Pflanzenschutz  

 

Archiv: Kastanienminiermotte Cameraria ohridella

Untersuchte Bekämpfungsmöglichkeiten:
Physikalische Maßnahmen


Falllaubbeseitigung


Mechanische Pflanzenschutzmaßnahmen sind oft mit einfachen Mitteln realisierbar, obwohl sie zumeist einen erheblichen Arbeitsaufwand bedeuten. Der wesentliche Vorteil dieser Methoden liegt in ihrer Umweltverträglichkeit, außerdem sind sie auch für Laien leicht und gefahrlos anwendbar. Die Kastanienminiermotte überwintert als Puppe in der Mine und schlüpft im folgenden Frühjahr aus dem herbstlichen Falllaub. Mit dem Entfernen des infizierten Kastanienlaubes im Herbst kann an dem gereinigten Standort im nächsten Frühjahr eine deutliche Befallsminderung erreicht werden. Das gezielte Entfernen von befallenem Falllaub hatte in allen Jahren an unterschiedlichen Standorten eine nachhaltige Wirkung auf die Reduzierung der Populationsentwicklung der Kastanienminiermotte. Der Wirkungsgrad dieser Maßnahme betrug an einem ausgewählten Beispiel im Durchschnitt der Jahre 2003 bis 2006 in der 1. Generation 82 %, in der 2. Generation 37 %, in der 3. Generation lässt die Wirkung allerdings deutlich nach. Dass sich die Mottenpopulation im Jahresverlauf davon wieder erholt, schmälert in der Öffentlichkeit zwar den sichtbaren Erfolg der Laubentfernung, hat aber einen physiologischen Nutzen für den Baum: Raimondo et al. (2005) konnten nachweisen, dass sich eine Befallsminderung im Frühjahr besonders positiv auf die Vitalität der Kastanien auswirkt, da die Kastanien im 1. Halbjahr den größten Teil ihrer Assimilate einlagern. Der Stadt Berlin kommt durch die umfassende Laubsammelaktion eine europaweit einzigartige Vorreiterrolle zu.


Puppe in Mine
Puppe in Mine
Der Erfolg der Laubsammelaktionen wurde nicht nur durch die Populationsüberwachung in Berlin praktisch bewiesen, sondern hat auch für das bürgerschaftliche Engagement beim Umgang mit Grün in der Stadt eine erhebliche Bedeutung. In vielen Bereichen einer Großstadt kann das Laubsammeln allerdings nicht durchgeführt werden, weil das Laub und bereits heraus gefallene Mottenpuppen von Rasenflächen, aus Pflanzrabatten oder aus Unterpflanzungen von Bäumen nur bedingt entfernt werden können. Des Weiteren ist die Entsorgung des befallenen Laubes mit einem hohen Aufwand verbunden.

Vergleich geräumte / ungeräumte Flächen

Im Diagramm wird die Wirkung der Falllaubbeseitigung durch den Vergleich der Fangzahlen der Kastanienminiermotte einer vom Herbstlaub geräumten und ungeräumten Fläche in Berlin von 2003 bis 2007 dargestellt.

Eine Entfernung des Laubes ist aber nur wirksam, wenn die darin enthaltenen Puppen abgetötet werden. Eine Möglichkeit, den erforderlichen Erfolg sicherzustellen, sind die Großkompostierungsanlagen der Berliner Stadtreinigungsbetriebe, dort herrschen Temperaturbedingungen, die eine ausreichende Abtötung der Puppen gewährleisten (über 40°C). Alternativ dazu wurden im Rahmen des Projekts BerlinCam Versuche durchgeführt, bei denen verschiedene mechanische und thermische Laubbehandlungen für die Kompostierung im Haus- und Kleingartenbereich getestet wurden. Die Ergebnisse dieser Kompostierung zeigen, dass aufgrund mangelnder Selbsterhitzung des Laubes leider keine für die Abtötung der Puppen erforderlichen Temperaturen erreicht werden.
Laubaktion - Klick für Vergrößerung (71 K)
Laubaktion
Um das Kastanienlaub dennoch im eigenen Garten verwerten zu können, ist vor der Kompostierung eine Zerkleinerung (z.B. mittels Schredder, Rasenmäher) empfehlenswert, mit der eine Abtötung der Puppen von über 80% erreicht werden kann. Eine weitere Methode ist das Abdecken des Laubes mindestens bis zum Zeitpunkt des Schlupfes der Falter im Juni mittels einer (Mulch-)Folie oder einer dicken Erdschicht (ca. 10 cm, Kehrli & Bacher, 2004).

Mittlerweile ist bekannt, dass auch die meisten natürlichen Feinde der Kastanienminiermotte im Falllaub überwintern. Im Zuge der Laubentfernung werden daher nicht nur die Mottenpuppen, sondern auch die Überwinterungsstadien der Parasitoiden vernichtet. Zum momentanen Wissensstand scheint dies aber keinen negativen Einfluss auf die Parasitierung des Blattminierers zu haben, da die Parasitierung durch zugewanderte Parasitoide deutlich höher ist als durch die im Frühjahr aus dem Falllaub schlüpfenden Erzwespenarten (Grabenweger u.a. 2007).

Die Anwendung von entomopathogenen Nematoden- und Pilz-Arten sowie von Kompostbeschleunigern zur Erhöhung der Puppenmortalität im überwinternden Laub war nicht erfolgreich.
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Laubzerkleinerung