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Denkmale in Berlin

Neue Synagoge

Obj.-Dok.-Nr.: 09080249
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Mitte
Strasse: Oranienburger Straße
Hausnummer: 30
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Synagoge
Entwurf: 1857
Baubeginn: 1859
Fertigstellung: 1866
Umbau: 1988
Entwurf: Knoblauch, Karl Heinrich Eduard (Architekt)
Entwurf: Stüler, Friedrich August (Architekt)
Ausführung: Höhnel, Ernst (Baumeister)
Literatur:
  • Reclam Berlin, 1977 / Seite 130f.
  • Brieger, Lothar, Die Neue Synagoge in Berlin, Berlin 1936 / Seite 5
  • Dehio, Berlin und Potsdam, 1983Eschwege/ Die Synagoge, 1980Geiger, Ludwig, Geschichte der Juden in Berlin, Berlin 1871 (Reprint Leipzig 1988)Graefrath, Robert, Die Neue Synagoge in Berlin in
    Bildende Kunst (1982) 4 / Seite 180f.
  • Graefrath, Robert, Die Ruine der Neuen Synagoge in Berlin in
    Bildende Kunst (1989) 12 / Seite 16-20
  • Hammer-Schenk, Harold, Synagogen in Deutschland, Hamburg 1981Hirschberg, Hans, Aus der Geschichte Berliner Synagogen in
    Jüdische Illustrierte, August/September 1956 / Seite 2f.
  • Kirchner, Peter, Die Neue Synagoge in der Oranienburger Straße in Nachrichtenblatt des Verbandes der Jüdischen Gemeinden in der DDR, Dresden, Dezember 1982 / Seite 5-8
  • Knoblauch, G., F. Hollin (edd.), Die Neue Synagoge in Berlin, Berlin 1887Knobloch, Heinz, Der beherzte Reviervorsteher, Berlin 1990 Rosenthal, James Y., Aus der Ruine blühte Leben (Manuskript) redaktionelle Bearbeitung unter dem Titel/ Erinnerungenan die / Seite 7f.
  • Simon, Hermann, Die Neue Synagoge Berlin, Berlin 1992Synagogen in Berlin, Ausstellungskatalog, hrsg. v. Berlin-Museum, Berlin 1983Bau- und Kunstdenkmale Berlin I, Berlin 1983 / Seite 279-281
  • Brost, Demps/ Berlin wird Weltstadt, 1981 / Seite 137
  • Topographie Mitte/Mitte, 2003 / Seite 469 f.

Das bedeutendste architektonische Zeugnis jüdischen Lebens in Berlin, die Neue Synagoge, Oranienburger Straße 30, (1) konnte im Mai 1995 als Centrum Judaicum wiedereröffnet werden. Als Wahrzeichen weist die im Jahre 1866 geweihte Hauptsynagoge Berlins auf die bedeutende Stellung und Größe der Jüdischen Gemeinde Berlins um die Mitte des 19. Jahrhunderts hin. In der Kristallnacht des Jahres 1938 geschändet und 1943 durch Bomben schwer beschädigt, wurde 1958 der Hauptbau gesprengt und abgetragen. Dem Beschluss zum Wiederaufbau vom 27.6.1988 folgten die Bestandssicherung, Konservierung und ein teilweiser Wiederaufbau der ruinösen Vorsynagoge. Mit der neu errichteten Kuppel ist die Synagoge wieder im Berliner Stadtbild präsent.

Die Synagoge entstand 1859-66 nach Entwürfen von Eduard Knoblauch, der bereits 1855 im Auftrag der jüdischen Gemeinde die alte Synagoge in der Heidereuthergasse umgebaut hatte. Nach dessen Erkrankung und Tod 1865 übernahmen sein Sohn Gustav Knoblauch und Friedrich August Stüler bis 1866 die Ausführungsplanung. Der Ziegelverblendbau mit moderner Eisenkonstruktion ist ein Hauptwerk der maurischen Richtung innerhalb der romantischen Berliner Architektur. (2) Mit diesen orientalischen Architekturbezügen, vor allem das Vorbild der Alhambra ist spürbar, wollte E. Knoblauch auf die historischen Wurzeln des Judentums hinweisen. Die durch farbige Ziegelstreifen sowie reichen plastischen und ornamentalen Terrakottaschmuck aufwändig gestaltete Straßenfront wird von quadratischen, vorspringenden Türmen mit achteckigen Kuppelaufsätzen flankiert und von einer großen Tambourkuppel über der zwölfeckigen Vorhalle bekrönt. Vor allem die drei Hauptportale mit hufeisenförmigen Bögen und die von einem Rippennetz überzogenen Kuppeln übernehmen maurische Stilformen.

Die Architekten verwendeten moderne Eisenkonstruktionen; die Deckengewölbe ruhen auf schlanken Eisenstützen, die filigrane eiserne Kuppelkonstruktion entwickelte der bekannte Ingenieur Johann Wilhelm Schwedler.

Durch mehrfache Verschiebung der Längsachse des Gesamtbaus gelang eine optimale Ausnutzung des unregelmäßig geformten Grundstücks. Die Achsenverschiebung beginnt im Zwölfeck der Eingangshalle und setzt sich im ehemaligen Männervestibül durch nicht parallele Wandstellungen fort. Eine Glaswand schließt den Bau am ehemaligen Übergang in das Kirchenschiff hofseitig ab und lenkt den Blick auf den in seinem Grundriss im Rasen nachgezeichneten Synagogenhauptraum.

Die fragmentarisch wieder hergestellte Oberflächenfassung der Eingangshalle übermittelt sowohl eine Vorstellung vom ursprünglichen Zustand als auch vom Ausmaß der Zerstörung. Die erhaltenen Raumbereiche nehmen die ständige Ausstellung zur Baugeschichte der Synagoge und zur Geschichte der Juden in Berlin auf.


(1) Vgl. Knoblauch 1867; Simon 1992; BusB VI, S. 274-282.

(2) Vgl. Börsch-Supan 1977, S. 149; BusB 1896, Bd. II, S. 166-168.