denkmal  

 

Liste, Karte, Datenbank - Denkmaldatenbank

Kronprinzenpalais

Obj.-Dok.-Nr.: 09095949
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Mitte
Strasse: Unter den Linden
Hausnummer: 3
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Regierungsbau
Entwurf: 1663
Fertigstellung: 1669
Umbau: 1732
Umbau: 1811
Umbau: 1857
Umbau: 1969
Entwurf: Gerlach, Philipp (Architekt)
Entwurf: Paulick, Richard (Architekt)
Bauherr: Martiz (Kammersekretär)

Dem Zeughaus gegenüber an der südlichen Seite der Straße Unter den Linden stehen Kronprinzen- und Kronprinzessinnenpalais. Das Kronprinzenpalais, Unter den Linden 3, war im Zweiten Weltkrieg bis auf die Umfassungsmauern ausgebrannt, wurde vollständig abgetragen und erst in den Jahren 1968-70 nach Plänen von Richard Paulick neu aufgebaut. Ausschlaggebend für die Rekonstruktion des Vorkriegszustandes waren städtebauliche Gründe. Der östliche Teil der Straße Unter den Linden, der durch den Wiederaufbau von Oper, St. Hedwigs-Kathedrale, Bibliothek, Universitätsgebäude, Neuer Wache und Zeughaus seine Vorkriegskonturen wiedergewonnen hatte, sollte durch die Schließung der letzten Lücke abgerundet werden. Gleichzeitig musste ein befriedigender Übergang zur neu errichteten Hochhausscheibe des Außenministeriums und damit zum Regierungszentrum der DDR am Schlossplatz geschaffen werden. Auch der bis dahin ungeordnete Bereich hinter der Friedrichswerderschen Kirche an der Südseite des Grundstückes verlangte nach einer städtebaulichen Lösung. (1)

1663 als Privathaus für Kammersekretär Martiz erbaut, diente das so genannte Kronprinzenpalais von 1706 bis 1732 als Dienstwohnung für den Gouverneur von Berlin. 1732 folgte ein Umbau durch Philipp Gerlach für Kronprinz Friedrich und Prinzessin Elisabeth von Braunschweig zu einem zweigeschossigen Barockpalais mit reich dekoriertem Mittelrisalit und Auffahrtsrampe. In den Folgejahren war das Palais Stadtresidenz der preußischen Kronprinzen. Seit 1793 bis zu seinem Tode 1840 bewohnte es König Friedrich Wilhelm III. 1810-11 wurde westlich eine überdachte Brücke zum ehemaligen Prinzessinnenpalais angefügt. Auf Veranlassung des späteren Kaisers Friedrich III. führte der Baumeister Heinrich Strack 1856-57 einen durchgreifenden Umbau aus. Das Palais erhielt anstelle des Mansarddaches ein von korinthischen Pilastern gegliedertes Attikageschoss. Die toskanischen Pilaster der unteren Geschosse wurden ebenfalls mit korinthischen Kapitellen mit reich verziertem Gebälk versehen. Über der Vorfahrt entstand ein hoher Altan. An der Ostseite entfernte man die sechste asymmetrische Achse, fügte einen Seitentrakt an und schloss die Straßenfront mit einer Kolonnade. (2) Diese Umgestaltung mit ihrer spätklassizistischen Fassadengestaltung war maßgebliches Vorbild für den Wiederaufbau von 1968, da dieser kubische Bau eher als sein zweistöckiger barocker Vorgänger mit Walmdach mit der Hochhausscheibe des Außenministeriums in Einklang zu bringen war. (3) Aus Proportionsgründen wurde der östliche Anbau um ein Stockwerk erhöht ausgeführt. Die Innenräume des Kronprinzenpalais erhielten 1968-70 eine moderne, der neuen Funktion als "Gästehaus des Magistrats von Groß-Berlin" angepasste Ausstattung.

Der Garten wurde 1969-70 nach dem Entwurf von W. Hinkefuß völlig neu angelegt. Die über dem Straßenniveau liegende Anlage, unter der sich teilweise Tiefgaragen befinden, ist durch verschiedene Höhenversätze gestaffelt und umfasst das Gelände zwischen Oberwall- und Niederlagstraße. Von der Gartenterrasse des damals als Gästehaus eingerichteten Palais' führt eine breite Freitreppe zur tiefer gelegenen zentralen Rasenfläche hinab, die beidseitig durch geradlinige, von Rosenbeeten beziehungsweise Baumreihen begleitete Wege begrenzt wird. Südlich schließt ein Restauranttrakt, die "Schinkelklause", den Garten ab, der bis dorthin terrassenförmig ansteigt. Die Terrassen sind mit Sträuchern, Stauden und Rosen bepflanzt. Die Plastiken im Garten stammen von Senta Baldamus und Gerhard Thierse.

An der Fassade der "Schinkelklause" sind einige Terrakottaplatten und ein Portal der im Krieg teilzerstörten und um 1960 vollkommen abgetragenen Bauakademie von Karl Friedrich Schinkel wiederverwendet worden.


(1) Zur Rekonstruktion des Kronprinzenpalais vgl. Haspel 1997a; Bernau 1999.

(2) Zur Geschichte des Gebäudes vgl. BusB 1896, Bd. II, S. 15-16; Borrmann 1893, S. 311-313; Das kronprinzliche Palais in Berlin, in: Der Bär 9 (1883), S. 224-225; Seidel 1907.

(3) Die Rekonstrukion des barocken Baus war kurzzeitig in Erwägung gezogen worden.

Literatur:
  • Architekturführer Berlin, 1991 / Seite 316
  • BusB II/III 1896 / Seite 15f.
  • Das kronprinzliche Palais in Berlin in
    Der Bär 9 (1883) / Seite 224-225
  • Dehio, Berlin und Potsdam, 1983 / Seite 37f.
  • Bau- und Kunstdenkmale Berlin I, Berlin 1983 / Seite 152f.
  • Hohenzollern-Jahrbuch 11 (1907) in
    Seidel, Zur Geschichte des Kronprinzenpalais / Seite 206f
  • Haspel, Jörg/ Rekonstruktion als städtebauliche Denkmalpflege? Das Kronprinzenpalais in Berlin in
    Rekonstruktion in der Denkmalpflege. Überlegungen, Definitionen, Erfahrungsberichte (Deutsches Nationalkomitee für Denkmalschutz 1998) / Seite 75-85
  • Bernau, Nikolaus/ Das Kronprinzenpalais Unter den Linden. Ein Denkmal der DDR-Moderne in
    Museumsjournal Berlin 1 (1999) (?) / Seite 4-9
  • Topographie Mitte/Mitte, 2003 / Seite 252-254