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Theodor-Wolff-Park

Obj.-Dok.-Nr.: 09097798,T
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Friedrichstraße
Hausnummer: 239 & 240 & 241 & 242 & 243 & 244
Strasse: Wilhelmstraße
Hausnummer: 8
Strasse: Rahel-Varnhagen-Promenade & Franz-Klühs-Straße
Denkmalart: Gartendenkmal
Sachbegriff: Parkanlage & Brunnen & Plastik
Datierung: 1988-1990
Entwurf: Poly, Regina (Landschaftsarchitekt)
Entwurf: Pfannenstiel, Dieter (Architekt)

Der Theodor-Wolff-Park, der einen Block zwischen Friedrichstraße 239-244 und Wilhelmstraße nördlich des Mehringplatzes einnimmt, schließt mit seinem klaren Blockgrundriss eine städtebauliche Lücke in dem vom Zweiten Weltkrieg stark zerstörten Stadtareal. Er ist ein Ergebnis der Internationalen Bauausstellung Berlin (IBA 1987) und einer 1983/84 erfolgten Bürgerbeteiligung, die statt einer großflächigen Blockbebauung einen Park forderte. Der Park wurde schließlich von 1988 bis 1990 in postmodernen Formen nach einem Entwurf von Regina Poly zusammen mit Dieter Pfannenstiel gebaut.(1) 1993 wurde die 1.200 Quadratmeter große Anlage zu Ehren des jüdischen Journalisten und Schriftstellers Theodor Wolff (1868-1943) in "Theodor-Wolff-Park" benannt. Der Park ist prägender Teil des Kreuzberger IBA-Grünzugs und schließt gleichzeitig über die nördlich angrenzende Rahel-Varnhagen-Promenade an die benachbarte IBA-Bebauung an.

Drei Wegeachsen zerschneiden den Park in unterschiedlich große Teile, in denen sich neben Rasenflächen auch eine Sportanlage und ein Kinderspielbereich befinden. Die Wege treffen sich in einem kleinen Platzrondell, das leicht aus der Mitte gerückt in der Nordhälfte der Anlage liegt und von Säuleneichen umrundet wird. Hier steht die von Heinrich Brummack 1988 bis 1990 gefertigte zweiteilige Brunnenanlage "Nichtgeburtstagskaffeekanne" aus weißem Marmor, grünem Diabasgestein und rotem Granit. Vom selben Künstler stammen auch eine einfache Vase aus grünem Diabas am nordwestlichen Eingang und eine weitere auf einem stilisierten Wagen aus grauem Granit auf dem Kinderspielplatz im Süden.

Richtung Friedrichstraße liegt eine breite Promenade mit einer zweireihigen Lindenallee und einer nachträglich angelegten Boulebahn, die südöstliche Ecke wird durch einen kleinen quadratischen Platz betont. Über wenige Stufen erreicht man dieses Entrée, auf dem als Tor zum Park eine leicht gebogene Arkade steht, die sich über drei Säulen hinweg auf der Promenade fortsetzt. Die insgesamt zehn Säulen haben Betonbasen und sind mit roten Keramikabflussrohren ummantelt, die einen blauen Stahlträger stützen. Der Arkadenbogen findet seinen optischen Abschluss in vier weißen Betonsäulen, die sich auf der zentralen Rasenfläche des Parks befinden. Zur Rachel-Varnhagen-Promenade begleitet eine Robinienreihe die Anlage. Ein Parkweg liegt hier etwas tiefer und wird entlang einer halbhohen Mauer aus Waschbeton mit Klinkereinlage von Bänken gesäumt. Zwischen die Bänke setzte Poly einen vielgestaltigen Staudenstreifen. An der Wilhelmstraße, deren Straßenverlauf in den 1960er Jahren geändert wurde, verlängern vor den beiden verbliebenen Altbauten Wilhelmstraße 7 und 9 Vorbeete den Parkblock. Zwischen den beiden Altbauten bricht der Park hindurch und fällt über eine Rasenfläche sanft zur Straße hin ab. Eine Arkade nimmt die Flucht der Altbauten auf und schließt die historische Straßenfront.

Rondell, Wegestern und Arkaden sind Zitate der Gartenkunstgeschichte, werden aber durch die Unregelmäßigkeit des Wegesterns, die dezentrale Platzierung des Rondells und die ungewöhnliche Materialkombination für Arkaden und Mauern postmodern verfremdet. Regionalgeschichtlich knüpfte Poly mit der Verwendung von Keramikabflussrohren, Stahlträgern, Beton und Klinkern an den traditionellen Materialfundus Kreuzberger Gewerbebauten an. (2) Das Bodenrelief mit seinen niedrigen bewachsenen Mauern und den vielen Teilräumen ist eine Erinnerung an die frühere dichte Bebauung. (3)


(1) IBA Projektübersicht 1991, S. 157.

(2) Poly, Regina: Plätze, Innenhöfe, Parkanlagen 1985-1998. Köln 1998, S. 16f.

(3) Poly, Regina: Parkanlagen in der Friedrichstraße in den Blöcken 20 und 606. In: IBA Neubaugebiete 1987, S. 224.

Literatur:
  • Poly, Regina: Parkanlagen in der Friedrichstraße, in den Blöcken 20 und 606. in
    Kleihues, Josef Paul: Südliche Friedrichstadt. Rudimente der Geschichte. Ort des Widerspruchs. Kritische Rekonstruktion. Schriftenreihe zur Internationalen Bauausstellun / Seite 224
  • Struck, Hanna: Theodor Wolff und das Berliner Tageblatt. Über eine Sternstunde im liberalen deutsch-jüdischen Journalismus. in
    Tribüne. Zum Verständnis des Judentums. Heft 185, 2008 / Seite 172-176
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 132 f.
  • Poly, Regina: Plätze, Innenhöfe, Parkanlagen 1985-1998. Köln, 1998 & Senatsverwaltung für Bau- und Wohnungswesen Berlin (Hg.): Internationale Bauausstellung Berlin 1987. Projektübersicht. Aktualisierte und erweiterte Ausgabe. Berlin, 1991
Teilobjekt "Nichtgeburtstagskaffeekanne" & "Vase auf Wagen" & "Vase"
Teil-Nr.: 09097798,T,001
Sachbegriff: Brunnen & Skulptur & Plastik
Datierung: 1988-1990
Entwurf & Ausführung: Brummack, Heinrich