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Wohnhaus des Don-Bosco-Heims (ehem. Gästehaus)

Obj.-Dok.-Nr.: 09075568
Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil: Wannsee
Strasse: An der Obstwiese
Hausnummer: 5
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Wohnhaus
Datierung: 1929
Entwurf: Bestelmeyer, Johann Georg German (Architekt)
Bauherr: Jeidels, Otto (Bankdirektor)
Ausführung: Continentale Bau AG

[...]

Aus der Zeit Otto Jeidels erhalten sind das Wohnhaus, die am Waldrand entlang führende Zufahrt mit Tor und Pförtnerhaus und das ebenfalls von German Bestelmeyer entworfene Gästehaus der Villa Jeidels von 1929, An der Obstwiese 5. Leicht erhöht gelegen nimmt das ehemalige Gästehaus eine besondere Stellung unter den umgebenden Wohnhäusern ein. Sein annähernd quadratischer, eingeschossiger Baukörper wird durch ein ausgefallenes Holzschindeldach in Glockenform mit Aufschieblingen und Kielbogengauben geprägt. Das Dach ist in Zollinger Bauweise ausgeführt und erlaubt somit eine optimale Ausnutzung des stützenlos ausgebauten Dachgeschosses. Holzsichtige Fensterstürze sowie sichtbare gedrechselte Sparrenköpfe unter dem Dachüberstand zieren die schlicht geputzten Fassaden. Sprossenfenster im Querformat betonen die Horizontale, wodurch das Erdgeschoss sich unter dem übermächtigen Dach zu ducken scheint. Die Westseite wird von einem übereck gesetzten Fensterband und von einer Eck-Loggia mit Holzstützen und zurückliegender vierteiliger Fenstertür akzentuiert. Die Schmalseite der Loggia ziert ein aus dem Jahre 1930 stammendes pastellfarbenes Majolikarelief von Emil Pottner mit einer für den Künstler typischen ländlichen Darstellung, hier einer Fontäne und Federvieh. (1) Der Eingang liegt an der Südseite und führt über eine kleine Diele mit rot-schwarzen Bodenfliesen und offener Geschosstreppe in den winkelförmigen Wohnraum. Dieser besitzt eine Ausstattung im "altdeutschen Stil" mit Balkendecke, Bleiglasfenstern und Kamin. Schlafzimmer, Bäder und Küche komplettieren das Raumgefüge des inzwischen zum Wohnhaus umgebauten Gästehauses. Diesem kommt aufgrund seines ungewöhnlichen Daches Seltenheitswert zu. Mehr noch als bei dem ähnlichen Dach des Gärtnerhauses am Großen Wannsee 64 steigerte Bestelmeyer die historischen Elemente hier meisterhaft zu einer neuen, zurückhaltend expressiven Form. Unter den wenigen in Berlin erhaltenen Einfamilienhäusern des in München lehrenden Architekten, Präsident der Akademie der Künste und Gründungsmitglied der konservativen Architektenvereinigung "der Block", nimmt es damit eine besondere Stellung ein. (2)


1) Der jüdische Maler, Grafiker und Keramiker Emil Pottner, Mitglied der Berliner Sezession, war besonders für seine Majoliken und Vogelplastiken bekannt. Vgl. Oertel, Marcus: Emil Pottner (1872-1942), Das keramische Werk, unveröff. Magisterarbeit am Institut für Kunstgeschichte und Archäologie der Universität Bonn 1996.

2) Zu German Bestelmeyer 1874-1942) siehe: Thiersch, Heinz: German Bestelmeyer, Sein Leben und Wirken für die Baukunst, München 1961; Koch, Florian: German Bestelmeyer, Diss. München 1999.

Literatur:
  • Topographie Zehlendorf/Wannsee, 2013 / Seite 111
  • Oertel, Marcus: Emil Pottner (1872-1942), Das keramische Werk, unveröff. Magisterarbeit am Institut für Kunstgeschichte und Archäologie der Universität Bonn, 1996 Thiersch, Heinz: German Bestelmeyer, Sein Leben und Wirken für die Baukunst, München, 1961 K