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Auergesellschaft, später Osram und Narva

Obj.-Dok.-Nr.: 09095123
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Friedrichshain
Strasse: Ehrenbergstraße
Hausnummer: 11 & 14 & 17 & 18 & 19 & 23
Strasse: Rudolfstraße
Hausnummer: 9 & 10
Strasse: Rotherstraße
Hausnummer: 6 & 7 & 8 & 15 & 20
Strasse: Warschauer Platz
Hausnummer: 9 & 10
Strasse: Naglerstraße
Hausnummer: 4 & 8 & 17 & 18
Denkmalart: Ensemble
Sachbegriff: Industrieanlage
Baubeginn: 1906
Bauherr: Deutsche Gasglühlicht-Aktiengesellschaft (Auergesellschaft)

Auf dem Areal des 1893 stillgelegten Wasserwerkes vor dem Stralauer Tor, inzwischen durch exzellente Verkehrsverbindungen erschlossen, ließ die "Deutsche Gasglühlicht AG", seit 1904 auch als "Auergesellschaft"bezeichnet, eine Fabrikanlage errichten. Der "Auergesellschaft" war 1906 die Fertigung von Glühfäden aus Wolfram gelungen. Unter dem Markennamen OSRAM konzentrierte das Unternehmen hier in vier, z.T. ganze Baublöcke umfassenden Gebäudekomplexen die arbeitsintensive Fertigung der technisch überlegenen Wolframglühlampen. Von namhaften Architekten wie Theodor Kampffmeyer und Hermann Dernburg entworfen , gehen die einzelnen Gebäudeblöcke trotz differenzierter architektonischer Gestaltung auf ein einheitliches konstruktives und funktionales Konzept zurück. Gebäudehöhen, d.h. fünfgeschossig mit einer Traufhöhe von 22 m, und Bebauungsdichte entsprachen den maximal zulässigen Vorgaben der Berliner Bauordnung. (1)

Um mehrere Innenhöfe errichtet, nehmen die einzelnen Geschosse der der Lampenproduktion dienenden Gebäudeblöcke großflächige, z.T. geschoßgroße Produktionshallen auf. Die für große Lasten ausgelegten Stahlbetondecken ruhen auf Mittelstützen. Treppenhäuser und Aufzüge befinden sich an den Flügelübergängen und Flügelenden. Die in Skelettbauweise errichteten Gebäude sind mit Ziegelmauerwerk verblendet; die Fassaden werden durch ein gleichförmiges Öffnungsraster großflächiger Fenster gegliedert.

Äußerlich ähnlich gestaltet, ist das 1913-14 nach Entwurf von Hermann Dernburg errichtete Gebäude I (siehe Ehrenbergstraße 11-14) als fünfgeschossiger Verwaltungsbau konzipiert. Hier "stören" die Treppenhäuser und Aufzüge des Querflügels als angefügte Treppentürme bereits nicht mehr die Raumfolge des Gebäudeflügels. Das Gebäude I diente nach der Fusionierung der "Auergesellschaft" mit den Glühlampenfabriken der AEG und Siemens & Halske zur "OSRAM-Gesellschaft" 1919 als Verwaltungszentrale des neuen Konzerns.Obwohl sich mit der Fusionierung z.T. auch das Produktionsprofil änderte, der Konzern konzentrierte hier neben der auf bestimmte Lampentypen spezialisierten Massenproduktion auch die Fertigung des Wolframdrahtes und von Spezialmaschinen zur Lampenherstellung, genügten die Gebäude ohne gravierende Umbauten den veränderten Anforderungen. (2)

(S. 66)


(1) Die Berliner Bauordnung vom 15. Januar 1887 wurde noch im selben Jahr auf die Vorortgebietsteile der Kreise Niederbarnim und Teltow ausgedehnt. Nach Einsprüchen der Kreisverwaltungen teilte eine am 5. Dezember 1895 veröffentlichte Revision der Baupolizeiordnung die Vororte in zwei Bauklassen sowie in Gebiete mit Landhausbebauung ein. Innerhalb der Ringbahn galten Berliner Bauvorschriften. Vgl. Escher, S. 247-249.

(2) Vgl. Gensch/Liesigk/ Michaelis, S. 355-358.

In unmittelbarer Nähe legte im Jahre 1906 die zuvor im Industriepalast (siehe Warschauer Str. 39-40, 43-44) produzierende Deutsche Gasglühlicht-Gesellschaft (Auergesellschaft) den Grundstein für einen gewaltigen Firmenkomplex. (1) Im Zuge des allgemeinen Aufschwungs der Elektroindustrie beauftragte sie den Architekten Wilhelm Walther (2) damit, ein fünfstöckiges Fabrik- und Verwaltungsgebäude mit vier Höfen zu errichten. (...)Bereits 1907 erhielt der Architekt Theodor Kampffmeyer den Auftrag, zwei weitere Produktionsgebäude zu realisieren (...). Kurz nach Fertigstellung der beiden von Theodor Kampffmeyer entworfenen Bauten im Jahre 1909 brachte die Deutsche Gasglühlicht-Gesellschaft unter der Bezeichnung "Osramlampe" einen neuen Beleuchtungskörper auf den Markt, dessen Glühfaden aus Osmium und Wolfram bestanden. Der Erfolg dieses haltbaren und preisgünstigen Produkts leitete eine zweite Expansionsphase ein. Im Jahr 1910 begann daher der Architekt Hermann Dernburg mit der Planung eines gesonderten Verwaltungsbaus. (...)

Bemerkenswert ist, daß der auf städtebauliche Fernwirkung angelegte Firmenkomplex den umgebenden Mietshäusern hinsichtlich Blockrandbebauung, Traufhöhe und Geschoßaufteilung angepaßt wurde. Das Areal des Fabrikkomplexes war keineswegs eingezäunt: Alle Straßenzüge blieben öffentlich zugänglich. Gerade die elektrotechnische Industrie eignete sich für eine derartige innerstädtische Ansiedlung, weil keine schweren Lasten zu befördern waren, die Emission sich in erträglichen Grenzen hielt und die Fabrikation auch in mehrgeschossigen Bauten möglich war. Zudem konnten die Arbeiter in der unmittelbaren Umgebung wohnen.

1919 fusionierte das Unternehmen mit den Glühlampenfabriken der AEG sowie der Firma Siemens & Halske und erhielt den Firmennamen Osram GmbH. Im Jahr 1949 wurde die Osram GmbH enteignet, zunächst treuhänderisch verwaltet (3) und in ein VEB Glühlampenwerk umgewandelt, aus dem 1969 das Kombinat Narva hervorging. (4) Aus dieser Phase stammt der beleuchtbare Glaswürfel auf dem Turm des Gebäudes III.


(1) Die Bau- und Kunstdenkmale in der DDR, Hauptstadt Berlin I, S. 446/447; Geschichtslandschaft Berlin, S. 67; Fischer; Osram GmbH, Kommanditgesellschaft.

(2) Zu dieser Zeit arbeiteten in Berlin zwei Architekten dieses Namens. Der Architekt der Deutschen Gasglühlicht-Gesellschaft ist vermutlich nicht mit jenem Wilhelm Walther identisch, der für das ehemalige Verwaltungsgebäude der Victoria-Versicherung in der Kreuzberger Lindenstraße 20-25 verantwortlich zeichnete.

(3) Aufgrund von Kriegsschäden wurden Wiederaufbaumaßnahmen notwendig.

(4) Vgl. Keil/Roth.

Literatur:
  • Geschichtslandschaft, Tiergarten 2, 1987 / Seite 67
  • Bau- und Kunstdenkmale Berlin I, Berlin 1983 / Seite 466f.
  • Keil/Roth, Arbeiter machen Geschichte, Berlin 1980 Osram, Osram GmbH Kommanditgesellschaft, Leipzig 1922 Topographie Friedrichshain, 1996 / Seite 66, 126-132