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Deutsche Staatsoper

Obj.-Dok.-Nr.: 09095952
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Mitte
Strasse: Unter den Linden
Hausnummer: 7
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Oper
Entwurf: 1741
Datierung: 1741-1742
Umbau: 1787 & 1844 & 1910 & 1928 & 1942 & 1955
Entwurf: Knobelsdorff, Georg Wenzeslaus von (Architekt)
Entwurf: Paulick, Richard (Architekt)
Bauherr: Friedrich II. (König von Preußen)

Das 1741-43 von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff erbaute Königliche Opernhaus, die heutige Staatsoper, Unter den Linden 7, war der erste realisierte Bau des "Forum Fridericianums". Es war gleichzeitig das "erste bedeutende Theater überhaupt, das als monumentales, frei stehendes Bauwerk in einer Stadt errichtet wurde". (1) Es verkörperte somit den modernsten Theatertypus seiner Zeit. Der monumentale Giebelportikus an der Hauptseite zieht die Aufmerksamkeit auf sich und erhebt den Theaterbau zu einem palastartigen Monumentalbau, der den kulturellen Anspruch Friedrichs II. gegenüber der Herrschaftsarchitektur des traditionell militärisch orientierten Königtums, wie man es im gegenüberliegenden Zeughaus formuliert findet, würdig vertritt. Die Schlichtheit der äußeren Formen des Putzbaus steigert die Wirkung des Säulenportikus' vor der Hauptfassade. Vorbild waren vor allem englische Landsitze, die im frühen 18. Jahrhundert in der Nachfolge Palladios entstanden waren. Das ursprüngliche bauplastische Programm, Apoll und den Musen gewidmet - FRIDERICUS REX APOLLINI ET MUSIS, verkündet die Aufschrift auf dem Architrav - ist unter der Leitung von Johann August Nahl ausgeführt worden. (2) Das Giebelrelief der Hauptfassade, das die Musik im Kreise der Künste versinnbildlicht, ist eine Neuschöpfung in Zinkguss aus dem Jahre 1844 von Ernst Rietschel. (3)

Das Königliche Opernhaus wurde bereits im 18. und 19. Jahrhundert tiefgreifend umgebaut. Dazu gehörte die Modernisierung der Innenräume 1787 durch Carl Gotthard Langhans ebenso wie die vollständige Erneuerung des Hauses unter Beibehaltung der Außenarchitektur durch Carl Ferdinand Langhans nach einem Brand 1843-44. Fortbestand hatte dagegen der 1910 zunächst provisorisch eingefügte Bühnenturm, der unter dem Protest der Zeitgenossen 1926-28 unter der Leitung von Eduard Fürstenau durch Seitenbühnen ergänzt wurde. Seither befinden sich die ehemals flachen Risalite der Längsseiten außermittig und die Proportionen des Baukörpers insgesamt sind stark verändert.

Der Wiederaufbau der kriegszerstörten Oper in den Jahren 1951-55 durch Richard Paulick orientierte sich im Wesentlichen am Bau von 1743. (4) Paulick vertrat die Auffassung, dass die Oper "nach den überlieferten Knobelsdorffschen Plänen und Absichten" wieder herzustellen sei und unvermeidliche Zutaten sich dem "Geist Knobelsdorffs" anpassen müssten. (5) Als unvermeidlich erwies sich der Erhalt der Seitenbühnen von 1926-28, wogegen die Höhe des Bühnenturms deutlich reduziert und in das Dekorationssystem eingepasst werden konnte. Das Innere gestaltete Richard Paulick historisierend, in Anlehnung an Knobelsdorffsche Architektur und Dekorationen, komplett neu. Garderobenhallen und Restaurant wurden in das deutlich vergrößerte Untergeschoss verlegt. Im Apollosaal, der als Konzertsaal und Foyer genutzt wird, verzichtete Paulick auf die Wiederherstellung der die Wände gliedernden Karyatiden und ließ Doppelsäulen nach dem Vorbild des ovalen Speisesaals im Potsdamer Schloss Sanssouci einbauen. Der Zuschauerraum wurde als dreirangiger Theatersaal mit einachsigen Proszeniumslogen und unter Verzicht auf eine Ehrenloge in Anlehnung an Knobelsdorffs Entwurf neu konzipiert, steht jedoch mit seinen klassizistischen Dekorationen im Gegensatz zur üppigen barocken Ausstattung der Erbauungszeit.


(1) Forsyth 1992, S. 101.

(2) Aus dieser Zeit sind jedoch nur die Reliefs an den vier Risaliten und das Giebelrelief auf der Rückseite als Sandsteinkopie nach dem Original erhalten geblieben.

(3) Alle freiplastischen Figuren sind Arbeiten von Bildhauern der Rauchschen Schule und nach dem Brand 1843-44 entstanden, mit Ausnahme jener auf dem Westrisalit und dem Bühnenturm. Sie sind Neuschöpfungen der Jahre 1951-1955 aus der Werkstatt des Bildhauers Karl Felzmann.

(4) Bauakten und Schriftverkehr für den Wiederaufbau 1952-55 im Bundesarchiv Berlin, Bestand Bauakademie der DDR und im Archiv der Deutschen Staatsoper.

(5) Zitat aus dem "Vorentwurf für den Wiederaufbau der Deutschen Staatsoper" von Richard Paulick, Kopie im Archiv der Deutschen Staatsoper.

Literatur:
  • Architekturführer Berlin, 1991 / Seite 317
  • BusB II/III 1896 / Seite 485, 489-493
  • BusB V A 1983 / Seite 65f., 107-108
  • Borrmann, Die Bau- und Kunstdenkmäler, 1893 / Seite 355-359
  • Dehio, Berlin und Potsdam, 1983 / Seite 45-46
  • Deutsche Architektur 1 (1952) / Seite 30f.
  • Deutsche Architektur 2 (1953) / Seite 141, 265f
  • Deutsche Architektur 4 (1955) / Seite 436f.
  • Fürstenau, Zur Baugeschichte in
    Denkmalpflege und Heimatschutz 30 (1928) / Seite 17-22
  • Kaufmann, Oskar/ Berliner Theater und Lichtspielhäuser in
    Bauwelt 22 (1931) / Seite 620
  • Unter den Linden - Photographien, Berlin 1991 / Seite 37, 39, 40, 41
  • Historische Luftaufnahmen von Berlin, 1991 / Seite 9
  • Kühn, Fritz/ Eisen und Stahl, Leipzig 1957 / Seite 76f. (Kaminverkleidung in der Garderobenhalle)
  • Kapp, 185 Jahre Staatsoper, 1928 &
    Kapp, Geschichte der Staatsoper, 1937 &
    Kapp, 200 Jahre Staatsoper, 1942 &
    Meffert, Das Haus der Staatsoper, 1942 &
    Meffert, Das Haus der Staatsoper, 1944 &
    Deutsche Staatsoper, hrsg. v. Ott / Seite 259 f.