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Friedhöfe II und V der Ev. Georgen-Parochial-Kirchengemeinde und Friedhof der Ev. St. Petri-Luisenstadt-Kirchengemeinde

Obj.-Dok.-Nr.: 09085024
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Friedrichshain
Strasse: Friedenstraße
Hausnummer: 80 & 81 & 82
Strasse: Landsberger Allee
Hausnummer: 48 & 50
Denkmalart: Ensemble
Sachbegriff: Friedhof

Die Friedhöfe vor der Königsstadt sind das Ergebnis langwieriger Neuordnungsversuche des Berliner Bestattungswesens. Durch königliche Ordre war 1717 erstmalig das Verbot weiterer Bestattungen innerhalb der Stadtmauern verfügt worden. Die Erbbegräbnisse in und an den Kirchen durften jedoch weiterhin genutzt werden. Als jeweils gemeinsame Begräbnisstätten mehrerer Gemeinden entstanden daraufhin die ersten Friedhöfe außerhalb der Stadt, 1735 vor dem Halleschen Tor und 1763 vor dem Oranienburger Tor. (1) Das Allgemeine Landrecht von 1794 verbot erneut die Neubelegung der innerstädtischen Kirchhöfe, und 1817 sollten kraft einer Magistratsverordnung alle innerstädtischen Kirchhöfe endgültig geschlossen werden. Es folgten Gründungen an der Peripherie der jeweiligen Kirchengemeinde, und die ersten städtischen Begräbnisplätze vor der Königsstadt wurden angelegt. Der ältere Cholerafriedhof ging später in den nördlichen Teil der unten beschriebenen Friedhöfe auf,(2) und der um 1800 an der Friedenstraße gegründete Armenfriedhof, der sich auf dem Grundstück der Auferstehungskirche befand, wurde 1879 zur Bebauung aufgelassen.

Auf den später angelegten und noch bestehenden drei Gemeindefriedhöfen, den Friedhöfen II und V der evangelischen Georgen-Parochialgemeinde und dem evangelischen St. Petri-Friedhof, haben sich neben dem Hauptwegesystem sowie den Friedhofskapellen, auch Erbbegräbnisstätten erhalten. Die Gittergräber, Wandgrabmale und Mausoleen bieten nicht nur ein repräsentatives Bild der Friedhofsarchitektur und -plastik des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts, sondern geben auch wichtige Hinweise auf die Sozialstruktur dieser Zeit. So läßt sich an einigen früheren Grabmälern in einfachen klassizistischen und gotischen Formen die Herkunft der dort bestatteten Bürger aus Kleingewerbe und Handwerk (z. B. Bäckermeister, Gärtnereibesitzer, Bau- und Maurermeister, Bierbrauer, Viehhändler) ablesen. Nicht selten konnten die anfänglich kleinen Betriebe innerhalb einer Generation zu Fabriken entwickelt werden (die Berufsangaben in den Akten lauten dann: Mühlen- oder Meiereibesitzer, Fabrikant, Kaufmann, Rentier). Der größere Wohlstand wurde bei den Grabstätten durch die Verwendung teureren Materials - Marmor und Granit - und aufwendiger Gestaltung, die oft in der italienischen Renaissance ihr Vorbild fand, Ausdruck verliehen. Selten jedoch sind Grabmäler höherer Beamter und Angestellter (Revisor, Stadtamtmann, Stadtverordneter, Superintendent). Die wenigen Erbbegräbnisse hoher Staatsbeamter oder des Großbürgertums treten auf dem Friedhof II der evangelischen Georgen-Parochialgemeinde jedoch ganz besonders hervor. Neben der einzigen frei stehenden Grabkapelle der Familie Francke (s. u.), fallen die Mausoleen Weichert, Freese und Martiny durch ihre künstlerisch anspruchsvolle Gestaltung auf. (3)

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts befand sich die hohe Grabgestaltungskunst des 18. und frühen 19. Jahrhunderts bereits im Niedergang. Es sind nur vereinzelt noch Glanzpunkte aus der Rauch-Nachfolge und von Schaperschülern zu entdecken. (4)

Als erster und zugleich kleinster der bestehenden Begräbnisplätze an der Friedenstraße wurde 1825 der Friedhof V der evangelischen Georgen-Parochialgemeinde als Georgen-Kirchhof in der heutigen Friedenstraße 82 angelegt. Ihm folgte der 1838 gegründete Friedhof der evangelischen St. Petri-Kirchengemeinde in der Friedenstraße 81. Die geometrische Anlage überliefert die typische Gestaltung von Friedhöfen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. (...)


(1) Einholz, S. 257 und Anm. 2 [der Topographie].

(2) Vgl. Veit-Plan von 1847.

(3) Die Mausoleen der Familien Weichert, Freese und Martiny befinden sich auf dem Friedhof II der ev. Georgen-Parochialgemeinde in unmittelbarer Nähe des Überganges zum ev. St. Petri-Friedhof. Herausragend sind, wenn auch nur fragmentarisch erhalten, die bildkünstlerischen Innenausstattungen der Mausoleen Weichert und Freese.

(4) Bloch; Einholz, Anm. 30, dort auch weitere Literatur.

Literatur:
  • Wohlberedt/ Grabstätten, 1932-1952 / Seite Bd. IV
  • Topographie Friedrichshain, 1996 / Seite 106-107