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Humboldt-Universität

Obj.-Dok.-Nr.: 09095954,T
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Mitte
Strasse: Unter den Linden
Hausnummer: 6
Strasse: Dorotheenstraße
Hausnummer: 17
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Hochschule
Entwurf: 1748
Datierung: 1749-1765
Umbau: 1846 & 1892 & 1920 & 1954 & 1962
Entwurf: Boumann d. Ä., Johann (Architekt)
Entwurf: Womacka, Walter
Bauherr: Friedrich Heinrich Ludwig von Preußen (Prinz)

Dem Opernhaus und der Alten Bibliothek gegenüber öffnet sich der Ehrenhof der breit gelagerten Dreiflügelanlage der Humboldt-Universität, Unter den Linden 6 und begrenzt das "Forum Fridericianum" nach Norden. Das Palais wurde 1748-53 als Stadtresidenz für Prinz Heinrich von Preußen, den Bruder Friedrichs II., erbaut. Architekt war Johann Boumann d. Ä., erste Entwürfe stammten vermutlich von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff. Die Bauausführung wurde zunächst von Boumann geleitet und später von Carl Ludwig Hildebrandt übernommen. 1809 übereignete Friedrich Wilhelm III. das Palais der neu gegründeten Berliner Universität, als deren Hauptgebäude es bis heute eng mit der Berliner Universitätsgeschichte verbunden ist.

Die streng gegliederten Lindenfassaden zeigen ungeachtet der Bauänderungen, der Teilzerstörung 1943-44 und des Wiederaufbaus in den Jahren 1946-54 sowie späteren Restaurierungen noch die Außenarchitektur des barocken Palais in den Formen der Knobelsdorff-Schule. Das Corps de Logis von 17 Achsen wird dominiert von einem fünfachsigen skulpturenbekrönten Mittelrisalit mit sechs kannelierten korinthischen Säulen und dahinter liegenden Pilastern. Dieses Motiv wiederholt sich vereinfacht in den Pilastergliederungen an den Stirnseiten der Seitenflügel. Das Erdgeschoss ist als gequaderter, leicht geböschter Sockel ausgebildet, die feine Putzquaderung der Obergeschosse ist bis zum Hauptgesims geführt. Die Rundbogenfenster in der Belle Etage der Risalite schmücken Pflanzengirlanden und Schlusssteinköpfe. Beim Wiederaufbau nach 1945 wurden die Sandsteinfiguren über dem Mittelrisalit durch Kopien ersetzt und über den Seitenrisaliten durch Figuren vom zerstörten Potsdamer Stadtschloss ergänzt.

Von stadträumlicher Bedeutung ist die umfassende Erweiterung der Universität aus den Jahren 1913-20 nach Plänen von Stadtbaurat Ludwig Hoffmann. Seiner Auffassung über den Umgang mit bedeutender historischer Bausubstanz entsprechend - "Die Rücksicht auf den geschichtlichen Bau und die ganze Umgebung gebot es, die feine und würdige Palastarchitektur für die gesamten Erweiterungsbauten in strengster Weise beizubehalten" - übernahm er die Formen des friderizianischen Palais für den Neubau. (1) Die beiden Flügel an der Lindenseite ergänzte Hoffmann durch seitliche Anbauten. An der Nordseite des barocken Mittelbaus errichtete er zwei lange Seitenflügel mit quer liegenden Kopfbauten zur Dorotheenstraße. Im Inneren wurden Verbindungen zwischen Alt- und Neubauten in allen Geschossen geschaffen, was umfassende Änderungen im barocken Kerngebäude zur Folge hatte.

1943-44 wurde der Mittelbau bis auf die Außenwände zerstört, der Ostflügel brannte beinahe vollständig aus, der Westflügel erlitt Teilzerstörungen. Beim Wiederaufbau in zwei Phasen in den Jahren 1947-54 und 1958-62 wurden zunächst die Fassaden vollständig wieder hergestellt. Auch die Instandsetzung des Mittelbaus und des Westflügels erfolgte in der ersten Phase und war 1954 abgeschlossen. Die Raumstruktur im Mittelbau wurde verändert, die historische Aula, der Senatssaal und die Haupttreppe waren stark zerstört und wurden daher nicht rekonstruiert, das Treppenhaus verlegte man an die Gartenseite und richtete eine großzügige Empfangshalle an der Lindenseite ein. Die repräsentative Ausstattung der Räume im Mitteltrakt mit neoklassizistischen Wand- und Deckengestaltungen zählt zu den qualitätsvollen Beispielen des Historismus der fünfziger Jahre in der DDR. Für die DDR war die Universität von besonderer Bedeutung, da Karl Marx hier bei dem Philosophen Hegel studiert hatte. Dadurch erklärt sich auch das Zitat der Marxschen Feuerbachthese "Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt aber darauf an, sie zu verändern" in goldenen Lettern im Haupttreppenhaus. Der Kinosaal im Erdgeschoss des Ostflügels und das neue Auditorium Maximum im ersten und zweiten Obergeschoss mit Foyer erhielten 1958-62 eine zeitgemäße, moderne Ausstattung. Die farbigen Glasfenster entstanden nach Entwürfen von Walter Womacka.


(1) Vgl. Seidel 1920, S. 413.

Literatur:
  • Seidel, Werner, Die Erweiterungsbauten der Berliner Universität in
    Zentralblatt der Bauverwaltung 40 (1920) 65 / Seite S. 409-415
  • Topographie Mitte/Mitte, 2003 / Seite 263-265
  • Gandert/ Vom Prinzenpalais, 1986
Teilobjekt Die Wissenschaft erobern
Teil-Nr.: 09095954,T,001
Sachbegriff: Fenster (Bleiglas)
Datierung: 1962
Entwurf: Womacka, Walter (Maler & Grafiker)