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Artenlisten - Rote Listen der gefährdeten Pflanzen, Tiere und Pilze in Berlin

Gesamtregister der Pflanzen- und Tierarten in den Berliner Roten Listen


Illustration: Max Ley
Illustration: Max Ley

Das Gesamtregister enthält alle in den Roten Listen Berlins genannten Arten. Es werden dabei auch in den Roten Listen nicht eingestufte Arten berücksichtigt (z.B. die Ameisen, Plattwespen und Zikadenwespen in der Roten Liste der Bienen und Wespen).

Die Organismengruppen Moose, Gefäßpflanzen, Flechten, Wirbeltiere und Weichtiere wurden vollständig bearbeitet. Andere Großgruppen wurden nur teilweise bearbeitet oder fehlen ganz. Die Zahl der im Register aufgeführten Arten entspricht daher bei weitem nicht der Gesamtzahl aller in Berlin vorkommenden Arten. So sind in Berlin allein 17.000 Insektenarten zu erwarten (vgl. SAURE & KIELHORN 2005).

Die Rote Liste der holzbewohnenden Käfer definiert die betrachtete Organismengruppe über die ökologischen Ansprüche der Arten. Dadurch ergeben sich Überschneidungen des Artenspektrums mit einigen der übrigen, auf systematischen Einheiten beruhenden Listen. Eine Reihe von Arten der Kurzflügelkäfer, Rüsselkäfer und Laufkäfer erscheinen deshalb im Gesamtregister in zwei Roten Listen.

Die Rote Liste der Schmetterlinge aus dem Jahr 1991 (GERSTBERGER et al. 1991) und die Liste der Gefäßpflanzen von 2001 (PRASSE et al. 2001) wurden in das Register aufgenommen, um ein möglichst breites Spektrum der Berliner Arten zugänglich zu machen. Beide Listen wurden in der Form an die übrigen Listen angepasst.

Die Liste der Großschmetterlinge und Zünsler wurde nomenklatorisch auf den neusten Stand gebracht. Die Nomenklatur orientiert sich bei den gesetzlich geschützten Arten am Fachinformationssystem WISIA des Bundesamtes für Naturschutz, bei den übrigen Arten an der Berlin-Brandenburger Artenliste der Entomologischen Gesellschaft ORION. Wandernde Schmetterlingsarten mit gelegentlichem Auftreten in Berlin wurden nicht in das Register aufgenommen. Ebenso wurden Arten mit nicht belegten Fundnachweisen weggelassen, die in der aktuellen Berlin-Brandenburger Liste nicht mehr genannt werden. Die Angaben zum gesetzlichen Schutz wurden ergänzt.

Der Geltungsbereich der Liste der Schmetterlinge beschränkte sich auf das Gebiet von West-Berlin. Einige Arten aus dem Ostteil der Stadt wurden dennoch genannt. Sie werden im Register ohne Angabe einer Kategorie geführt. Aufgrund des Alters der Liste und des eingeschränkten Geltungsbereichs müssen die Einstufungen zurückhaltend bewertet werden. So liegen beispielsweise für die als verschollen geführten Arten Argynnis aglaja (L.), Boloria dia (L.), Cucullia absinthii (L.), Rhyparia purpurata (L.) und Simyra nervosa (DENIS & SCHIFFERMÜLLER) aktuelle Nachweise aus dem Ostteil Berlins vor, der Weißling Colias hyale (L.) kann als etabliert gelten (P. Weisbach in litt.).

Als zusätzliche Art wurde der Weißling Leptidea reali REISSINGER in das Register aufgenommen. Diese dem Senfweißling L. sinapis (L.) nahestehende Art wurde früher verkannt, kommt aber seit den siebziger Jahren in Berlin mit zunehmender Häufigkeit vor (vgl. Webseite des ORION unter "Der Senfweißling und sein Nachfolger").

Der gesetzliche Schutzstatus basiert bei den Gefäßpflanzen auf den aktuellen Quellen und weicht daher in einigen Fällen von PRASSE et al. (2001) ab. Auch bei Gefäßpflanzenarten, die als nicht etabliert gelten (Etablierungsgrad E4 und E5), wird auf den gesetzlichen Schutz verwiesen. Das Bundesnaturschutzgesetz definiert eine wild lebende Tier- oder Pflanzenart unter anderem dann als "heimisch", "wenn sich verwilderte oder durch menschlichen Einfluss eingebürgerte Tiere oder Pflanzen der betreffenden Art im Inland in freier Natur und ohne menschliche Hilfe über mehrere Generationen als Population erhalten". Nach Auskunft des Bundesamtes für Naturschutz (BfN in litt.) bedeutet dies, eine Pflanzenart muss sich mindestens dreimal reproduziert haben. Diese Auffassung stimmt aber nicht mit den deutlich strengeren Berliner Etablierungskriterien für Pflanzenarten überein (PRASSE et al. 2001). Es muss in einzelnen Fällen geprüft werden, ob die Kriterien für den gesetzlichen Schutz tatsächlich erfüllt sind.

Die Angabe der bundesweiten Gefährdung (Spalte "DE") innerhalb der Gattung Taraxacum (Löwenzahn) bezieht sich auf Aggregate, zu denen die aufgelisteten Arten gehören. Der bundesweite Gefährdungsgrad wird deshalb in diesen Fällen in Klammern gestellt. Bei Arten mit mangelhafter Datenlage wird in der Liste der Gefäßpflanzen als Symbol ein "?" verwendet. Im Gesamtregister wurde es durch das "D" ersetzt.

von Karl-Hinrich Kielhorn & Christoph Saure

 
Der Begriff "Art" umfasst hier auch infraspezifische Taxa (Unterarten, Sippen u.a.), die in einigen Bearbeitungen separat aufgeführt und bewertet werden.