Pflanzenschutz  

 

Archiv: Kastanienminiermotte Cameraria ohridella

Herkunft und Ausbreitung in Europa


Herkunft

(nach Grabenweger & Grill, 2000)

Mitte der siebziger Jahre wurde die bis dahin noch unbeschriebene Miniermotte am Ohridsee in Mazedonien bei einem Massenauftreten entdeckt. Deschka & Dimić beschrieben die Art 1986 erstmalig als C. ohridella. Die tatsächliche Herkunft der Kastanienminiermotte ist aber noch nicht geklärt. Anfangs ging man davon aus, daß die Gegend rund um den Ohridsee auch die Heimat des Blattminierers ist, bis jetzt steht allerdings nur fest, dass die Ausbreitung von C. ohridella über Mitteleuropa von dort ihren Ausgang nahm. Es gibt jedoch einige Gründe, die der Vermutung widersprechen, dass Mazedonien auch die ursprüngliche Heimat des Kleinschmetterlings ist: Die Gattung Cameraria ist bis jetzt nur durch diese eine Art in Europa vertreten, die Verbreitungsschwerpunkte liegen vor allem in Asien und Amerika. Der Kleinschmetterling hätte in den vergangenen Jahrhunderten, in denen die Rosskastanie bereits in Mitteleuropa gepflanzt wurde, genügend Gelegenheiten zur Zuwanderung aus seiner angeblichen Heimat gehabt. Auch in den wenigen natürlichen Rosskastanienstandorten am Balkan tritt die Kastanienminiermotte in Massen auf, die Parasitierungsraten sind ähnlich niedrig wie in anderen europäischen Gebieten.

Mittlerweile gilt eine Herkunft von einem anderen Kontinent als ziemlich wahrscheinlich, ebenso wird vermutet, dass erst ein Wirtswechsel der Motte von einer anderen Pflanzenart auf die Rosskastanie die rasche Ausbreitung in neue Gebiete und die enormen Populationsdichten auf den Wirtspflanzen möglich gemacht hat.