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Osthafen

Obj.-Dok.-Nr.: 09095110
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Friedrichshain
Strasse: Stralauer Allee
Hausnummer: 1 & 6
Strasse: Alt-Stralau
Hausnummer: 1 & 2
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Hafen
Entwurf: 1899
Datierung: 1907-1913
Entwurf: Krause, Friedrich (Architekt)
Entwurf: Seifert
Entwurf: Zenn
Entwurf: Müller, K. A.
Entwurf: Henrici
Ausführung: Lasker
Ausführung: Tiefbauamt IV
Bauherr: Berliner Magistrat

Eisenbahnanschluß, waren ein wesentliches Motiv für den Bau des Osthafens 1907-1913 auf dem langgestreckten Ufergrundstück zwischen der Oberbaumbrücke und der Treptower Ring- und Ferneisenbahnbrücke. Die hier ca. 170 m breite Spree ermöglichte die Anlage eines modernen städtischen Binnenhafens. An der 1.390m langen Kaimauer reihen sich der Speicher sowie die Lager-, Wirtschafts- und Verwaltungsbauten des Hafens. (1) Der Güterumschlag war weitgehend mechanisiert. Am Ostende des Hafenareals befanden sich Kraftwerk, Wasserturm und der Hafenbahnhof mit Lokschuppen, Wasserkran und Werkstatt. (2)

(S. 61)


(1) Vgl. BusB, X B (2), S. 228-233.

(2) Vgl. Gensch/Liesigk/Michaelis, S. 97.

Mit der Fertigstellung des Osthafens an der Stralauer Allee 1-16 und Alt-Stralau 1-2 rückte das Stralauer Viertel als Umschlagplatz des östlichen Eisenbahngüterverkehrs nun auch ins Zentrum der Binnenschiffahrt. Langwierige Streitigkeiten zwischen der königlichen Eisenbahndirektion, die eine Gefährdung ihrer Monopolstellung durch das bereits 1899 baureif geplante Projekt des Magistrats nicht hinnehmen wollte, und der Stadt, die von Vertretern des Handels und der Industrie zu einer Standortverbesserung durch den Ausbau der Berliner Wasserwege gedrängt wurde, hatten das Vorhaben über Jahre verzögert. Die Einfassungen von Spree und Havel, der Oder-Spree-Kanal, der Teltowkanal und die Staustufe Mühlendamm waren seit Mitte des 19. Jahrhunderts zur Verbesserung der Verbindung mit den Seehäfen Hamburg und Stettin sowie den Binnenhäfen Breslau und Frankfurt/Oder entstanden. Die Planung der 1907-13 errichteten Hafenanlagen zwischen Oberbaumbrücke und Teltower Eisenbahnbrücke leitete Stadtbaurat Friedrich Krause für die städtische Berliner Hallen- und Lagergesellschaft. Seit 1893 war das am ehemaligen Stralauer Anger gelegene und dort einzig unbebaute Gelände im städtischen Besitz als Standort für einen Flußhafen vorgesehen. Im Unterschied zu den künstlichen Hafenbecken des Humboldthafens oder des Nordhafens am Spandauer Schiffahrtskanal, dem Schöneberger Hafen und dem ehemaligen Urbanhafen am Landwehrkanal konnte der Osthafen als Flußhafen mit einem leistungsfähigen Eisenbahnanschluß angelegt werden. Friedrich Krause stand ein Mitarbeiterstab bestehend aus den Magistratsbauräten Zenn und Seifert und den Regierungbaumeistern Müller und Henrici zur Seite.

Von der sich bandartig am nördlichen Spreeufer entlangziehenden Anlage sind der große Getreidespeicher neben dem Eierkühlhaus, das Lagerhaus West, das Verwaltungsgebäude, das Arbeiterspeisehaus, ein Schwerlastkran, das Lagerhaus Ost, der Eisenbahntunnel zum Nordring, die Einfriedung und - abgetrennt durch die Elsenbrücke - das Hafenkraftwerk Alt Stralau 1-2 erhalten.

Mit Rücksicht auf die florierende Personenschiffahrt der Oberspree suchte Krause die Eisenskelettbauten ebenso funktional wie repräsentatv zu gestalten. Er setzte grauen Backstein als Verblendung ein und wählte für die neoklassizistischen Gliederungselemente graugrünen Granit oder Muschelkalk. Holländische Dachziegel und Biberschwänze hatten den gleichen Farbton. Da die großen Freilagerflächen auch für Kohle angelegt wurden, waren die Farbtöne geschickt gewählt. Allegorien der Arbeit zieren das Speisehaus und Verwaltungsgebäude ebenso wie Kapitelle die Lisenen am Getreidespeicher. Sie sind auf die Perspektive des Spreetouristen abgestimmt, daher wirken die Reliefs zur Landseite etwas überdimensioniert. Entscheidend für die Gestaltung aber war das Gesamtbild, das durch den Wechsel von freien Flächen und langgestreckten Baukörpern bestimmt wird. Vom Getreidespeicher zum Kraftwerk zeigt sich eine Abstufung, die in überhöhten Risaliten und in dem Verwaltungs- und Arbeiterspeisehaus rhythmisierende Kontrapunkte findet. Das Kraftwerk auf der Grenze zur Landgemeinde Alt-Stralau dient als formaler Abschluß. In den Giebelformen übernimmt die Maschinenhalle des Kraftwerks die Umrisse der mehrfach abgeknickten Binderkonstruktion im Inneren. Eine Form, die von Peter Behrens für die AEG-Turbinenhalle in Moabit 1908, zeitlich also parallel, zu einer imposanten, sakral anmutenden Tempelfront transformiert wurde. Krause wertet den Bau zusätzlich durch einen markanten Wasserturm auf, den er neben die Maschinenhalle rückte und verlieh ihr damit gleichsam den Hoheitsanspruch eines Rathauses. Der Stadtbaurat wählte nach eigenem Bekunden "antikisierende (...) Anklänge an eine Zeit (...) in der Berlin (...) noch städtebaulich einen harmonischen, nahezu einheitlichen Stadtcharakter zeigte". (1) Aufwendige Spundwand-Fundamente über ehemaligen "Moorlöchern", die große statische Probleme verursacht hatten, zählen wie die verkleideten Eisenskelettkonstrukionen zu den verborgenen Qualitäten des technischen Denkmals. (2)


(1) Vgl. Der Osthafen zu Berlin, S. 47.

(2) Vgl. Zentralblatt für das Deutsche Baugewerbe, 1913, S.323-325; Baugewerks-Zeitung, 45/1913, Nr. 79, S. 803-804; Zentralblatt der Bauverwaltung, 1914, Nr. 44, S. 322-328; Deutsche Bauzeitung, 48/1914, Nr. 82; Die Bau- und Kunstdenkmale in der DDR, Hauptstadt Berlin I, S. 468.

Literatur:
  • Der Osthafen zu Berlin, hrsg. v. Friedrich Krause, im Auftrage des Magistrats Berlin, Berlin 1914Zentralblatt für das Deutsche Baugewerbe (1913) / Seite 323-325
  • Baugewerks-Zeitung 45 (1913) 79 / Seite 803-804
  • Zentralblatt der Bauverwaltung 34 (1914) 44 / Seite 322-328
  • Deutsche Bauzeitung 48 (1914) 81 / Seite 14. Oktober
  • Bau- und Kunstdenkmale Berlin I, Berlin 1983 / Seite 468
  • Topographie Friedrichshain, 1996 / Seite 61, 134-136