Bevölkerungsprognose erforderlichen Qualität zu erwarten.

Die in 2016 von den Annahmen abweichende Entwicklungsrichtung der Wanderungen nach Herkunftsregionen kann in ihrem weiteren Verlauf derzeit nicht eingeschätzt werden. Es ist offen, ob es sich hierbei um singuläre Effekte, einen dauerhaft wirksamen Trendbruch oder schwankende Entwicklungsverläufe handelt.

Bei Überprüfung und Vergleich der Prognoseergebnisse und der Realentwicklung ist wichtig zu beachten, dass Prognosen mittel- und langfristige Trends darstellen sollen, um Orientierungen für zukünftige Planungen zu geben. Eine punktgenaue Übereinstimmung der Realität mit prognostizierten Ergebnissen kann daher nicht erwartet werden. Prognosen sind „Wenn-Dann-Aussagen“, je mehr die reale Entwicklung dem angenommenen Entwicklungstrend, der in der Prognose abgebildet wird, entspricht, umso näher sind die Prognoseergebnisse an der realen Entwicklung.

Insgesamt führt die Evaluation der Bevölkerungsprognose 2015 – 2030 zur Einschätzung, dass die mittlere Variante trotz der genannten Abweichungen der Realentwicklung von den Annahmen nach wie vor als Arbeits- und Planungsgrundlage für die Berliner Stadtentwicklung verwendet werden kann (unter Berücksichtigung von 24.000 weiteren Personen, abgeleitet aus der SenIAS-Bedarfsprognose). Demnach ist

  • von Ende 2016 bis zum Jahr 2020 mit einem weiteren Wachstum von 106.000 Personen zu rechnen.
    (Summe aus 82.000 Personen, die bisher in der Bevölkerungsprognose enthalten sind, plus 24.000 weitere Flüchtlinge bis 2020 laut SenIAS-Bedarfsprognose)
  • ausgehend davon von Ende 2020 bis zum Jahr 2030 mit einem weiteren Wachstum von 75.000 Personen zu rechnen.
in Summe von Ende 2016 bis zum Jahr 2030 von einem weiteren Wachstum von 181.000 Personen auszugehen (157.000 Personen aus Bevölkerungsprognose + 24.000 weitere Flüchtlinge bis 2020).