Natur + Grün  

 

Artenschutz

Artenschutz an Gebäuden


Haussperlings-Männchen (Passer domesticus) mit Nistmaterial, Foto: Johannes Schwarz
Haussperlings-Männchen (Passer domesticus) mit Nistmaterial
Foto: Johannes Schwarz

Naturschutz in und an Gebäuden gehört bislang bei der Stadtsanierung und bei Neubauprojekten eher zu den Randthemen. In der allgemein üblichen Praxis der Gebäudesanierung werden verwitterte oder fehlende Mauersteine ersetzt und offene Fugen vollständig verstrichen. Ziel ist eine makellose Fassade. Im Dachbereich werden Spalten geschlossen, die Dachböden zu Wohnungen ausgebaut. Bei Neubauten prägen unstrukturierte Fassaden aus Metall und Glas das Bild.

Dass es Fledermaus- und Vogelarten gibt, die sich als Kulturfolger dem Menschen angeschlossen haben und Gebäude besiedeln, wird meist vergessen oder ignoriert. So verlieren immer mehr unserer Untermieter aus dem Tierreich ihre Quartiere. Selbst der stellenweise noch häufige Spatz gerät nach und nach in akute Wohnungsnot. Dabei hat der Gesetzgeber auch ihn und seine Niststätten unter strikten Schutz gestellt - eine Tatsache, die noch nicht überall geläufig ist.

Zu den speziell an Gebäuden lebenden Arten gehören folgende:

Arten Nähere Informationen unter:
Vögel  
Turmfalke (Falco tinnunculus)
Mauersegler (Apus apus)
Hausrotschwanz (Phoenicurus ochruros)
Haussperling (Passer domesticus)
Mehlschwalbe (Delichon urbica)
Rauchschwalbe (Hirundo rustica)
Schleiereule (Tyto alba)
sowie gelegentlich:  
Bachstelze (Motacilla alba)
Grauschnäpper (Muscicapa striata)
Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus)
Star (Sturnus vulgaris)
Kohlmeise (Parus major)
Fledermäuse
Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus)
Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus)

Als so genannte Kulturfolger haben sich diese Tierarten die Stadt als Lebensraum erobert. Städtische Gebäude sind für sie nichts anderes als eine "Felslandschaft" mit Spalten, Simsen, Ritzen und Höhlungen. Die dazwischen liegenden Grün- und Parkanlagen, Stadtbrachen, Bahndämme und Böschungen sowie der Stadtrand mit den wenigen Ackerflächen sind als Nahrungseinzugsgebiet für die genannten Arten von außerordentlicher Bedeutung.

Umfangreiche Sanierungsmaßnahmen an älteren oder beschädigten Gebäuden in Verbindung mit den heute üblichen Bautechniken und Wärmeschutzmaßnahmen, dem Ausbau von Dachböden zu hochwertigem Wohnraum u.a. führen dazu, dass an den meisten Gebäuden geeignete Unterschlupfmöglichkeiten für die Tiere beseitigt werden. Vielfach war deren Anwesenheit den Besitzern/Mietern über Jahrzehnte überhaupt nicht aufgefallen, insbesondere gilt dies für die Besiedlung mit Fledermäusen. Bei Baumaßnahmen sind deshalb besondere artenschutzrechtliche Vorschriften zu berücksichtigen.

Nistkästen für Gebäudebrüter, Foto: Monika Struckow-Hamel
Nistkästen für Gebäudebrüter
Foto: Monika Struckow-Hamel
  Blaumeise (Parus caeruleus), Foto: Ina Dorendorf
Blaumeise (Parus caeruleus)
Foto: Ina Dorendorf

Appell an Planer und Bauherren

An jeder Art Gebäude, ob Neubau, Altbau, Großsiedlung oder Umbau kann mit geringen Mitteln der Artenschutz für die auf unsere Duldung angewiesenen Vogel- und Fledermausarten gefördert werden.

In der Schlüsselrolle für die Konzeption und den Gebäudeentwurf steht der Planer. Er kann frühzeitig Überlegungen und Belange des Artenschutzes mit einbeziehen. Dies gilt für den Neubau ebenso wie für kleine oder auch große Sanierungsaufgaben. Bereits in der frühen Entwurfsphase des Neubaus oder der Sanierung sollten Artenhilfsmaßnahmen in dem Gebäudekonzept berücksichtigt werden.

Bei alter Bausubstanz ist zu prüfen, ob in der Vergangenheit genutzte Quartiere geschützter Tierarten erhalten werden können. Es empfiehlt sich, möglichst frühzeitig mit der unteren Naturschutzbehörde des Bezirks oder mit ehrenamtlich arbeitenden Naturschutzorganisationen Kontakt aufzunehmen, um das Gebäude auf bereits vorhandene Niststätten untersuchen zu lassen bzw. zu klären, welche Nisthilfen unter den örtlichen Gegebenheiten sinnvoll sind.

In der Konzeption sollte ausdrücklich auf die Integration von Artenhilfsmaßnahmen für Gebäudebrüter hingewiesen werden. Neben der Verwendung umweltfreundlicher Baumaterialien und alternativer Energie- und Wasserversorgung gewinnen zusätzliche Naturschutzmaßnahmen bei breiten Bevölkerungsschichten immer mehr an Akzeptanz und haben Beispielwirkung. Die zukünftigen Nutzer des Gebäudes haben sicher Freude an Vogelgesang, Flugmanövern der Mauersegler und abendlichen Rundflügen der Fledermäuse im Hof.

Die entscheidende Rolle für die Durchsetzung von Artenschutzprojekten bei einem Bau- oder Sanierungsvorhaben spielt der Bauherr. Als Geldgeber und Eigentümer oder späterer Vermarkter kann er bei positiver Einstellung gegenüber unserer belebten Mitwelt den Artenschutz stark fördern.

Grüner Pelz für's Haus
Grundsätzlich geht es um die Bereitschaft, bei allen an Planung und Bau Beteiligten, einen Beitrag für den Natur- und Artenschutz zu leisten und hierbei kreativ mitzudenken. Der Schutz in der Stadt lebender Wildtierarten sollte sich allerdings nicht darauf beschränken, Nistkästen anzubringen. Erfolg versprechend sind diese Nisthilfen bei einigen Arten nur, wenn der räumliche Zusammenhang von Brut- und Nahrungsbiotop gegeben ist. Daher sollten mit derartigen Maßnahmen auch Fassaden- und/oder Dachbegrünung sowie die Entsiegelung und Begrünung der Höfe einhergehen.
 

Kontakt


Johannes Schwarz
Tel.: 030 9025-1637
Fax: 030 9025-1057
E-Mail: johannes.schwarz@senstadtum.berlin.de

Mario Hildebrandt
Tel.: 030 9025-1043
Fax: 030 9025-1057
E-Mail: mario.hildebrandt@senstadtum.berlin.de