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Preußisches Herrenhaus

Obj.-Dok.-Nr.: 09096003
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Mitte
Strasse: Leipziger Straße
Hausnummer: 3 & 4
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Regierungsbau
Entwurf: 1882
Datierung: 1899-1903
Entwurf: Schulze, Johann David Friedrich Otto
Ausführung: Held und Francke (Baugeschäft)
Bauherr: Preußisches Herrenhaus

[Gärten]Das Preußische Herrenhaus, Leipziger Str. 3-4, wurde 1899-1904 zusammen mit dem Abgeordnetenhaus auf zwei Grundstücken erbaut, die ehemals große Gartenanlagen umfaßten. Die Grundstücke entstanden im Zuge der Erweiterung der Friedrichstadt seit 1713, als sich hier wohlhabende Bürger und Adlige niederließen. Den in den 1730er Jahren erbauten Wohnhäusern waren jeweils große, durch barocke Zierbeete gegliederte Gärten zugeordnet, die teilweise auch Nutzflächen mit einschlossen und im Vergleich etwa zum benachbarten größeren Garten des späteren Preußischen Kriegsministeriums recht schlicht ausgestaltet waren (1). Unter den zahlreichen Besitzern der Grundstücke befand sich auf dem Grundstück Nr. 3 von1825 bis 1851 die Familie Mendelssohn-Bartholdy, unter der der damalige Garten mit Besonderheiten ausgestattet und durch viele Beschreibungen einen gewissen Ruhm erlangte (2). Als 1851 der Preußische Staat das Grundstück derMendelssohns übernahm, wurde das Haus für die Erste Kammer des preußischen Landtags, das sog. Herrenhaus, umgebaut. Die Gestaltung, Pflege und Unterhaltung des Gartens übernahm der Königliche Obergärtner Eduard Neide. Unter ihm erfuhr der Garten eine Umgestaltung im Sinne der Lenné-Meyerschen Schule (3). Auf dem benachbarten Grundstück Nr. 4 wurde 1763 die Königliche Porzellan-Manufaktur gegründet und der Garten zunehmend durch Fabrikgebäude bebaut. 1871 zog hier zeitweise der Reichstag ein. Das endgültige Ende beider Gärten bedeutete jedoch der Bau des Abgeordnetenhauses 1894 an der Prinz-Albrecht-, heute Niederkirchnerstraße sowie der Neubau des Herrenhauses an der Leipziger Straße, die durch einen Verbindungsbau miteinander verbunden waren. Zwei kleine Gartenflächen blieben beidseitig des Verbindungsbaus der getrennten Erholung für Herrenhausmitglieder und Abgeordnete vorbehalten. 1904 stellte man den repräsentativen Ehrenhof an der Leipziger Straße fertig, der trotz Umbauten in den 1930er Jahren sowie verschiedener Neuplanungen in späterer Zeit nicht grundlegend gestalterisch überformt wurde. Seit den späten 1930er Jahren war er allerdings dem Verfall ausgesetzt. Nach dem Bau der "Berliner Mauer" 1961 rückte er, von einer provisorischen Mauer abgeschirmt, bis 1989 endgültig ins Abseits und verwilderte. Bei denkmalpflegerischen Grabungen, die 1996 durchgeführt wurden, kam die gesamte Struktur der Erschließung mit der geschwungenenVorfahrt, ergänzt durch seitliche, mit Mosaikpflaster befestigte Fußwege, zutage. Direkt vor dem Portikus befand sicheine exedraförmige Brunnenanlage. In die begrenzenden Balustraden waren Löwenköpfe eingelassen, aus denen sich das Wasser fächerförmig in das tiefergelegene, in die mittlere Rasenfläche ragende Becken ergoß - ein Motiv des Berliner Klassizismus, das hier einen starken Gegensatz zur ernsten Strenge des Wilhelminischen Herrschaftsgebäudes bildete. Von dem Brunnen sind der innere Beckenrand sowie der mit Terrazzo befestigte Beckengrund erhalten.

Der Ehrenhof war, noch ganz im Sinne der Lenné-Meyerschen Schule, aufwendig mit pflanzlichen Elementen ausgestattet. Vor allem Immergrüne prägten die vegetabile Gestaltung: kugelförmig geschnittene Gehölze bildeten den Rahmen für die zentrale Rasenfläche, höhenmäßig abgestufte Pflanzungen befanden sich in den Eckbereichen. Die nicht mehr vorhandene aufwendige Zaun- und Toranlage war zur Leipziger Straße hin um 2,50 m aus der Flucht zurückgesetzt. Ein ornamentaler Mosaikpflasterstreifen auf dem Gehweg verstärkte den Eindruck einer Vermittlungszone zwischen Herrenhaus und Straßenraum. Teilflächen des hinteren Gartenbereiches wurden bereits 1936 durch den Bau von Tiefgaragen für das angrenzende Reichsluftfahrtministerium zerstört. Sie weisen heute kaum mehr Denkmalbestand auf.

(Eckert 1998)


(1) Die Einteilung der Gärten ist abgebildet im sog. Schmettau-Plan von 1748 sowie im sog. Rhodenschen Plan von 1742. (Beide in Jacobs/Hübinger, Preußisches Herrenhaus/Hexagon Berlin, Berlin 1996, im Auftrag der Bundesbaudirektion Berlin, Abb. 3, 4).

(2) Zitate in: Ebd., S. 16-19.

(3) Hinweise sowie Plan der Umgestaltung Neides in: Ebd., S. 20, Abb. 27.

Literatur:
  • BusB II/III 1896 / Seite 66ff.
  • BusB III 1966 / Seite 62
  • Bau- und Kunstdenkmale Berlin I, Berlin 1983 / Seite 228
  • Bekiers, Schütze/ Zwischen Leipziger Platz, 1981 / Seite 58ff.
  • N.N./ Der Neubau des preussischen Abgeordneten-Herrenhauses in
    Deutsches Baugewerksblatt 11 (1892) / Seite Sp. 435-438
  • N.N./ Das neue Gebäude des Herrenhauses in Berlin in
    Baugewerks-Zeitung 36 (1904) / Seite 93-95
  • N.N./ Berliner Neubauten. 89. Das neue Abgeordnetenhaus des preussischen Landtags in
    Deutsche Bauzeitung 33 (1899) / Seite 21ff.
  • N.N./ Berliner Neubauten. No.111. Das neue Herrenhaus des preussischen Landtags in
    Deutsche Bauzeitung 38 (1904) / Seite 40-42, 52-53, 136-141
  • N.N./ Das neue preussische Herrenhaus in Berlin in
    Architektonische Rundschau 20 (1904) 6 / Seite 41-45
  • Schulze, Friedrich/ Das neue Landtagshaus in Berlin in
    Zentralblatt der Bauverwaltung 15 (1895) / Seite 226-228, 237-239, 245-248
  • N.N./ Das neue Herrenhaus in Berlin in
    Zentralblatt der Bauverwaltung 24 (1904) / Seite 26 f, 38 ff, 66 ff, 73, 81 f, 190 ff
  • Hinckeldeyn/ Die Aufgaben der Hochbauverwaltung des preussischen Staates in
    Zentralblatt der Bauverwaltung 25 (1905) / Seite 374
  • Harbers/ Ein großer Festsaal im Preußischen Herrenhaus in Berlin in
    Baumeister 32 (1934) / Seite 198-199
  • Bundesrat (Hg)/ Der Bundesrat im ehemaligen Preußischen Herrenhaus, Gebr. Mann Verlag, Berlin 2002Topographie Mitte, 2003 / Seite 364 f.