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Kath. Salvatorkirche und Christophorus-Kinderkrankenhaus

Obj.-Dok.-Nr.: 09097762
Bezirk: Tempelhof-Schöneberg
Ortsteil: Lichtenrade
Strasse: Briesingstraße
Hausnummer: 6
Strasse: Pfarrer-Lütkehaus-Platz
Hausnummer: 1
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Kirche kath. & Krankenhaus
Datierung: 1924-1925
Umbau: 1930-1933
Umbau: 1954-1956
Entwurf: Hertel, Bernhard (Architekt)
Entwurf: Bischof, Josef (Architekt)
Entwurf: Kosina, Heinrich (Architekt)

Die katholische Salvatorkirche und das ehemalige Christophorus-Kinderkrankenhaus an der Briesingstraße 6 und am Pfarrer-Lütkehaus-Platz 1 markieren zusammen mit dem Bahnhof das Ortszentrum von Lichtenrade, das sich im 20. Jahrhundert vom Dorfanger zur Bahnhofstraße verlagert hat. (1) Theodor Grabe, der Pfarrer von St. Elisabeth in Schöneberg, hatte die Idee, in ländlicher Umgebung ein Säuglings- und Kinderheim zu errichten, zu dem eine katholische Kirche mit Pfarrhaus hinzukommen sollte. Der Kölner Dombaumeister Bernhard Hertel legte 1920 die Baupläne vor, nach denen für die Kirche eine barocke Architekturfassung vorgesehen war. Weil die finanziellen Mittel fehlten, wurde 1924-25 zunächst nur eine Notkirche errichtet. Nach dem Tod Bernhard Hertels übernahm Josef Bischof das Projekt. Er entwarf eine sachlich gestaltete Baugruppe, die einheitlich mit roten Klinkern verkleidet ist. Das Kinderkrankenhaus wurde 1930-33 erbaut. Von der Salvatorkirche konnten 1932-33 aus Kostengründen nur der Chor und die beiden anschließenden Joche fertig gestellt werden. Die fehlenden Bauteile fügte Heinrich Kosina 1955-56 hinzu.

Die Salvatorkirche, bei der sich barocke und moderne Architekturformen vereinen, besteht aus einem breiten Langhaus mit Walmdach, einem abgesetzten schmalen Chor und einem gedrungenen Chorturm, dessen Zwiebelhaube auf einem kubischen, fensterlosen Unterbau ruht. An der Nordseite ist ein niedriger Gang entlang geführt. Zu den barocken Elementen gehören die langrunden Fenster und Ochsenaugen des Chorpolygons. Mit dem dunklen Klinkermauerwerk und den hellen Fenstereinfassungen aus Sandstein erinnert die Salvatorkirche an westfälische Barockkirchen. Die Innenausstattung hingegen ist dem süddeutschen Barock nachempfunden. Das flach überwölbte Kirchenschiff besitzt aufwendig stuckierte korinthische Wandpilaster. Die an der Südseite angeordnete Empore war für die Patienten des Krankenhauses gedacht. Münchner Künstler schufen den prachtvollen Hochaltar mit dem reich geschmückten, von Engeln umgebenen Tabernakel, mit den korinthischen Säulen, die das Altarbild umrahmen und dem kräftigen gesprengten Giebel. (2) Das von Gebhard Fugel gemalte Altarbild zeigt den auferstandenen Christus als Retter (Salvator). Otto Grassl aus Dachau malte das Marienbild des Marienaltars nach der byzantinischen Ikone "Mutter von der immerwährenden Hilfe" und die im Barockstil gestalteten Kreuzwegstationen. Der Taufbrunnen stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Die Bilder links und rechts des Altarraums wurden vermutlich aus einer Schlosskapelle in Schlesien nach Lichtenrade gebracht. Dargestellt sind die hl. Hedwig im Kloster Trebnitz und der hl. Antonius von Padua, dem das Jesuskind erscheint. Die wertvollen Glasfenster mit eingeschmolzenen Silbersplittern und eingeschliffenen liturgischen Symbolen kamen 1948 in die Salvatorkirche. (3) Die Fenster des Kirchenschiffs zeigen unter anderem das Wappen Papst Pius XII. und das Wappen des Templerordens.

Das Christophorus-Kinderkrankenhaus schließt sich in der Briesingstraße an den Chor der Salvatorkirche an. Die dreigeschossige Bebauung mit Walmdach verrät eine sachliche Architekturauffassung. Josef Bischof gliederte die schmucklosen Fassaden durch gleichmäßig aufgereihte Fenster. Alle Krankenzimmer sind nach Süden orientiert, um Licht, Luft und Sonne hereinzulassen. Der Mittelbereich des Südflügels springt etwas hervor. Die dort angeordneten Zimmer verfügen über verglaste Falttüren, die bei gutem Wetter vollständig aufgeklappt wurden. Links und rechts schließen sich Liegeterrassen mit abgerundeten Ecken an. Damit die Kinder vom Bett aus auf die Grünflächen vor dem Krankenhaus hinabschauen konnten, erhielten die Terrassen durchsichtige Brüstungen aus Glas. Die Terrasse vor dem dritten Geschoss reicht über die gesamte Gebäudebreite. Die abgerundeten Ecken, die das Gebäude schwungvoll und dynamisch erscheinen lassen, wurden 1952 vollständig verglast. Außerdem kam das auskragende flache Dach über der dritten Terrasse hinzu. Der Ostflügel an der Briesingstraße beherbergte die Behandlungs- und Untersuchungszimmer. Heinrich Kosina ergänzte 1954-55 den zweigeschossigen Eingangstrakt mit dem weit auskragenden Vordach aus Spannbeton. In der Eingangshalle ist ein Mosaik mit dem hl. Christophorus zu sehen. Das Treppenhaus besitzt eine beigefarbene Wandverkleidung aus Keramik, die durch lindgrüne Keramikeinfassungen gegliedert wird. Der Wandbrunnen neben dem Treppenaufgang trägt ein Relief mit dem Bildnis von Theodor Grabe, dem Gründer von Krankenhaus und Kirche. Im zweigeschossigen Verbindungstrakt zur Salvatorkirche ist ein Oratorium eingerichtet. Dort versammelten sich die Heiligenstädter Schulschwestern, die das Krankenhaus bis 1974 betreuten, zum Gebet. Im Hofgelände steht die ehemalige Notkirche, die man 1933 zu einem Ärztehaus umgebaut hat. Das Pfarr- und Gemeindehaus vervollständigt die Baugruppe.

Das Christophorus-Kinderkrankenhaus musste 1995 geschlossen werden. Seit 2002 beherbergt das instand gesetzte Gebäude das Bürgeramt des Ortsteils Lichtenrade, eine Außenstelle des Bezirksamts und die Stadtteilbibliothek.


(1) Salvatorkirche: Bischof, Josef: Krankenhäuser, Sparkassen, Wohnbauten und Kirchen. Neuere Bauten von Josef Bischof, in: Monatshefte für Baukunst und Städtebau 17 (1933), S. 361; Streicher/Drave 1980, S. 320-321; Tempelhof - Bauten, Straßen, Plätze 1992, S. 54; BusB VI, S. 191, 407; Goetz/Hoffmann-Tauschwitz 2003, S. 293-294. Christophorus-Kinderkrankenhaus: Bischof, Josef: Krankenhäuser, Sparkassen, Wohnbauten und Kirchen, in: Bauwelt 24 (1933), Heft 28, Beilage, S. 1-2; Möbius, M. R.: Kinderkrankenhaus in Berlin-Lichtenrade, in: Deutsche Bauzeitung 67 (1933), S. 536-537; Bischof, Josef: Krankenhäuser, Sparkassen, Wohnbauten und Kirchen. Neuere Bauten von Josef Bischof, in: Monatshefte für Baukunst und Städtebau 17 (1933), S. 361-362.

(2) Engel, Tabernakel und Tabernakelthron wurden von Professor Fuchsberger, München, aus Holz geschnitzt.

(3) Die beiden letzten Fenster des Kirchenschiffs wurden erst 1958 eingebaut.

Literatur:
  • Bauwelt 24 (1933) 28 / Seite 1f.
  • Deutsche Bauzeitung 67 (1933) / Seite 231ff.
  • Topographie Tempelhof, 2007 / Seite 361f.
  • Monatshefte für Baukunst und Städtebau 17 (1933) / Seite 320f.
  • Streicher, Drave/ Berlin - Stadt und Kirche. Berlin 1980 / Seite 191 & 407
  • BusB VI 1997 / Seite 293f.
  • Kirchen Berlin Potsdam. Berlin 2003