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Israelitisches Krankenheim

Obj.-Dok.-Nr.: 09080097
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Mitte
Strasse: Torstraße
Hausnummer: 146
Strasse: Linienstraße
Hausnummer: 86
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Krankenhaus
Entwurf: 1883
Fertigstellung: 1884
Umbau: 1908/1909
Entwurf: Schmid, Ernst (Baumeister)
Entwurf: Fraenkel, Max (Baumeister)
Bauherr: Martin, August (Arzt)

1884 wurde das ehemalige Israelitische Krankenheim, Torstraße 146 als Privatfrauenklinik des Dr. Martin von dem Baumeister Ernst Schmid errichtet. (1) Die helle Klinkerfassade an der Torstraße des ursprünglich nur dreigeschossigen Baus ist nach dem Vorbild italienischer Renaissancepalazzi im Rundbogenstil gestaltet, die Säulen der gekuppelten Fenster und Überfangbögen bestehen aus Sandstein. In gleicher Weise sind die Hoffassaden ausgeführt. 1908-09 erfolgte im Auftrag der Israelitischen Synagogengemeinde der Umbau zum jüdischen Gemeindekrankenhaus "Adass Jisroel". Die Ausführung übernahm Regierungsbaumeister Max Fraenkel. Funktionsverbesserungen im Inneren wurden durch den Anbau eines Treppenhauses - mit dem überlieferten Bettenaufzug - und eines Sanitärtraktes am Quergebäude erreicht und außerdem wurde ein zusätzliches Geschoss aufgesetzt. Besondere Beachtung verdient die reiche, im "maurischen Stil" gehaltene Wand- und Sockelbekleidung aus farbigen Ornamentfliesen der Firma Villeroy & Boch in der Durchfahrt.

Dieses zweite jüdische Krankenhaus Berlins genoss einen vorzüglichen medizinischen Ruf. Das Krankenhaus verfügte in den 1920er Jahren über vier Fachabteilungen mit über 50 Betten. Vor allem ab 1938 in seiner Arbeit zunehmend eingeschränkt, wurde das Haus 1941 geschlossen. Nach 1945 erst Polizeidienstgebäude, zog Anfang der 1950er eine Dienststelle der Reichsbahndirektion in das Haus. (2)

Von besonderer historischer Bedeutung sind die wenigen Zeugnisse aus der Zeit von 1909 bis zur Schließung des orthodoxen jüdischen Krankenhauses 1941. Dazu gehören eine Tafel zur Erinnerung an Adolf Goldschmidt und die Tafel über dem Arbeitszimmer von Moritz Knoller, beide langjährige Vorstandsvorsitzende des Trägervereins Chewra Kadischa und verdienstvolle Leiter des Krankenhauses sowie die rituellen Türpfosten (Mesusot) zur Aufnahme der auf Pergament geschriebenen Gebote. (3)


(1) Vgl. o.V., Professor Martin's Privatanstalt für Frauenkrankheiten in Berlin, in: Deutsche Bauzeitung 30 (1896) 24, S. 151-152.

(2) Vgl. Offenberg 1986, S. 166-179.

(3) Vgl. Offenberg 1986; Der Umbau 1908 ist vermerkt in: Haberlandts-Bautennachweis 1908 (erwähnt unter Linienstraße 86).

Literatur:
  • Topographie Mitte/Mitte, 2003 / Seite 522 f.
  • Deutsche Bauzeitung 30 (1896)