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1. Gemeindeschule Mariendorf

Obj.-Dok.-Nr.: 09076015
Bezirk: Tempelhof-Schöneberg
Ortsteil: Mariendorf
Strasse: Friedenstraße
Hausnummer: 23 & 24
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Schule
Datierung: 1907-1908
Umbau: 1953
Entwurf: Kerwien, Otto (Architekt)
Entwurf: Hochbauamt Tempelhof

Auf dem Grundstück hinter der alten Dorfschule, an der Friedenstraße 23-24, errichtete Otto Kerwien 1907-08 die 1. Gemeindeschule Mariendorf, die den ganzen ehemaligen Dorfkern beherrscht. (1) Das stattliche, hoch aufragende Gebäude großstädtischen Maßstabs verdeutlicht das Bevölkerungswachstum in Mariendorf im frühen 20. Jahrhundert, das mit der massiven Zunahme der Schülerzahlen einherging. An der repräsentativen Gestaltung und der Aufwertung des fünfgeschossigen Backsteinbaus durch historisierende Motive kann man ablesen, dass die Schulbauten des Berliner Stadtbaurats Ludwig Hoffmann als Vorbild dienten. Mit den glatten Backsteinfassaden, gegliedert durch helle Sandsteingesimse, den kleinteiligen Sprossenfenstern und der reich gegliederten Dachlandschaft ist die Schule der Reformarchitektur des beginnenden 20. Jahrhunderts zuzuordnen. Die Fassadengestaltung mit Backsteinflächen und Sandsteinelementen und die seitlichen, durch Voluten und Obelisken geschmückten Giebel verweisen auf die norddeutsche und niederländische Renaissance des 17. Jahrhunderts. Der Mitteltrakt mit der Aula im fünften Stockwerk ist durch ein überhöhtes Walmdach mit einem barock anmutenden Uhrturm hervorgehoben, während zwischen den Aulafenstern eine reich gestaltete Sonnenuhr zu sehen ist. Die beiden asymmetrisch angeordneten Eingänge bestehen jeweils aus einem Torbogen und einem Stichbogenfenster, durch das der Hausmeister die Pforte überwachen kann. Die darüber angeordneten Fenstergruppen sind von einer giebelartigen Sandsteindekoration mit Rollwerk im Stil des 17. Jahrhunderts umgeben. Die architektonische Gestaltung setzt sich an der Hofseite fort, die nicht als Rückseite, sondern als eigenständige, zum Dorfanger gerichtete Fassade wahrzunehmen ist. Der zurückgesetzte Mittelbereich wird von zwei hervortretenden Seitentrakten flankiert. Das Hochbauamt Tempelhof fügte 1952-54 einen Erweiterungsbau an, der sich mit der roten Backsteinverkleidung, dem durchgehenden Dach und den hochrechteckigen Fenstern gut dem Altbau anpasst. An den fünfgeschossigen Haupttrakt schließt sich ein dreigeschossiger Kopfbau an, der zur niedrigeren Nachbarbebauung überleitet.


(1) BusB V C, S. 391.

Literatur:
  • Topographie Tempelhof, 2007 / Seite 163