Berliner Wald erhält internationales Gütesiegel
Im Beisein der Staatssekretärin für Verkehr und Umwelt, Maria Krautzberger, wird der Berliner Wald am Sonntag, den 16. Juni 2002 mit einem internationalen Gütesiegel ausgezeichnet.
Das Zertifikat wird durch den weltweit operierenden unabhängigen Forest Stewardship Council (FSC) überprüft; vergeben wird das FSC Zertifikat vom beim FSC akkreditierten Institut für Marktökologie. Gleichzeitig zertifiziert auch der Naturlandverband den Berliner Wald.
Beide Auszeichnungen bestätigen für den etwa 29.000 Hektar großen Berliner Wald eine Pflege und Bewirtschaftung auf höchstem Niveau. Ökologische Stabilität und Wertigkeit werden erhalten, unverzichtbare soziale Funktionen des Waldes gesichert und dabei der wertvolle nachwachsende Rohstoff Holz produziert.
Staatssekretärin Krautzberger: "In Berlin ist der Umgang mit den städtischen Wäldern, die sich auf nahezu 20 % der Stadtfläche erstrecken, von besonderer Bedeutung für die Entwicklung der Stadt. Die Attraktivität Berlins für die Berlinerinnen und Berliner aber auch für den Tourismus hängt wesentlich von der Sicherung dieser Grünräume ab.
10 Jahre nach dem UN-Erdgipfel von 1992 in Rio de Janeiro wird heute von unabhängiger Seite der nachhaltige Umgang mit dem Berliner Wald zur langfristigen Sicherung all seiner Funktionen bestätigt. Die freiwillige Bindung an die klaren ökologischen, ökonomische und sozialen Kriterien des Naturland-/FSC-Zertifikates stellt einen wichtigen Beitrag zur Zukunftsvorsorge unserer Stadt dar."
Durch die Zertifizierung unterstreicht Berlin die lebenswichtige Bedeutung seines Waldes für die Stadt als Erholungsgebiet, Trinkwasserspeicher, Frischluftproduzent und Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Die bereits seit mehreren Jahrzehnten praktizierte naturgemäße Waldbewirtschaftung ist Grundlage dieser internationale Anerkennung.
Seit Beginn des Zertifizierungsverfahrens im Oktober 2001 waren externe Gutachter in den Berliner Wäldern unterwegs, um die hiesige Waldpflege in Theorie und Praxis zu überprüfen. Das Ergebnis der Begutachtung ist die Erteilung der Gütezeichen von FSC und Naturland. Bis heute sind nach den Richtlinien des FSC in 40 Ländern mehr als 21 Millionen Hektar Wald zertifiziert worden, in Deutschland etwa 260.000 Hektar. Einige deutsche Städte haben sich entschieden, neben der Anerkennung der anspruchsvollen FSC - Richtlinien auch die ergänzenden Anforderungen des Naturland - Zertifikats zu akzeptieren. So sind derzeit mehr als 26.000 Hektar Wald in Deutschland nach den Naturlandkriterien zertifiziert.
Der Naturland-Verband hat 1996 gemeinsam mit großen Naturschutzorganisationen wie Greenpeace, dem BUND und Robin Wood seine Richtlinien für eine ökologische Waldnutzung entwickelt.
Das Land Berlin verpflichtet sich durch die freiwillige Zertifizierung zur Einhaltung dieser Richtlinien. Das bedeutet im Einzelnen:
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Kahlschläge sind bei der Waldnutzung unzulässig. |
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Pestizid-Einsatz ist verboten. |
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Ziel ist die kontinuierliche Annäherung der Wälder an die potentielle natürliche Lebensgemeinschaft. Gepflanzt oder gesät werden dürfen daher nur standortheimische Baumarten. |
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Die natürliche Verjüngung der Wälder ist der Pflanzung oder Saat von Bäumen vorzuziehen. Gentechnisch veränderte Pflanzen dürfen nicht eingebracht werden. |
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Der Waldboden ist zu schonen, das Befahren der Wälder mit erforderlicher Technik ist daher nur auf Wegen und Rückegassen zulässig. Diese dürfen nicht mehr als 10 % der Waldfläche ausmachen. Der Einsatz von Pferden bei der Waldpflege ist anzustreben. |
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Die natürliche Dynamik ist bei der Waldbewirtschaftung zuzulassen. Seltene Baumarten und Sonderbiotope sind zu erhalten. Als langfristiges Ziel sind 10 % des Holzvorrates als Biotopholz (etwa Altholzinseln, Bäume mit Spechthöhlen) dauerhaft von jeder Nutzung auszunehmen. |
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Um die natürliche Entwicklung zu beobachten, sind unbewirtschaftete Referenzflächen auszuweisen. |
In den Berliner Wäldern werden die genannten Anforderungen zum großen Teil seit vielen Jahren erfüllt. Die Ausweisung der Referenzflächen und die erforderliche Dokumentation und Berichte an den Naturland-Verband ergänzen das bisherige Konzept der Waldbewirtschaftung in Berlin und schaffen für alle Interessierten ein hohes Maß an Transparenz.
Das im Berliner Wald geerntete Holz wird ab sofort mit den geschützten Gütesiegeln vermarktet. Eine Vielzahl bedeutender Unternehmen (Baumärkte, Möbelhäuser etc.) bietet bereits Produkte aus zertifiziertem Holz an. Dem Käufer solcher Produkte wird garantiert, dass die anspruchsvollen Kriterien des Zertifikates bei dem verarbeiteten Holz erfüllt wurden.
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