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Märchenbrunnen

Obj.-Dok.-Nr.: 09085007
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Friedrichshain
Strasse: Am Friedrichshain & Friedenstraße
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Brunnen
Datierung: 1911-1913
Entwurf: Hoffmann, Ludwig Ernst Emil (Architekt)
Ausführung: Taschner, Ignatius & Rauch, Josef & Wrba, Georg (Bildhauer)
Bauherr: Stadt Berlin

Den Eingang am früheren Königstor schmückt der Märchenbrunnen, im westlichen spitzen Ausläufer des Parks zwischen der Friedenstraße und der Straße Am Friedrichshain gelegen. Die baulichen Anlagen schuf Ludwig Hoffmann, die Skulpturen die Bildhauer Ignatius Taschner, Josef Rauch und Georg Wrba. (1)

Stadtbaurat Hoffmann hatte im Zusammenhang mit seinen zahlreichen Gemeindeschulen im Norden und Osten Berlins vor allem Josef Rauch schon oft engagiert. Als Vorbild für die ausgeführte Fassung diente Hoffmann das Wassertheater der Villa Mondragone in Frascati. (2) Im Gegensatz zu seinen ersten Entwürfen, die, beeinflußt von der Gestaltung der gerade fertiggestellten Siegesallee, eher triumphalen Charakter hatten und Kindern nur schwer zugänglich gewesen wären, entwarf Hoffmann im Sinne barocker Schaulust eine Bühne, die von Kinder- und Tiergestalten aus den Grimmschen Märchen bevölkert wird. Die ursprünglich schwere hohe Kolonnade ersetzte er durch eine in den Proportionen ausgewogenere Arkatur mit aufgesetzter Balustrade. Vor deren Öffnungen wirken die Figuren aus Kalkstein, die besonders Kinder in unmittelbarem Blickkontakt ansprechen, um so plastischer und lebendiger. (3) Wegen dieser Umplanungen wurde der Brunnen, dessen Bau schon seit Anfang der 1890er Jahre beabsichtigt war, erst von 1911 an begonnen und zum 25jährigen Regierungsjubiläum des Kaisers 1913 eingeweiht. Je nach Gehrichtung als Einstimmung oder als Ausklang dient das östlich des großen Brunnens gelegene kleine Rondell, ebenfalls mit einem Brunnen und acht in Zweiergruppen angeordneten Märchenfiguren bzw. Fabelwesen von Georg Wrba. Der Märchenbrunnen beweist die Vielseitigkeit Ludwig Hoffmanns und auch sein Engagement und seine Phantasie im Umgang mit ungewöhnlichen Bauaufgaben. Des weiteren spiegelt sich hier wohl zum ersten Mal die veränderte Stellung des Kindes in der Gesellschaft nach der Jahrhundertwende wider. Nicht der erhobene Zeigefinger steht im Vordergrund, sondern den Kindern werden kindgerechte Identifikationsfiguren angeboten. (4) Wegen der starken Kriegszerstörungen wurden große Teile der Anlage in zwei Bauabschnitten 1950-51 und 1972-73 in von der ursprünglichen Fassung z.T. abweichender Gestaltung wiederhergestellt.


(1) Zur Vorgeschichte: Streich, S. 267-281; vgl. auch Ignatius Taschner, S. 248 ff.

(2) Schäche, Wolfgang, Ludwig Hoffmann, in: Baumeister, Architekten, Stadtplaner, S. 290.

(3) Fast alle Figuren und Figurengruppen wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört und später durch gröbere Kopien ersetzt; Abbildungen der Originalfiguren in: Der Märchenbrunnen im Friedrichshain zu Berlin.

(4) Obwohl ganz anders gestaltet, dürfte der Friedrichshainer Märchenbrunnen das Vorbild zum Märchenbrunnen im Von-der-Schulenburg-Park an der Sonnenallee in Neukölln von 1915 gewesen sein.

Literatur:
  • Baumeister, Architekten, Stadtplaner, 1987 / Seite 290
  • Ludwig Hoffmann, 1983 &
    Götz, N./Berger, Ursel/ Ignatius Taschner. Ein Künstlerleben zwischen Jugendstil und Neoklassizismus, München 1992 Bau- und Kunstdenkmale Berlin I, Berlin 1983 / Seite 435 f.
  • Reclam Berlin / Seite 154
  • Dehio, Berlin / Seite 78
  • Topographie Friedrichshain, 1996 / Seite 76, 98-100