Tauben am Hermann-Ehlers-Platz
Informationen zu den "Problemarten":
Beim engen Zusammenleben von Mensch und Tier in der Großstadt bleibt es nicht aus, dass wir mit einigen Tieren so unsere Probleme haben. In den meisten Fällen ist es hierbei jedoch so, dass diese Probleme ein subjektives Empfinden widerspiegeln, und nicht die Tiere an sich ein Problem sind. So empfindet der eine einen nicht scheuen Fuchs als Bedrohung, der andere als Bereicherung. Vogelstimmen können als Lärm oder als schön empfunden werden. Hornissen können interessant oder auch gefährlich wirken – es kommt meistens auf das Auge des Betrachters an.
Straßentaube
Eine der Arten, die objektive Schäden verursachen, ist die
Straßentaube. Hierbei geht es vor allem um Verschmutzung. Daneben treten vereinzelt Taubenzecken auf. Der Berliner Straßentaubenbestand wird von den Ornithologen auf 14.000 bis 40.000 Brutpaaren geschätzt, was vielleicht über 100.000 Individuen (mit etlichen Nichtbrütern) entspricht. Die Population ist einzig durch Brutplätze und Nahrung begrenzt, rund 90 % der Jungtiere sterben im 1. Lebensjahr. Hier zeigt sich, wie im Lehrbuch der Effekt der kompensatorischen Mortalität: obwohl Habicht und Wanderfalke pro Jahr über 30.000 Straßentauben erbeuten und fressen, wirkt sich dies nicht sonderlich auf die Taubenpopulation aus. Daher ist klar, dass lokale Bekämpfungen mit Gift oder die Anwendung der "Taubenpille" nichts bringen – aufgrund ihrer möglichen Schädlichkeit für andere Tierarten sind diese Methoden auch nicht mit dem Artenschutzrecht vereinbar. Nur eine Verringerung der Nahrungsgrundlage würde vermutlich die Populationsgröße absenken können. Vor Ort bleibt damit lediglich, bestimmte Objekte durch passive Abwehrmaßnahmen zu sichern. Bewährt haben sich hierbei vor allem Gitter und über Simsen angebrachte schräge Bleche, während Drähte und Spikes in einigen Fällen nur eine eingeschränkte Wirksamkeit haben. Bei letzteren ist darauf zu achten, dass keine geschützten Arten von ihren Quartieren ferngehalten werden (z.B. Mauersegler, Turmfalke), oder durch Überspannung von Höfen Fledermäuse quasi "gefangen" werden. Diese können bei horizontal gespannten
Taubennetzen zwar von oben in den Hof gelangen, aber nicht von unten aus ihm heraus. Netze gegen Straßentauben dürfen daher aus Gründen des Fledermausschutzes nur vertikal oder bis maximal 45° geneigt angebracht werden.
Buntspecht
Die zweite Schäden an Bauwerken verursachende Vogelart ist der
Buntspecht. Diese Vögel legen mitunter eine erstaunliche Bautätigkeit an Bauwerken an den Tag, wo sie vor allem Löcher in wärmeisolierten Wänden (Styropor, Mineralwolle usw.) unter Rauputz schlagen. Zum Teil gibt es hier sogar andere Vögel als "Nachnutzer" (Feldsperling, Star). Auffällig ist, dass solche Schäden oft an bestimmten Gebäudestellen auftreten, z.B. Putzbereiche mit Vorschädigung durch Gerüst, Hauskanten oder stark besonnte Flächen. Oft hören die Verursacher von selbst wieder auf, da die Spechte erkannt haben, dass die vermeintlichen Hohlräume keine Insektenlarven beinhalten. Das Grundproblem ist aber eine nicht spechtsichere Bauweise. Abhilfe könnte glatter Putz schaffen, an dem sich die Spechte nicht ausreichend festkrallen können. Oder aber der Putz müsste durchschlagsicher sein. Hilfsmittel für betroffene Hausbesitzer sind Stolperdrähte oder Flatterbänder an den jeweiligen Gebäudeteilen.
Elster und Nebelkrähe
Viele Berliner beklagen sich über die in der Stadt häufiger gewordenen Rabenvögel
Elster und
Nebelkrähe. Diese fressen Jungvögel und Eier (z.B. von der Amsel im Balkonkasten) und haben darüber hinaus "hässliche" Rufe. Und in der Tat haben wir es hier mit zwei Anpassungskünstlern zu tun, die vom ganzjährig guten Nahrungsangebot profitieren - unsere "Abfallgesellschaft" hat ihnen eine Bestandszunahme in der Stadt ermöglicht. Dem gegenüber stehen z.T. drastische Abnahme in der Agrarlandschaft, wo die Elster mittlerweile weitgehend fehlt. Ornithologen haben viele Untersuchungen durchgeführt, inwieweit andere Vogelarten durch die örtliche Zunahme der Rabenvögel gefährdet sein könnten. Ergebnis: kein Nachweis irgendwelcher Auswirkungen auf die Population der potenziellen Beutearten. Gerade in Berlin gehören Amsel und Grünfink nach wie vor zu den häufigsten und am weitest verbreitetsten Brutvogelarten, Tendenz steigend. Es ist somit ein völlig subjektives Problem, wenn das Amselnest vom Balkonkasten ausgeräubert wird. Die Amsel muss dann lernen, das Nest besser versteckt zu bauen, ein Nachgelege ist für sie unproblematisch.
Als Sonderfall bei
Nebelkrähen müssen noch vereinzelte
Attacken auf Menschen angesprochen werden. Dies tritt im Land Berlin vielleicht in 1 bis 3 Fällen jährlich auf. Zum einen sind es einzelne
Krähenbrutpaare, die ihr Nest mit den dann schon meist größeren Jungvögeln gegen Fußgänger verteidigen und dabei Schein- oder echte Angriffe fliegen. Dieses ist räumlich auf den Horstbereich begrenzt und endet mit dem Ausfliegen der Jungvögel, aller Erfahrung nach spätestens nach rund 2 Wochen. Notfalls kann von der Behörde ein Flatterband gespannt oder ein Warnhinweis gegeben werden, denn Schnabelhiebe auf den Kopf können sehr unangenehm sein.
Daneben gibt es auffälligerweise
Einzelvögel, die dann auch nur bestimmte Personen anfliegen, und das unabhängig von der Brutzeit. Hier können wir nur vermuten, dass es sich um von Hand aufgezogene und leicht fehlgeprägte Vögel handelt. Diese fliegen dann Menschen an, die sie an die frühere Pflegeperson erinnern, weil sie von ihnen etwas zu Essen erwarten. Von dem betroffenen Menschen wird dies natürlich als Angriff gewertet.
Hier zeigt sich wie wichtig es ist, beim etwaigen Aufziehen von Jungtieren Fehlprägungen zu vermeiden (
Hilflose Wildtiere)!
Lärm durch Vogel- oder Amphibienstimmen (vor allem Nebelkrähe, Elster, Nachtigall, Amsel, Teich- und Seefrosch) wird bisweilen als Belästigung empfunden. Es handelt sich aber um ganz natürliche Lautäußerungen der Tiere, die zudem nur zeitlich befristet zu hören sind. Sie sind hinzunehmen, und es gibt gerade in einer Stadt mit über 1,4 Mio. Kraftfahrzeugen wesentlich stärkere Lärmemittenten als Vögel oder Frösche ...
Hornisse (Vespa crabro)
Foto: Klemens Steiof
Hornisse
Sehr panisch reagieren manche Menschen auf
Hornissen. Die Hornisse ist unsere größte Wespenart und naturschutzrechtlich geschützt, man darf also ihre Baue nicht beseitigen. Dabei überwiegt bei den Menschen die Angst vor Stichen, tatsächliche Probleme kann es auch mit herabtropfendem Kot von Hornissennestern geben, wenn diese z.B. in Jalousiekästen gebaut wurden. Sehr auffällig ist, dass die meisten Menschen gut mit Hornissen leben können, wenn sie etwas über die Lebensweise dieser Insekten erfahren. So werden Nester niemals ein zweites Mal genutzt: Mit dem Sterben der Arbeiterinnen und dem Auszug der Königin im Herbst ist an dieser Stelle die Ansiedlung beendet. Hornissen sind nur direkt an ihrem Bau aggressiv. Wenn man sich ganz langsam nähert kann man aber auch dort bis auf wenige Dezimeter herangehen. Hektische Bewegungen können aber einen Angriff provozieren. Ansonsten sind sie sehr gutmütig. Hornissen gehen nie an Lebensmittel wie Wurst, Saft, Honig oder dergleichen. Außer Pflanzensäfte (z.B. an Verwundungen bestimmter Baumarten) nehmen sie nur frisch erbeutete Kleintiere zu sich. Und hieraus folgern zwei wichtige Fakten: Erstens ist die Wahrscheinlichkeit von einer Hornisse gestochen zu werden extrem gering, viel geringer z.B. als von einer normalen Wespe. Denn diese sucht ja direkt unsere Nähe auf (Lebensmittel) und kann auch leicht unbemerkt in die Kleidung gelangen – so werden viele Stiche verursacht. Hornissen jagen Wespen, so hat jemand mit Hornissen im Garten wesentlich weniger oder gar keine Wespen in der Saison. Dies ist für Allergiker ein wichtiger Grund, sich über die Anwesenheit von Hornissen zu freuen! Unangenehm – aufgrund des lauten Fluggeräusches und der respektablen Körpergröße – können Hornissen in der Wohnung sein. Da sie auch nachts nach Insekten jagen und gerne auch Lampen aufsuchen, geraten sie leicht durch geöffnete Fenster in die Wohnung. Hier hilft aber ein handelsübliches Mückengitter.
In den ganz wenigen Fällen, wo Hornissen zu Schäden am Bauwerk führen können, oder wo ihr Bau in unmittelbarer Nähe zu spielenden Kindern liegt, kommt auch eine Umsiedlung in Frage. Hierzu hat die Senatsverwaltung einen
Hymenopterendienst eingerichtet.
Bei den anderen Wespenarten, die nicht naturschutzrechtlich geschützt sind, kann notfalls der Schädlingsbekämpfer gerufen werden.
Biber
Foto: Dietmar Nill / linnea images
Nagebaum des Bibers
Foto: Derk Ehlert
Biber (Castor fiber)
Der Biber gehört nicht nur zu den "seltenen" und streng geschützten Wildtieren Berlins, sondern auch zu denen, deren Anwesenheit von vielen Menschen bemerkt wird, denn Biber fällen Gehölze und erzeugen dabei typische Nage- und Fraßspuren. Insbesondere im Winterhalbjahr, wenn sonstige Pflanzennahrung spärlich ist, werden Ufergebüsche und Bäume gefällt. Dies tut der Biber vor allem, um an die energiehaltigen Zweige und Knospen zu gelangen. Besonders gut munden ihm Weiden und Zitterpappeln, doch werden notfalls auch andere Gehölze genommen. Hin und wieder werden auch Nadelbäume gefällt. Insgesamt nutzt der Biber über 45 Gehölzarten, dazu gehören auch Ziersträucher und Obstbäume.
Entsprechend der Besiedlungsgeschichte Berlins durch den Biber sind solche Fraßbilder im Bereich von Oberhavel und Tegeler See schon länger bekannt, aber in den letzten Jahren häufen sie sich auch im Köpenicker Raum und an der Unterhavel.
Auch in die Innenstadt schwimmen Biber zunehmend über die Spree ein und können hier sogar in Parkanlagen auftreten, wie dem Schlosspark Charlottenburg oder dem Volkspark Jungfernheide.
Siedelt sich der Biber richtig an, errichtet er einen Bau mit Zugangsmöglichkeit unter Wasser, der bei Flachufern nach oben mit Astwerk und Erdreich abgedichtet wird. Im Jahr 2010 waren in Berlin rund 20 genutzte Baue bekannt, doch ist mit einer weiteren Zunahme insbesondere im Südosten und Südwesten Berlins zu rechnen. Insbesondere in der Nähe der Baue ist naturgemäß mit einem stärkeren Fraßdruck durch den Biber zu rechnen, da dort bis zu 5 Tiere leben können.
Während die Grabtätigkeit in Berlin in der Regel kein Problem darstellt, können Fraßschäden an Gehölzen durchaus ein Ärgernis werden, zumal die Tiere nachts auch bis zu über 50 m vom Ufer entfernt Nahrung suchen können. Doch gibt es einfache
Hilfsmaßnahmen: Zu schützende Gehölze können mit einem Drahtgeflecht ("Kaninchendraht") bis in ca. 1 m Höhe ummantelt werden. Diese Geflechtmanschetten werden oben und unten mit einem einfachen Draht umschlungen, so dass sie nicht vom Baum abfallen, diesen aber auch nicht verletzen. Alternativ gibt es eine Paste, die auf die Rinde aufgebracht wird und die Tiere für mindestens 2 Jahre vom Nagen abhält. Diese kann man im Internet unter dem Stichwort "Biber Schälschutz" finden und ggf. bestellen.
Hilfreich ist ferner, dem Biber Alternativnahrung anzubieten. Das kann Gehölzschnitt sein, besser aber noch angepflanzte Weidenstecklinge, die auch nach dem Verbeißen wieder austreiben.
Kontakt
Klemens Steiof
Tel.: 030 9025-1036
Fax: 030 9025-1057
E-Mail:
klemens.steiof@senstadtum.berlin.de
Johannes Schwarz
Tel.: 030 9025-1637
Fax: 030 9025-1057
E-Mail:
johannes.schwarz@senstadtum.berlin.de
Derk Ehlert
Tel.: 030 9025-1347
Fax: 030 9025-1057
E-Mail:
derk.ehlert@senstadtum.berlin.de