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Krankenhaus Moabit

Obj.-Dok.-Nr.: 09050350,T
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Moabit
Strasse: Turmstraße
Hausnummer: 21 & 22
Strasse: Birkenstraße
Hausnummer: 62
Strasse: Lübecker Straße
Hausnummer: 6
Strasse: Perleberger Straße
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Krankenhaus
Literatur:
  • Inventar Tiergarten, 1955 / Seite 107-108
  • 1872-1972 Städtisches Krankenhaus Moabit (Festschrift), hrsg. v. Bezirksamt Tiergarten von Berlin, Berlin 1972Brandenburg, Dietrich, Berlins alte Krankenhäuser, Berlin 1974Roskamp, Heiko, Verfolgung und Widerstand. Tiergarten - Ein Bezirk im Spannungsfeld / Seite 40-43,110f.
  • Silbereisen, Gabriele/ Das Städtische Krankenhaus Moabit =Geschichtslandschaft, Tiergarten 2, 1987 / Seite 246-261 (dort weit. Lit.)
  • Topographie Mitte/Tiergarten, 2005 / Seite 257f.

Nördlich der Turmstraße, gegenüber dem Kleinen Tiergarten, erstreckt sich ein weiträumiges Krankenhausgelände, das bis zur Perleberger Straße und Birkenstraße reicht. Das Krankenhaus Moabit, Turmstraße 21-22 und Birkenstraße 62, wurde 1872 als Barackenlazarett der Stadt Berlin eröffnet. (1) Ursprünglich standen dort einzelne Baracken, die als Aufnahmestation bei Pocken-, Cholera- und Typhusepidemien gedacht waren. Davon blieb nichts erhalten. Nur noch ansatzweise lässt sich das damals angelegte Wegenetz mit den beiden Hauptachsen in Nord-Süd-Richtung erahnen. Aus dem regelmäßig aufgebauten, von Grünflächen durchzogenen Krankenhaus im Pavillonsystem entwickelte sich eine große Krankenversorgungseinrichtung. Der Haupteingang an der Turmstraße wurde durch den Abbruch des alten, im Zweiten Weltkrieg bereits zur Hälfte zerstörten Verwaltungsgebäudes 1974 vollkommen verändert. Das 1906 von Ludwig Hoffmann errichtete Bauwerk, das mit seiner zurückhaltenden, streng gegliederten Straßenfront das Krankenhaus würdig repräsentierte, musste dem neuen Gesundheitsamt mit Aluminiumfassade weichen. Erhalten blieb nur das Personalwohnhaus, das 1893-95 von Stadtbauinspektor Fridolin Zekeli ausgeführt wurde. Der viergeschossige Backsteinbau vertritt mit seiner kubischen Grundform, dem Flachdach und dem mehrfarbigen Backsteinschmuck den sparsamen, nüchternen Baustil der Berliner Schule. Das mit Zimmern für Schwestern, Pflegerinnen und Schülerinnen ausgestattete Haus war für eine Umstellung des Pflegebetriebs auf Personal, das nicht aus kirchlichen Einrichtungen stammte, notwendig geworden. Mit einem eigenen Wohnhaus sollte ausreichend Pflegepersonal an das Krankenhaus gebunden werden. Unmittelbar dahinter liegt das 1902-04 erbaute Wohnheim für Pflegerinnen, das dem repräsentativen Umbau und der Erweiterung des Krankenhauses durch Ludwig Hoffmann entstammt. (2) Das durch Lisenen und einen Mittelrisalit gegliederte Backsteingebäude zeigt die für Ludwig Hoffmann typische Materialbetonung mit moderaten historisierenden Anklängen. Der Stadtbaurat wählte barocke Architekturformen, die er freilich vereinfachte, um eine strenge, monumentale Wirkung zu erreichen. Im Gegensatz zum Verwaltungsgebäude, das reicher gestaltet war, bildete er schlichte, durch Sandsteingliederungen belebte Fassaden aus. Nur an der Schmalseite wurde das Schmuckmotiv des Verwaltungsgebäudes, eine große Kartusche im geschweiften Giebel, wiederholt. Die Bildhauerarbeiten stammen von Ernst Westpfahl. Das 1899-1902 errichtete Küchengebäude, das ursprünglich den Hof hinter dem Verwaltungsgebäude begrenzte, bildet zusammen mit den Nebengebäuden des zugehörigen Wirtschaftshofs eine kleine Baugruppe. Die unter Einfluss Ludwig Hoffmanns von Fridolin Zekeli entworfenen Bauten erwecken mit Krüppelwalmdach, Fachwerkgiebeln und einem halbrunden Türmchen mit geschweifter Haube einen malerischen, ländlichen Eindruck. Stadtbauinspektor Zekeli, der wenige Jahre zuvor das Personalwohnhaus an der Turmstraße im veralteten akademischen Backsteinstil entworfen hatte, veranschaulicht hier den von Ludwig Hoffmann eingeleiteten Wechsel zu einer zeitgemäßen Architektur. Auch der 1891-92 erbaute Desinfektionspavillon im Nordosten des Geländes stammt von Fridolin Zekeli. Das niedrige Gebäude erinnert mit seinem quer gestellten Kopfbau, den ausladenden flachen Satteldächern und der roten Backsteinverblendung an das ursprüngliche Pavillonsystem des Krankenhauses. In der für diesen Bau abgerissenen Desinfektionsbaracke hatte Robert Koch bahnbrechende Experimente zu Desinfektions- und Sterilisationsmethoden vorgenommen.

Das Krankenhaus Moabit erlangte 1920 den Rang eines Universitätsklinikums. Davon zeugt das in der Mittelachse angeordnete kleine Hörsaalgebäude, erbaut 1936-37, der mit seiner sachlichen Gestaltung noch auf die funktionale Architektur der 1920er Jahre verweist. Bereits 1921-23 entstand der dahinter liegende Chirurgische Pavillon. Die schlossähnliche Dreiflügelanlage passt sich mit der roten Backsteinverblendung, den gliedernden Lisenen und dem Mansarddach hervorragend den Bauten von Ludwig Hoffmann an. Um den Chirurgischen Pavillon legt sich der U-förmige Nordpavillon, der den nördlichen Abschluss des Geländes bildet. Mit dem Bau wurde 1939 nach Plänen von Godehard Schwethelm begonnen. Nach einer kriegsbedingten Unterbrechung wurde die Dreiflügelanlage 1950-59 vollendet. Dass der Entwurf auf nationalsozialistischen Architekturvorstellungen beruht, sieht man am strengen Fassadenraster und am werksteinverkleideten Erdgeschoss. Das Hauptgebäude mit Operations- und Röntgenzentrum ist von der Birkenstraße zugänglich.

In den 1920er Jahren wirkten in Moabit namhafte Wissenschaftler und Ärzte, die durch ihre Forschungen dem Krankenhaus internationale Bedeutung verschafften. Bereits kurz nach der nationalsozialistischen Machtergreifung mussten viele Ärzte das Krankenhaus verlassen, weil sie jüdischer Herkunft waren oder der Arbeiterbewegung nahe standen. Eine engagierte Widerstandgruppe, die sich "Europäische Union" nannte, half Juden und politisch Verfolgten. (3) Das traditionsreiche Krankenhaus besteht heute nicht mehr. Im Zuge der Krankenhausreform wurde es bis 2002 geschlossen.


(1) BusB 1877, Bd. 1, S. 229; BusB 1896, Bd. 2, S. 437-440; Guttstadt, Albert: Krankenhauslexikon für das Deutsche Reich. Berlin 1900, S. 45-48; Murken, Axel Hinrich: Die bauliche Entwicklung des deutschen allgemeinen Krankenhauses im 19. Jahrhundert. Göttingen 1979, S. 259-262, Tafeln 116-117; Wirth 1955, S. 107-108; Goerke, Heinz: 90 Jahre Städtisches Krankenhaus Moabit. In: Berliner Medizin 13 (1962), S. 267-278; Goerke, Heinz: 90 Jahre Krankenhaus Moabit. In: Krankenhaus-Umschau 31 (1962), S. 494-501; Festschrift zum 100jährigen Bestehen. 1872-1972 Städtisches Krankenhaus Moabit. Hrsg. vom Bezirksamt Mitte von Berlin. Berlin 1972; Stürzbecher, Manfred: Moabit und die Entwicklung des öffentlichen Gesundheitswesen. In: Schwarz 1981, Bd. 1, S. 345-347; Pross, Christian und Winau, Rolf: Nicht mißhandeln. Das Krankenhaus Moabit. Berlin 1984; Silbereisen, Gabriele: Das Städtische Krankenhaus Moabit, Turmstraße 20a-22, Perleberger Straße 46, Ecke Birkenstraße 62-65. In: Geschichtslandschaft 1987, S. 246-261; Krankenhäuser in Berlin. Bauten und Projekte der 80er Jahre. Hrsg. vom Senator für Gesundheit und Soziales. Berlin 1989, S. 256-261; BusB VII A, S. 199, 220.

(2) Zetzsche, Carl: Die Architektur auf den deutschen Kunstausstellungen des Jahres 1901. In: Architektonische Rundschau 18 (1902), Heft 3, S. 19, Tafel 22; Stiehl, Otto: Neuere technisch-künstlerische Bestrebungen im Backsteinbau. In: Bautechnische Zeitschrift 19 (1904), S. 386; Hoffmann, Ludwig: Neubauten der Stadt Berlin 5 (1907), S. 111-112, Abb. 8-17, Tafeln V-IX.

(3) Silbereisen, Gabriele: Das Städtische Krankenhaus Moabit, Turmstraße 20a-22, Perleberger Straße 46, Ecke Birkenstraße 62-65. In: Geschichtslandschaft 1987, S. 255-259.

Teilobjekt Haus B
Teil-Nr.: 09050350,T,001
Sachbegriff: Wohnhaus
Entwurf: Zekeli, Fridolin (Architekt)
Ausführung: Schäfer, C. (Maurermeister)
Bauherr: Stadtbauinspektion Ia
Teilobjekt Haus D - Kochküche & Wirtschaftshof
Teil-Nr.: 09050350,T,002
Sachbegriff: Küchengebäude & Wirtschaftshof
Entwurf: Hoffmann, Ludwig Ernst Emil (?) (Architekt)
Entwurf: Zekeli, Fridolin (Architekt)
Ausführung: Höfchen und Peschke (Baufirma)
Bauherr: Stadtbauinspektion Ia
Teilobjekt Haus E - Wohnheim für Pflegerinnen
Teil-Nr.: 09050350,T,003
Sachbegriff: Wohnheim
Entwurf: Hoffmann, Ludwig Ernst Emil (?) (Architekt)
Entwurf: Zekeli, Fridolin (Architekt)
Ausführung: Scharnke, Ernst (Architekt & Maurermeister)
Bauherr: Stadtbauinspektion Ia
Teilobjekt Haus J - Hörsaalgebäude
Teil-Nr.: 09050350,T,004
Sachbegriff: Hörsaal
Teilobjekt Haus L - Chirurgischer Pavillon
Teil-Nr.: 09050350,T,005
Sachbegriff: Pavillon
Entwurf: Städtisches Hochbauamt II (Baugeschäft)
Ausführung: Neuköllner Stadtbaugesellschft mbH
Bauherr: Städtisches Hochbauamt Ia
Teilobjekt Haus M
Teil-Nr.: 09050350,T,006
Sachbegriff: Pavillon
Entwurf: Schwethelm, Godehard
Ausführung: Garbe, Oskar & Schwarz, Konrad & Anhalt, August
Entwurf: Bezirksamt Tiergarten, Hochbauamt (Baugeschäft)
Ausführung: Heilmann und Littmann
Bauherr: Reichshauptstadt Berlin
Teilobjekt Haus Q - Desinfektionspavillon
Teil-Nr.: 09050350,T,007
Sachbegriff: Pavillon
Entwurf: Zekeli, Fridolin (Architekt)
Bauherr: Stadtbauinspektion I