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Postfuhramt

Obj.-Dok.-Nr.: 09080253
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Mitte
Strasse: Oranienburger Straße
Hausnummer: 35 & 36
Strasse: Tucholskystraße
Hausnummer: 19 & 20 & 21
Strasse: Auguststraße
Hausnummer: 5A
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Post & Betriebshof
Datierung: 1875-1881
Entwurf: Schwatlo, Carl
Ausführung: Tuckermann, Wilhelm

Die Einmündung in die Tucholskystraße beherrscht der monumentale Bau des Postfuhramtes Oranienburger Straße 35-36. Bereits 1713 befand sich auf dem Grundstück ein Wohnhaus für Postillone und seit 1766 stand hier die Posthalterei mit der Wohnung des königlichen Posthalters. (1) Da mit dieser traditionellen Organisationsform der enorm gewachsene Postfuhrverkehr in Berlin kaum noch zu bewältigen war, übernahm ab 1874 die Reichspost auch den Postfuhrbetrieb in staatlicher Regie. (2) Für dieses neu gegründete Postfuhramt errichtete Carl Schwatlo 1875-81 unter Mitarbeit von Wilhelm Tuckermann und auch unter Einflussnahme des Generalpostmeisters Heinrich Stephan nach Abriss der alten Postbauten auf dem großen, bis zur Auguststraße durchgehenden Eckgrundstück das dreigeschossige Hauptgebäude mit lang gestreckten Fronten entlang der Oranienburger und der Tucholskystraße sowie zwei dreigeschossige Stallgebäude im Hofgelände mit einer Zufahrt von der Auguststraße. (3) Das auch ein Postamt, ein Telegraphen-Ingenieurbüro, die Post- und Telegraphenschule, ein Fernsprechamt sowie eine der vier Maschinenstationen des Berliner Rohrpostnetzes aufnehmende Postfuhramt war einer der aufwändigsten Behördenbauten der Zeit. Den Hauptakzent setzt das von doppelachsigen Risaliten flankierte Hauptportal des Postamtes an der Straßenecke mit einer bis an das Dachgesims heranreichenden monumentalen Rundbogennische und bekrönt von einem oktogonalen Tambour und zwei flankierenden kleinen Kuppeln. (4) Die eiserne Kuppelkonstruktion entwarf Johann Wilhelm Schwedler. Mit diesem Kuppelmotiv, das byzantinischen Vorbildern nachempfunden ist, reagierte Schwatlo auf die nur wenige Meter entfernt aufragende Kuppel der Neuen Synagoge. Die gelben Klinkerfassaden im spätklassizistischen Rundbogenstil der Bauakademie, angelehnt an Vorbilder der oberitalienisch-lombardischen Frührenaissance, beleben hervorragend gearbeitete türkisblaue Bänder und Terrakotten in Renaissanceornamentik. In die Bogenzwickel des Erdgeschosses sind Bildnismedaillons von Personen, die sich besondere Verdienste bei der Entwicklung der Post und des Nachrichtenwesens seit der Antike bis zum 19. Jahrhundert erworben hatten, eingefügt. (5) In der Hoffront des Hauptflügels in der Tucholskystraße befindet sich das große Terrakottarelief einer Pferdepost, 1878 von Hermann Steinemann geschaffen. Im Gegensatz zu den beiden mehrgeschossigen Stallflügeln, die bereits 1925 im Zuge der Motorisierung des Postfuhrbetriebes abgerissen wurden, blieb auf dem Hof der Bau der ehemaligen Maschinenstation der Rohrpost erhalten. Neben leichteren Kriegsschäden ist der 1937-38 erfolgte Einbau der Zwischendecke in die ursprünglich gebäudehohe Schalterhalle der gravierendste Eingriff. Das bereits in den 1960er und 70er Jahren vom Abriss bedrohte und im Äußeren inzwischen aufwändig restaurierte Postfuhramt wird seit mehr als zehn Jahren kaum genutzt. Es diente nur temporär als Ausstellungsort.


(1) Die Postillone waren private Fuhrleute, die im Auftrage der Post den Transport von Personen und Postsendungen übernahmen. Als königlicher Posthalter fungierte ein Fuhrunternehmer, der auch in der Posthalterei wohnte und als Generalauftragnehmer mit den Postfuhraufgaben betraut war. Vgl. Demps 1998, S. 120ff.

(2) Vgl. Steinwasser 1988, S. 279.

(3) In Berlin sind von den zahlreichen Postbauten, die Carl Schwatlo in seiner Amtszeit als Regierungs- und Baurat im Generalpostamt für die kaiserliche Post entworfen hat, nur das ehemalige Haupttelegraphenamt in der Jägerstraße und das 1875-81 errichtete Postfuhramt in der Oranienburger Straße erhalten. Vgl. BusB 1896, Bd. II, S. 90-91; BusB X, Bd. B (4), S. 24-25, 170.

(4) Der monumentale Portalbogen wurde ursprünglich von einer mit Attributen des Postwesens ausgestatteten Figurengruppe auf der Sandsteinattika bekrönt.

(5) Beginnend mit dem persischen König Darius, der um 500 v. Chr. in seinem Reich das Münz- und Nachrichtenwesen neu organisierte, über Christoph Columbus und Franz von Taxis als habsburgischen Postmeister bis zu Werner von Siemens werden 26 verdienstvolle Persönlichkeiten der Post und des Nachrichtenwesens in chronologischer Folge mit ihren Lebensdaten vorgestellt. Die Anregung für diesen Zyklus gab der Generalpostmeister Heinrich Stephan. Vgl. Bankmann 2000.

Literatur:
  • Topographie Mitte/Mitte, 2003 / Seite 474 f.