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Wohnhausgruppe Schorlemerallee 7A & 9 & 11 & 13 & 13A & 15 & 15A & 17 & 17A & 17B & 19 & 19A & 21 & 21A & 23 & 23A Spilstraße 9

Obj.-Dok.-Nr.: 09075423
Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil: Dahlem
Strasse: Schorlemerallee
Hausnummer: 7A & 9 & 11 & 13 & 13A & 15 & 15A & 17 & 17A & 17B & 19 & 19A & 21 & 21A & 23 & 23A
Strasse: Spilstraße
Hausnummer: 9
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Wohnhausgruppe
Datierung: 1925-1930 & 1935
Entwurf: Luckhardt und Anker (Architekt)
Ausführung: Stiebitz und Köpchen (Maurermeister & Zimmermeister)

Die Reihenhauszeilen und Wohnhäuser in der Schorlemerallee 7A/23A, Ecke Spilstraße 9, entstanden ebenso wie die Bautengruppe Schorlemerallee 12-12C, in mehreren Bauabschnitten nach Entwürfen und auf eigene Rechnung, der für die Entwicklung der Neuen Sachlichkeit in der Baukunst maßgebenden Architekten Hans und Wassili Luckhardt in Zusammenarbeit mit Alfons Anker. (1) Zu ihrer Entstehungszeit wurden die architektonisch wie städtebaulich gleichermaßen reizvollen Anlagen als "Versuchssiedlung" angesehen, denn sie wiesen stilistisch und technisch radikale Neuerungen auf: Es handelt sich um entlang der Straße gestaffelte kubische Baukörper mit Flachdach, zum Teil ausgeführt in Stahlskelett- bzw. Stahlbetonbauweise aus vorgefertigten Bauteilen. Zunächst entstanden 1924-25 die beiden Reihenhauszeilen Schorlemerallee 13/17A und 19/23A noch traditionell in Mauerwerkstechnik - aus kantigen Kuben zusammengesetzt und staffelförmig gegeneinander versetzt, mit hell geputzten, durch rote Ziegelbänder abgesetzten Fassaden und mit übereck gestellten Sprossenfenstern. Das Raumprogramm der Häuser war für das mittelständische, Neuerungen gegenüber aufgeschlossene Bürgertum zugeschnitten. Die topografische Situation ermöglichte die Nutzung des an der Nordseite freiliegenden Kellers durch ebenerdige Küchen- bzw. Wirtschaftsräume. Im Erdgeschoss liegen die Wohnräume, im Obergeschoss die Schlafzimmer. Da Fremden- und Mädchenzimmer im Dachgeschoss nur zur Rückfront orientiert sind, ergibt sich an der Straßenseite eine zweigeschossige Ausbildung, während die Gartenseite drei Etagen über einem verklinkerten Sockelgeschoss aufweist.

Im nächsten Bauabschnitt folgte 1927 als erster experimenteller Stahlskelettbau der Architekten das zwischen den beiden Zeilen weit zurückgesetzte, puristisch wirkende Atelierhaus Schorlemerallee 17B. Seine damals neuartige Konstruktion besteht aus einem Stahlskelett, das mit Bimsbetonplatten geschlossen ist und dessen Fugen im Torkret-Verfahren mit Spritzbeton ausgefüllt sind. Die Außenhaut bestand ursprünglich nur aus einem Wasser abweisenden Zementputz. Das Gebäude wurde 1977 unter Veränderung der Fenster von Architekt Wolfgang Rasper zum Einfamilienhaus umgebaut. Ebenfalls in Stahlskelettbauweise entstanden 1928-30 das Doppelwohnhaus Schorlemerallee 7/7A sowie die erst 1935 vollendeten und nach Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs verändert wieder aufgebauten Einzelwohnhäuser Schorlemerallee 9 und 11. In ihrer reduzierten Form und feineren Kontur deutlich von den Häusern der ersten Bauphase abweichend, werden sie von sachlichen, weiß gestrichenen Fassaden mit sprossenlosen Fensterbändern gekennzeichnet. Einziger Schmuck waren einst zurückhaltende Profile aus farbiger Emaille an Dach, Sockel und Fensterrahmen. Äußere Form und individuelle Grundrisse - die Einzelwohnhäuser besaßen zum Beispiel einen über zwei Ebenen zusammengefassten Wohnraum - dürften zur Entstehungszeit eher Individualisten angesprochen haben. So wurden die Häuser 7/7A zunächst von dem avantgardistischen Filmregisseur Fritz Lang und seiner Frau, der Schauspielerin und Schriftstellerin Thea von Harbou, bewohnt. Die Architekten lebten ebenfalls in ihrer Siedlung, beiderseits des von ihnen gemeinsam genutzten Atelierhauses: Alfons Anker im Haus Nr. 17A, die Brüder Luckhardt in Nr. 19.

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(1) Brüder Luckhardt und Alfons Anker 1990, S. 12 f., 198 ff., 210 f., 216 f. (dort weiterführende Literaturangaben).

Literatur:
  • Hajos/Zahn, Berliner Architektur, 1928 / Seite 52, 111
  • Topographie Dahlem, 2011 / Seite 95
  • Johannes, Neues Bauen, 1931 / Seite 41
  • Kultermann, Udo/ Wassili und Hans Luckhardt - Bauten und Entwürfe, Tübingen 1958 / Seite 25 ff. (Das Foto auf S. 28, das u.a. die fertiggestellten Häuser Schorlemerallee 9 u. 11 zeigt, ist eine Fotomontage)
  • Rave, Knöfel/ Bauen seit 1900, 1968 / Seite Obj. 132, 133
  • BusB IV A 1970 / Seite 201
  • Architekturführer Berlin, 1989 / Seite 217
  • Brüder Luckhardt und Alfons Anker, 1990 / Seite 12, 98 ff., 210, 216
  • Güttler, Peter u.a., Berlin - Brandenburg. Ein Architekturführer, Berlin 1990 / Seite 201